Stadt Saarbrücken

Peter Burg (Münster)

Barocker Brunnen auf dem St. Johanner Markt, 1759. Entworfen von Friedrich Joachim Stengel (1694-1787). (Landeshauptstadt Saarbrücken)

Im Jah­re 1909 schlos­sen die ehe­ma­li­ge nas­saui­sche Re­si­denz­stadt Saar­brü­cken, die Schwes­ter­stadt St. Jo­hann und die jun­ge In­dus­trie­stadt Mal­statt-Bur­bach ei­nen Ver­ei­ni­gungs­ver­trag, der zur Bil­dung der fünft­grö­ß­ten links­rhei­ni­schen Groß­stadt mit 105.000 Ein­woh­nern führ­te. Die neue Kom­mu­ne wur­de aus dem Land­kreis Saar­brü­cken, der zum Re­gie­rungs­be­zirk Trier der preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz ge­hör­te, aus­ge­glie­dert. Den Sta­tus ei­ner kreis­frei­en Stadt be­hielt sie bis zur Ge­biets- und Ver­wal­tungs­re­form von 1974.

Im Jah­re 1919 wur­de sie mit dem Saar­ge­biet der Ho­heit des Völ­ker­bun­des un­ter­stellt. In der Volks­ab­stim­mung vom 13.1.1935 ent­schie­den sich die Saar­län­der für die Rück­kehr ins Deut­sche Reich. Das Land an der Saar ein­schlie­ß­lich der kreis­frei­en Stadt Saar­brü­cken wur­de aber nicht wie­der dem Re­gie­rungs­be­zirk Trier zu­ge­ord­net, son­dern der Ver­wal­tung ei­nes „Reichs­kom­mis­sars für das Saar­lan­d“ un­ter­stellt. Die di­rek­te Un­ter­ord­nung un­ter die Reichs­re­gie­rung blieb bis zum Kriegs­en­de be­ste­hen.

Seit der Völ­ker­bunds­herr­schaft be­saß Saar­brü­cken ei­ne zen­tral­ört­li­che po­li­tisch-ad­mi­nis­tra­ti­ve Funk­ti­on, sei es als Sitz ei­ner Re­gie­rungs­kom­mis­si­on (1920-1935), ei­nes Re­gie­rungs­prä­si­den­ten (1935-1945) oder ei­nes Ho­hen Kom­mis­sars der Be­sat­zungs­macht Frank­reich be­zie­hungs­wei­se der Re­gie­rung des Saar­lan­des.

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Luftbild der Stadt Saarbrücken mit Schloss, alter Brücke und Saarländischem Staatstheater. (Landeshauptstadt Saarbrücken)

 

Der saar­län­di­sche Ge­setz­ge­ber hob in der Ver­wal­tungs­re­form von 1974 den kreis­frei­en Sta­tus Saar­brü­ckens auf und bil­de­te aus der gleich­zei­tig ver­grö­ßer­ten Lan­des­haupt­stadt und dem Land­kreis Saar­brü­cken (mit vier wei­te­ren Städ­ten und fünf Ge­mein­den) den Stadt­ver­band Saar­brü­cken, der 2008 in ei­nen die Ko­ope­ra­ti­on der Mit­glie­der stär­ken­den Re­gio­nal­ver­band um­ge­wan­delt wur­de. Durch die Ge­biets­re­form von 1974 wur­de die Lan­des­haupt­stadt selbst um elf Städ­te und Ge­mein­den ver­grö­ßert, ih­re Flä­che wuchs um 217 Pro­zent auf 167 Qua­drat­ki­lo­me­ter, die Ein­woh­ner­zahl stieg um 70 Pro­zent und be­lief sich auf 209.104, ein Stand, den sie in der Fol­ge­zeit nicht mehr er­reich­te. Zum 31.12.2009 wa­ren 178.362 Per­so­nen mit Haupt­wohn­sitz in der Saar­me­tro­po­le an­ge­mel­det.

