Regierungsbezirk Düsseldorf

Andrea Rönz (Linz am Rhein)

Der im nord­west­li­chen Nord­rhein-West­fa­len ge­le­ge­ne Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf wird um­grenzt vom Re­gie­rungs­be­zirk Müns­ter im Nor­den, vom Re­gie­rungs­be­zirk Arns­berg im Os­ten so­wie vom Re­gie­rungs­be­zirk Köln im Sü­den. Die west­li­che Be­zirks­gren­ze ist auf 138 Ki­lo­me­tern iden­tisch mit der deut­schen Gren­ze zu­ ­den Nie­der­lan­den. Sitz der Be­zirks­re­gie­rung ist die Stadt Düs­sel­dorf

Das Ge­biet des heu­ti­gen Re­gie­rungs­be­zirks Düs­sel­dorf ge­hör­te zu­m Kur­fürs­ten­tum Köln, zu den Her­zog­tü­mern Berg, Jü­lich, Gel­dern un­d Kle­ve, zu­r Graf­schaft Mark, zur Graf­schaft be­zie­hungs­wei­se zum Fürs­ten­tum Mo­ers, zum Reichs­stif­t Es­sen, zu den Reichs­ab­tei­en El­ten un­d Wer­den, zu den Reichs­herr­schaf­ten Dyck, Myl­len­donk, Styrum un­d Wick­rath so­wie zu klei­ne­ren Herr­schaf­ten. 1795 ­be­zie­hungs­wei­se 1798 ka­men die links­rhei­ni­schen Ge­bie­te an Frank­reich, 1801 wur­den sie de­m Nie­der­maas- so­wie de­m Ro­er­de­par­te­ment ein­ge­glie­dert. Dort ge­hör­ten sie zu den Ar­ron­dis­se­ments Kle­ve, Köln, Kre­feld und Ro­er­mond. 

Die rechts­rhei­ni­schen Ge­bie­te ka­men 1806 an da­s Gro­ßher­zog­tum Berg, 1808 be­zie­hungs­wei­se 1811 wur­den sie den Dé­par­te­ments Lip­pe, Rhein und Ruhr ein­ge­glie­dert. Dort zähl­ten sie zu den Ar­ron­dis­se­ments Dort­mund, Düs­sel­dorf, El­ber­feld, Es­sen, Ha­gen, Kle­ve und Rees. 

1816 wur­den die preu­ßi­schen Re­gie­rungs­be­zir­ke Kle­ve und Düs­sel­dorf in der Pro­vinz Jü­lich-Kle­ve-Berg (ab 1822/ 1830 Rhein­pro­vinz) ge­bil­det. Der Re­gie­rungs­be­zirk Kle­ve um­fass­te die sechs Krei­se Dins­la­ken, Gel­dern, Kem­pen, Kle­ve, Rees und Rhein­berg, der Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf die zwölf Krei­se Düs­sel­dorf-Stadt und Düs­sel­dorf–Land, El­ber­feld, Es­sen, Glad­bach, Gre­ven­broich, Kre­feld, Len­nep, Mett­mann, Neuss, O­p­la­den un­d So­lin­gen. 1819 wur­de der Kreis Op­la­den dem Kreis So­lin­gen an­ge­schlos­sen. 1820 wur­den die kreis­freie Stadt­ Düs­sel­dorf dem Kreis Düs­sel­dorf-Land so­wie der Kreis Mett­mann dem Kreis El­ber­feld ein­ge­glie­dert. 

1822 wur­de der Re­gie­rungs­be­zirk Kle­ve auf­ge­löst und mit dem Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf ver­ei­nigt, der in­fol­ge­des­sen 15 Krei­se um­fass­te. 1823 wur­de der Kreis Rhein­berg auf­ge­löst und dem Kreis Gel­dern an­ge­schlos­sen. Im sel­ben Jahr wur­de aus dem auf­ge­lös­ten Kreis Es­sen und Tei­len des auf­ge­lös­ten Krei­ses Dins­la­ken der neue Kreis Duis­burg ge­bil­det. Die üb­ri­gen Tei­le des Alt­krei­ses Dins­la­ken ka­men an den Kreis Rees. 1857 wur­de aus Tei­len der Krei­se Gel­dern und Rhein­berg der Kreis Mo­ers ge­bil­det, 1859 der Kreis Es­sen wie­der­er­rich­tet. Ab 1861 bil­de­ten die Städ­te Bar­men und El­ber­feld aus dem Kreis El­ber­feld ei­ge­ne Stadt­krei­se, aus dem Rest des Alt­krei­ses El­ber­feld wur­de der Kreis Mett­mann wie­der­er­rich­tet. 