Ein Blick in die Vor­ge­schich­te der kreis­frei­en Stadt Saar­brü­cken zeigt an­ders als das 20. Jahr­hun­dert nur we­ni­ge Ver­än­de­run­gen in der ter­ri­to­ria­len Zu­ge­hö­rig­keit. Nach der Erst­erwäh­nung im Jah­re 999 be­geg­net das Bis­tum Metz als Lehns­herr der Kai­ser­burg sa­rabruc­ca. Seit An­fang des 12. Jahr­hun­derts re­si­dier­ten die Gra­fen von Saar­brü­cken (ab 1353 das Haus Nas­sau Wal­ra­mi­sche Li­nie) in der heu­ti­gen Alt­stadt links der Saar, bis das re­vo­lu­tio­nä­re Frank­reich von 1792 bis 1815 ei­ne In­te­rims­herr­schaft er­rich­te­te und die Ho­hen­zol­lern für mehr als ein Jahr­hun­dert die Nach­fol­ge an­tra­ten. Nach­dem Saar­brü­cken und St. Jo­hann im Jah­re 1322 den Frei­heits­brief er­hal­ten hat­ten, fand ein Wan­del der Kom­mu­nal­ver­fas­sung erst in der Re­vo­lu­ti­ons­epo­che statt. Mit dem Un­ter­gang des Fürs­ten­tums Nas­sau-Saar­brü­cken ver­lor Saar­brü­cken den Sta­tus der Re­si­denz­stadt. Als Haupt­ort des Ar­ron­dis­se­ments Saar­brü­cken be­saß es aber noch ei­ne Funk­ti­on als ad­mi­nis­tra­ti­ves Zen­trum. Die im Jah­re 1800 ge­bil­de­te Mai­rie Saar­brü­cken, die als Bür­ger­meis­te­rei in preu­ßi­scher Zeit bis zum Jah­re 1859 fort­be­stand, nahm hin­sicht­lich ih­res Um­fangs die spä­te­re kreis­freie Stadt vor­weg, da sie ne­ben den Städ­ten Saar­brü­cken und St. Jo­hann die Dör­fer Mal­statt und Bur­bach – zeit­wei­se noch wei­te­re Um­land­ge­mein­den – ein­be­zog. Bis 1856 un­ter­schied die rhei­ni­sche Kom­mu­nal­ver­fas­sung wie die fran­zö­si­sche Mai­rie nicht zwi­schen Stadt- und Land­ge­mein­den, so dass die­se ei­ne Ver­wal­tungs­ge­mein­schaft bil­den konn­ten. Saar­brü­cken und St. Jo­hann wa­ren im Pro­vin­zi­al­land­tag im Stand der Städ­te ver­tre­ten. Da­durch be­sa­ßen sie nach der Kom­mu­na­l­ord­nung von 1856 das Recht, die Ein­füh­rung der Städ­te­ord­nung zu be­an­tra­gen. In­fol­ge ih­res An­trags lös­te sich die Bür­ger­meis­te­rei auf, und es ent­stan­den im Jah­re 1859 drei kom­mu­na­le Ein­hei­ten: die Städ­te Saar­brü­cken und St. Jo­hann und die Bür­ger­meis­te­rei Mal­statt-Bur­bach.

Rathaus St. Johann, 1897-1900 im neugotischen Stil erbaut von Georg J. von Hauberisser (1841-1922). (Landeshauptstadt Saarbrücken)

 

Bis zum Ver­ei­ni­gungs­ver­trag von 1909 war Saar­brü­cken le­dig­lich der Haupt­ort des gleich­na­mi­gen Land­krei­ses, sei­ne po­li­tisch-ad­mi­nis­tra­ti­ve Zen­tra­li­täts­funk­ti­on war dem­nach un­ter der Ho­hen­zol­lern­mon­ar­chie ver­gleichs­wei­se schwach aus­ge­bil­det. Ver­ein­zelt be­sa­ßen in Saar­brü­cken an­ge­sie­del­te Son­der­be­hör­den ei­nen über die Kreis­gren­zen hin­aus ge­hen­den Wir­kungs­be­reich, so das 1834 ein­ge­rich­te­te Kö­nig­li­che Land­ge­richt – das zwei­te im Re­gie­rungs­be­zirk Trier –, das Berg­amt, das nach sei­ner an­fäng­li­chen Un­ter­brin­gung im Erb­prin­zen­pa­lais am Schloss­platz 1880 ei­nen Neu­bau in St. Jo­hann be­zie­hen konn­te, so­wie die 1864 ins Le­ben ge­ru­fe­ne Han­dels­kam­mer.

Die Lan­des­haupt­stadt Saar­brü­cken liegt in ei­ner brei­ten Talaue der Saar und auf den an­lie­gen­den Hö­hen. Auf 19,1 Ki­lo­me­ter grenzt sie an Frank­reich. Die Grenz­la­ge hat Ge­schich­te und Kul­tur stark ge­prägt. Schon Lud­wig XIV. (Re­gie­rungs­zeit 1643-1715) such­te im Zu­ge der so ge­nann­ten Re­uni­ons­krie­ge das Land in Frank­reich ein­zu­glie­dern. Die Be­zie­hun­gen zu Frank­reich wa­ren aber kei­nes­wegs nur von ei­nem Ant­ago­nis­mus ge­kenn­zeich­net. Nas­saui­sche Fürs­ten tra­ten mit ih­ren Re­gi­men­tern wie­der­holt in den Dienst des mäch­ti­gen Nach­barn. In kul­tu­rel­ler Hin­sicht fand ein stän­di­ger Aus­tausch statt.

Evangelische Stiftskirche St. Arnual. (Landeshauptstadt Saarbrücken)

 

Saar­brü­cken ge­hör­te im Mit­tel­al­ter teils zum Bis­tum Metz, teils zum Erz­bis­tum Trier. Die Gren­ze ver­lief zwi­schen Alt-Saar­brü­cken und St. Jo­hann ei­ner­seits so­wie Mal­statt und Bur­bach an­de­rer­seits. Im Jah­re 1575 führ­te Graf Phil­ipp III. die Re­for­ma­ti­on nach lu­the­ri­schem Be­kennt­nis ein. Seit dem 17. Jahr­hun­dert gab es ne­ben den lu­the­ri­schen auch ei­ne re­for­mier­te Kir­chen­ge­mein­de. Die lu­the­ri­schen Ge­mein­den und die re­for­mier­te Ge­mein­de in Saar­brü­cken stell­ten 1802 ver­geb­lich ei­nen An­trag auf Ver­ei­ni­gung an die fran­zö­si­sche Ver­wal­tung, ein zwei­tes Ge­such von 1817 an die Ber­li­ner Re­gie­rung war von Er­folg ge­krönt. Vor dem of­fi­zi­el­len Uni­ons­de­kret ent­stand die so ge­nann­te Saar­brü­cker Uni­on.

Nach den Re­uni­ons­krie­gen Lud­wigs XIV. wur­de ei­ne ka­tho­li­sche Ge­mein­de in Saar­brü­cken zu­ge­las­sen: Der ers­te ka­tho­li­sche Got­tes­dienst im heu­ti­gen Stadt­ge­biet seit der Re­for­ma­ti­on wur­de 1680 in ei­ner Not­kir­che in St. Jo­hann ab­ge­hal­ten. An­schlie­ßend er­bau­ten die Ka­tho­li­ken mit fran­zö­si­schen Zu­schüs­sen die Ba­si­li­ka St. Jo­hann. Die ers­te ka­tho­li­sche Pfar­rei wur­de rechts­kräf­tig erst 1803 in St. Jo­hann er­rich­tet. In Alt-Saar­brü­cken er­öff­ne­te im Jah­re 1885 ei­ne wei­te­re ka­tho­li­sche Kir­che ih­re To­re. Heu­te ge­hö­ren die rö­misch-ka­tho­li­schen Be­woh­ner der Lan­des­haupt­stadt zum De­ka­nat Saar­brü­cken des Bis­tums Trier und stel­len mit ei­nem An­teil von 44,4 Pro­zent (2009) der Ge­samt­be­völ­ke­rung die grö­ß­te Kon­fes­si­ons­grup­pe dar (der An­teil der Evan­ge­li­schen be­läuft sich auf 26,7 Pro­zent). Die Ver­schie­bung der Pro­por­tio­nen setz­te mit der In­dus­tria­li­sie­rung ein und re­sul­tiert aus Zu­wan­de­rung und un­ter­schied­li­cher Ge­bur­ten­pla­nung.