Ab 1872 bil­de­ten die Städ­te Düs­sel­dorf, Es­sen und Kre­feld ei­ge­ne Stadt­krei­se, ab 1874 die Stadt Duis­burg. Aus dem üb­ri­gen Teil des Alt­krei­ses Duis­burg wur­de der Kreis Mül­heim an der Ruhr er­rich­tet, der 1887 die Städ­te Ruhr­ort und Dins­la­ken so­wie meh­re­re Bür­ger­meis­te­rei­en an den neu ge­bil­de­ten Kreis Ruhr­ort ver­lor. 1888 wur­den die Städ­te Mön­chen­glad­bach (bis 1950 Schreib­wei­se „Mün­chen-Glad­bach") und Rem­scheid zu kreis­frei­en­ ­Städ­ten, 1896 die Stadt So­lin­gen, 1901 die Stadt Ober­hau­sen, 1904 die Stadt Mül­heim an der Ruhr und 1907 die Stadt Rhe­ydt. 1908 wur­de der Kreis Ruhr­ort in Kreis Dins­la­ken um­be­nannt. 1910 wur­de der Land­kreis Mül­heim an der Ruhr auf­ge­löst und sei­ne Ge­mein­den den Krei­sen Es­sen-Stadt und Es­sen –Land so­wie den Stadt­krei­sen Mül­heim an der Ruhr und Ober­hau­sen zu­ge­schla­gen. 1911 wur­de Ham­born, 1913 Neuss und 1917 Sterk­ra­de zur kreis­frei­en Stadt. 

Der Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf um­fass­te so­mit 15 Stadt- und 15 Land­krei­se. Im Zu­ge der kom­mu­na­len Neu­glie­de­rung des rhei­nisch-west­fä­li­schen Ruhr­ge­biets 1929 wur­den die Land­krei­se Glad­bach, Gre­ven­broich, Kem­pen, Kre­feld und Neuss auf­ge­löst. Die Stadt­krei­se ­Mön­chen­glad­bach und Rhe­ydt wur­den zum neu­en Stadt­kreis Glad­bach-Rhe­ydt zu­sam­men­ge­fasst, die Städ­te Kre­feld und Uer­din­gen zum neu­en Stadt­kreis Kre­feld-Uer­din­gen (1940 Um­be­nen­nung in Kreis Kre­feld). Vier­sen wur­de zur kreis­frei­en Stadt. Aus dem Kreis Kem­pen, dem Rest­kreis Kre­feld und Tei­len des Alt­krei­ses Glad­bach wur­de der neue Kreis Kem­pen-Kre­feld ge­bil­det. Der Kreis Gre­ven­broich wur­de mit dem Rest­kreis Neuss und Tei­len des Alt­krei­ses Glad­bach zum neu­en Kreis Gre­ven­broich-Neuss zu­sam­men­ge­schlos­sen (1946 Um­be­nen­nung in Kreis Gre­ven­broich).

Auf der rech­ten Rhein­sei­te wur­den gleich­zei­tig die Land­krei­se Düs­sel­dorf, Es­sen, Len­nep, Mett­mann und So­lin­gen auf­ge­löst. Der Stadt­kreis Duis­burg wur­de mit der Stadt Ham­born zum Stadt­kreis Duis­burg-Ham­born zu­sam­men­ge­schlos­sen (1935 Um­be­nen­nung in Kreis Duis­burg). Die Stadt­krei­se Bar­men und El­ber­feld wur­den zum Stadt­kreis Bar­men-El­ber­feld ver­ei­nigt (1930 Um­be­nen­nung in Kreis Wup­per­tal). Die Rest­krei­se Düs­sel­dorf-Land, Es­sen-Land und Mett­mann bil­de­ten fort­an den neu­en Kreis Düs­sel­dorf-Mett­mann. Die Rest­krei­se So­lin­gen-Land und Len­nep wur­den zum neu­en Kreis So­lin­gen-Len­nep zu­sam­men­ge­schlos­sen (1931 Um­be­nen­nung in Rhein-Wup­per-Kreis). 1933 wur­den aus dem Stadt­kreis Glad­bach-Rhe­ydt die Stadt­krei­se Mön­chen­glad­bach und Rhe­ydt ge­bil­det. 1955 wur­de Le­ver­ku­sen zur kreis­frei­en Stadt und schied aus dem Rhein-Wup­per-Kreis aus. 