Das Er­werbs­le­ben der Stadt­bür­ger be­ruh­te im Mit­tel­al­ter und in der Frü­hen Neu­zeit auf Land­wirt­schaft und Hand­werk. Mit dem Re­gie­rungs­an­tritt des Fürs­ten Wil­helm Hein­rich von Nas­sau-Saar­brü­cken im Jah­re 1741 (Re­gie­rungs­zeit bis 1768) ge­rie­ten die alt­über­kom­me­nen sta­ti­schen Le­bens­ver­hält­nis­se in Be­we­gung. Un­ter der Lei­tung sei­nes Bau­meis­ters Fried­rich Joa­chim Sten­gel (1694-1787) ent­stan­den be­deu­ten­de Ba­rock­bau­ten, dar­un­ter 1775 die Lud­wigs­kir­che, heu­te noch ein Wahr­zei­chen der Stadt. Wil­helm Hein­rich för­der­te die lo­ka­le Wirt­schaft durch die An­sied­lung zahl­rei­cher In­dus­tri­en und den Aus­bau der staat­li­chen Koh­le­för­de­rung.  Ei­ni­ge Han­dels­häu­ser be­zo­gen Ko­lo­ni­al­wa­ren, Fi­sche und Tex­ti­li­en aus Hol­land im Tausch ge­gen Koh­le und Schiffs­bau­holz, das über die Saar nach Hol­land ge­flö­ßt wur­de. Sie bil­de­ten den Kern ei­nes flo­rie­ren­den Kauf­manns­stan­des.

Ludwigskirche, Hauptstück der 'Place-Royale'-Architektur von Friedrich Joachim Stengel (1694-1787). (Landeshauptstadt Saarbrücken)

 

In der Re­vo­lu­ti­ons­epo­che form­te sich die alt­stän­di­sche Ge­sell­schaft zu ei­ner bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft um; die Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se und wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen wur­den li­be­ra­li­siert. Kirch­li­cher und fürst­li­cher Be­sitz wur­den zu Na­tio­nal­gü­tern er­klärt und an Pri­vat­leu­te ver­äu­ßert. Wäl­der und Koh­len­gru­ben blie­ben im Staats­be­sitz.

Blick vom Triller auf Alt-Saarbrücken, vor 1940.

 

Im Zei­chen der Frei­set­zung al­ler na­tür­li­chen und mensch­li­chen Res­sour­cen be­gann der Auf­stieg ei­ni­ger Un­ter­neh­mer­fa­mi­li­en (zum Bei­spiel der Ei­sen­hüt­ten­dy­nas­tie Stumm), der sich in der preu­ßi­schen Zeit naht­los fort­setz­te. Über den Gru­ben­be­sitz war der Staat selbst der grö­ß­te Un­ter­neh­mer an der Saar. We­der in Saar­brü­cken noch in St. Jo­hann gab es Gru­ben oder Hüt­ten­wer­ke, je­doch be­fand sich hier das Ma­nage­ment, der Kopf des sich ent­fal­ten­den In­dus­trie­re­viers. Die Ei­sen­bahn wur­de zum wich­tigs­ten Ent­wick­lungs­fak­tor der Re­gi­on. Bin­nen we­ni­ger Jahr­zehn­te wur­de Saar­brü­cken zum Kno­ten­punkt ei­nes sich rasch ver­dich­ten­den Ei­sen­bahn­net­zes. Weit­aus stär­ker als Saar­brü­cken und St. Jo­hann wur­de Bur­bach von der In­dus­tria­li­sie­rung er­fasst. Han­del­te es sich in der ers­ten Jahr­hun­dert­hälf­te noch um ein klei­nes Dorf der Bür­ger­meis­te­rei Saar­brü­cken, so ent­wi­ckel­te es sich in der zwei­ten zu ei­nem Zen­trum der Schwer­in­dus­trie. Im Jah­re 1856 er­rich­te­ten bel­gi­sche und lu­xem­bur­gi­sche In­dus­tri­el­le hier ein Ei­sen­werk. Die un­mit­tel­ba­re Nä­he zum Was­ser- und Schie­nen­weg so­wie zu den Saar­gru­ben be­güns­tig­te die Pro­duk­ti­ons- und Trans­port­be­din­gun­gen. Mit den Pro­duk­ti­ons­stei­ge­run­gen er­höh­te sich die Be­leg­schaft, aus den Dör­fern Bur­bach und Mal­statt wur­de in kur­zer Zeit ei­ne Ar­bei­ter­stadt mit über 30.000 Ein­woh­nern. Im Ge­fol­ge des in­dus­tri­el­len Auf­bruchs kam es zu ei­nem stür­mi­schen Be­völ­ke­rungs­wachs­tum, in des­sen Ver­lauf Saar­brü­cken, St. Jo­hann und Mal­statt-Bur­bach zu ei­ner gro­ßen Ag­glo­me­ra­ti­on zu­sam­men­wuch­sen. Die Be­völ­ke­rung in Mal­statt-Bur­bach stieg von 2.395 im Jahr 1848 auf fast 40.000 im Jahr 1900, 1927 be­trug die Zahl 55.392. Die höchs­ten Zu­wachs­ra­ten ver­zeich­ne­ten die drei Saar­städ­te in der Zeit von 1885 bis 1910, als sich die Ein­woh­ner­zah­len jähr­lich um 4 Pro­zent er­höh­ten. Da­bei pro­fi­lier­te sich Mal­statt-Bur­bach als In­dus­trie­stadt, St. Jo­hann rechts der Saar als Ver­kehrs- und Han­dels­zen­trum, Saar­brü­cken auf der lin­ken Saar­se­i­te als be­vor­zug­te Wohn- und Ver­wal­tungs­stadt.

Der Ver­sailler Ver­trag von 1919 zer­stör­te durch die Un­ter­stel­lung des Saar­ge­bie­tes un­ter die Ho­heit des Völ­ker­bun­des nicht nur die seit 1871 mit dem Reichs­land El­sass-Loth­rin­gen aus­ge­bau­ten Wirt­schafts­be­zie­hun­gen, son­dern führ­te auch zur Ab­tren­nung vom Deut­schen Reich und mach­te Saar­brü­cken wie­der zur Grenz­stadt. 1935 kehr­te das Saar­ge­biet für zehn Jah­re in das Deut­sche Reich zu­rück. Die saar­län­di­sche Schwer­in­dus­trie wur­de zu ei­nem be­deu­ten­den Fak­tor der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kriegs­wirt­schaft, den­noch konn­te die Ar­beits­lo­sig­keit in der Re­gi­on nicht gänz­lich be­ho­ben wer­den, so dass vie­le Saar­län­der au­ßer­halb der Gren­zen auf Ar­beits­su­che gin­gen. Nach dem Kriegs­en­de 1945 un­ter­stand das Saar­land zu­nächst der fran­zö­si­schen Be­sat­zungs­herr­schaft und war in das fran­zö­si­sche Wirt­schafts- und Wäh­rungs­ge­biet in­te­griert. Auf das Re­fe­ren­dum von 1955, in dem die Saar­län­der mit deut­li­cher Mehr­heit den Fort­be­stand ei­nes ei­ge­nen Staa­tes ab­lehn­ten, folg­te der po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che An­schluss an die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und das En­de der seit dem Ver­sailler Ver­trag von 1919 durch­leb­ten in­sta­bi­len Wech­sel­la­gen. Da­für muss­ten sich die saar­län­di­schen Pro­duk­te ei­ner star­ken Kon­kur­renz stel­len. Die Nach­tei­le der geo­gra­phi­schen Rand­la­ge wur­den durch den An­schluss an das bun­des­deut­sche Au­to­bahn­netz und die Saar­ka­na­li­sie­rung zu mil­dern ge­sucht.