Im Zu­ge der kom­mu­na­len Ge­biets­re­form von 1975 wur­de aus den Krei­sen Dins­la­ken, Mo­ers und Rees und Tei­len der Krei­se Reck­ling­hau­sen und Bor­ken aus dem Re­gie­rungs­be­zirk Müns­ter der neue Kreis We­sel ge­bil­det. Der Kreis Düs­sel­dorf-Mett­mann wur­de in Kreis Mett­mann um­be­nannt. Die Krei­se Gel­dern und Kle­ve wur­den mit Tei­len der Alt­krei­se Mo­ers und Rees zum Kreis Kle­ve ver­ei­nigt. Der Kreis Gre­ven­broich und die kreis­freie Stadt Neuss wur­den zum Kreis Neuss zu­sam­men­ge­legt (seit 2003 Rhein-Kreis Neuss). Der Kreis Kem­pen-Kre­feld, dem be­reits 1969 die kreis­freie Stadt Vier­sen an­ge­schlos­sen wor­den war, wur­de in Kreis Vier­sen um­be­nannt. Durch Ein­ge­mein­dung der Stadt Rhe­ydt in die Stadt­ ­Mön­chen­glad­bach wur­de der Kreis Rhe­ydt auf­ge­löst. Die kreis­freie Stadt Le­ver­ku­sen wur­de dem Re­gie­rungs­be­zirk Köln ein­ge­glie­dert. Der Rhein-Wup­per-Kreis wur­de auf die Stadt Le­ver­ku­sen, den Rhei­nisch-Ber­gi­schen und den Ober­ber­gi­schen Kreis ver­teilt und fiel so­mit eben­falls an den ­Re­gie­rungs­be­zir­k ­K­öln. 

Der Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf glie­dert sich so­mit seit dem 1.1.1975 in die fünf Krei­se Kle­ve, Mett­mann, Rhein-Kreis Neuss, Vier­sen und We­sel mit ins­ge­samt 56 kreis­an­ge­hö­ri­gen Ge­mein­den so­wie die zehn kreis­frei­en Städ­te Düs­sel­dorf, Duis­burg, Es­sen, Kre­feld, Mön­chen­glad­bach, Mül­heim an der Ruhr, Ober­hau­sen, Rem­scheid, So­lin­gen und Wup­per­tal. Der 5.290 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf ist mit 5.212.012 Ein­woh­nern (2007) der be­völ­ke­rungs­reichs­te und dicht­be­sie­dels­te Re­gie­rungs­be­zirk Deutsch­lands, wo­bei ein star­kes Ge­fäl­le zwi­schen dem über­wie­gend länd­lich-klein­städ­tisch ge­präg­ten Nor­den und Wes­ten und der dich­ten Städ­te­land­schaft des west­li­chen Ruhr­ge­biets, des Düs­sel­dor­fer Rau­mes und zum Teil auch des Ber­gi­schen Lan­des be­steht. Die­se Re­gi­on im Os­ten und Sü­den des Re­gie­rungs­be­zirks hat­te in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts im Zu­ge der In­dus­tria­li­sie­rung ei­ne wah­re Be­völ­ke­rungs­ex­plo­si­on er­fah­ren. Städ­te wie Düs­sel­dorf und Duis­burg hat­ten ih­re Ein­woh­ner­zahl zwi­schen 1850 und 1900 ver­fünf­facht, Es­sen, ab 1929 grö­ß­te Stadt des ge­sam­ten Ruhr­ge­biets, so­gar mehr als ver­zehnt­facht. 

Das wirt­schaft­li­che Spek­trum des Re­gie­rungs­be­zirks Düs­sel­dorf ist dem­entspre­chend breit ge­fä­chert und er­streckt sich über Land­wirt­schaft (gut die Hälf­te der ge­sam­ten Flä­che wird land­wirt­schaft­lich ge­nutzt), In­dus­trie, Berg­bau so­wie mit­tel­stän­di­sches Ge­wer­be, Dienst­leis­tung, Han­del und Tou­ris­mus. 

Wäh­rend sich die Land­wirt­schaft im Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf nach wie vor auf Ge­mü­se- und Obst­an­bau, Vieh­zucht und Milch­wirt­schaft stützt, ist die städ­ti­sche Wirt­schaft vor al­lem des Ruhr­ge­biets seit den 1960er Jah­ren (Koh­le­kri­se) ei­nem tief grei­fen­den Struk­tur­wan­del vom pri­mä­ren über den se­kun­dä­ren zum ter­tiä­ren Sek­tor un­ter­wor­fen. Die dort einst do­mi­nie­ren­den Wirt­schafts­zwei­ge Berg­bau, Hüt­ten­we­sen und Me­tall­ver­ar­bei­tung sind mo­der­nen Be­trie­ben aus Pro­duk­ti­on, Han­del, mit­tel­stän­di­schem Ge­wer­be und Dienst­leis­tung ge­wi­chen, auf in­dus­tri­el­lem Sek­tor sind An­la­gen- und Ma­schi­nen­bau oder auch che­mi­sche In­dus­trie vor­herr­schend. 

Berg­bau in grö­ße­rem Um­fang wird heu­te noch im Sü­den des Re­gie­rungs­be­zirks be­trie­ben, wo als Teil des Rhei­ni­schen Braun­koh­le­re­viers im Ta­ge­bau Braun­koh­le ge­för­dert wird (Ab­bau­ge­biet Garz­wei­ler). Im Ber­gi­schen Land hat die Ei­sen­wa­ren- und Tex­til­pro­duk­ti­on stark an Be­deu­tung ver­lo­ren und ist durch mit­tel­stän­di­sches Ge­wer­be (Ma­schi­nen­bau, Au­to­zu­lie­fe­rer), Han­del, Dienst­leis­tung und auch Tou­ris­mus er­setzt wor­den. Ei­nen eben­sol­chen Struk­tur­wan­del ha­ben am Nie­der­rhein die ehe­ma­li­gen Hoch­bur­gen der Tex­til­pro­duk­ti­on wie Kre­feld und Mön­chen­glad­bach voll­zo­gen. Der Re­gie­rungs­sitz Düs­sel­dorf hat sich von ei­ner In­dus­trie- zur Me­di­en- und Dienst­leis­tungs­stadt ge­wan­delt. 

Allgemeine Literatur

Ho­ebink, Hein (Hg.), Staat und Wirt­schaft an Rhein und Ruhr 1816-1991. 175 Jah­re Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf, Es­sen 1992.

Huck­len­broich, Ger­da (Red.), 175 Jah­re Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf, Düs­sel­dorf 1991.

Pracht-Jörns, El­fi, Jü­di­sches Kul­tur­er­be in Nord­rhein-West­fa­len, Band 2: Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf, Köln 2000.

Ro­meyk, Horst, Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf. Nie­der­rhein, Ber­gi­sches Land, Ruhr­ge­biet, Mög­lin­gen 1981.

Verwaltungsgeschichtliche Literatur

Bär, Max, Die Be­hör­den­ver­fas­sung der Rhein­pro­vinz seit 1815, Bonn 1919, Nach­druck 1965 und 1998.

Knopp, Gis­bert, Die preu­ßi­sche Ver­wal­tung des Re­gie­rungs­be­zirks Düs­sel­dor­f1899-1919, Köln/Ber­lin 1974.

Schütz, Rü­di­ger (Be­arb.), Grund­riß zur deut­schen Ver­wal­tungs­ge­schich­te, Rei­he A, Preu­ßen, Band 7: Rhein­land, Mar­burg 1978.

Online

In­ter­net­an­ge­bot der Be­zirks­re­gie­rung Düs­sel­dorf. [On­line]

Zitationshinweis

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Rönz, Andrea, Regierungsbezirk Düsseldorf, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/regierungsbezirk-duesseldorf/DE-2086/lido/57d11cc8022778.41318470 (10.11.2018)

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