Noch un­ter fran­zö­si­schem Pro­tek­to­rat er­folg­te die Grün­dung der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des (1948), die es er­mög­lich­te, Füh­rungs­kräf­te im Land aus­zu­bil­den. Fer­ner pro­fi­lier­te sich Saar­brü­cken als Mes­se­stadt mit ei­ner die Gren­zen über­schrei­ten­den Leis­tungs­schau. Mit dem Bau der Kon­gress­hal­le im Jah­re 1965, ei­nem Ge­schenk der Bun­des­re­pu­blik für das Re­fe­ren­dum von 1955, be­gann die Ära der Ta­gun­gen und Kon­gres­se in der Stadt. Zu­sam­men mit der Saar­land­hal­le und dem frü­he­ren Re­si­denz­schloss, das zum Bür­ger­schloss um­ge­wid­met wur­de, gibt es in­zwi­schen ein gro­ßes An­ge­bot an Ein­rich­tun­gen, um Gäs­te aus dem In- und Aus­land in Saar­brü­cken zu be­wir­ten. So kann der star­ke Ver­lust von Ar­beits­plät­zen, den vor al­lem die Schwer­in­dus­trie in den letz­ten Jahr­zehn­ten ver­zeich­ne­te, durch ein Wachs­tum in den Dienst­leis­tungs­be­trie­ben teil­wei­se auf­ge­fan­gen wer­den. In al­len Le­bens­be­rei­chen prä­sen­tiert sich Saar­brü­cken als of­fe­ne Stadt. Stand frü­her die An­bin­dung an Frank­reich oft un­ter ne­ga­ti­ven Vor­zei­chen, so gilt jetzt die Nä­he zum west­li­chen Nach­barn zu­neh­mend als ein Vor­zug der lo­ka­len Wirt­schaft. Saar­brü­cken ent­wi­ckelt sich mehr und mehr von ei­ner Grenz­stadt zu ei­ner Stadt mit ei­ner eu­ro­päi­schen Brü­cken­funk­ti­on.

Literatur

Burg, Pe­ter, Saar­brü­cken 1789-1860. Von der Re­si­denz­stadt zum In­dus­trie­zen­trum, Saar­brü­cken 2000.

Wit­ten­brock, Rolf, un­ter Mit­wir­kung von Mar­cus Hahn (Hg.), Ge­schich­te der Stadt Saar­brü­cken, 2 Bän­de, Saar­brü­cken 1999.

Online

Rolf Wit­ten­brock, Stadt­ge­schich­te Saar­brü­cken. [On­line]

Lan­des­haupt­stadt Saar­brü­cken/Kul­tur/Stadt­ge­schich­te. [On­line]

Saarbrücker Schloss mit dem 1982-1989 errichtete Mittelbau von Gottfried Böhm., Foto: Gottfried Böhm. (Landeshauptstadt Saarbrücken)

 
Zitationshinweis

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Burg, Peter, Stadt Saarbrücken, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/stadt-saarbruecken/DE-2086/lido/57d120cbb98c36.02522084 (01.12.2018)

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