„… und der Kriegsgott verteilt blutrote Lorbeeren“: Koblenz im Ersten Weltkrieg

Beate Dorfey (Koblenz)

Aufmarsch einer Landsturmeinheit in Bacharach, August 1914. (Landeshauptarchiv Koblenz)

1. Einleitung

Das For­schungs­de­fi­zit dürf­te da­mit zu­sam­men­hän­gen, dass die Quel­len­über­lie­fe­rung lü­cken­haft ist, vor al­lem für den mi­li­tä­ri­schen Be­reich. So sucht man ver­geb­lich Do­ku­men­te zum Gro­ßen Haupt­quar­tier, aber auch so auf­schluss­rei­che, für an­de­re Städ­te vor­lie­gen­de Quel­len wie die Im­me­di­at­be­rich­te der Re­gie­rungs­prä­si­den­ten an den Kai­ser sind für Ko­blenz nur frag­men­ta­risch er­hal­ten. An­ge­sichts der schwie­ri­gen Quel­len- und For­schungs­la­ge ver­steht sich die­ser Bei­trag als ei­ne ers­te An­nä­he­rung an das The­ma, wo­bei im Mit­tel­punkt das Ver­hält­nis von Mi­li­tär und Ver­wal­tung in den ers­ten Kriegs­jah­ren ste­hen soll, an­de­re As­pek­te müs­sen wei­te­ren Stu­di­en vor­be­hal­ten blei­ben.

2. „Gewitterhimmel am politischen Horizont“? – Der Weg in den Krieg

Ko­blenz nahm un­ter den Städ­ten des Rhein­lands ei­ne Son­der­stel­lung ein.[3]  Als Sitz des Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz und des Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps war es zu­gleich Ver­wal­tungs- und mi­li­tä­ri­sches Zen­trum. Das trug Ko­blenz den Ruf ein, un­ter den rhei­ni­schen Städ­ten die preu­ßischs­te zu sein, nicht zu Un­recht, wa­ren es doch die Preu­ßen ab 1815 ge­we­sen, die die jahr­hun­der­te­al­te Do­mi­nanz von Eh­ren­breit­stein ge­gen­über der Stadt Ko­blenz be­en­det hat­ten. Die ehe­ma­li­ge Re­si­denz der Trie­rer Kur­fürs­ten war nun ein Vor­ort der Stadt. Auch im Stadt­bild wa­ren preu­ßi­sche Ver­wal­tung und preu­ßi­sches Mi­li­tär über­aus prä­sent: das Ober­prä­si­di­um und das Re­gie­rungs­ge­bäu­de präg­ten die Rhein­front, und über al­lem schweb­te die un­ter den Preu­ßen mas­siv aus­ge­bau­te Fes­tung Eh­ren­breit­stein mit den üb­ri­gen die Stadt um­ge­ben­den Fes­tungs­an­la­gen.[4]

Das re­gie­ren­de Herr­scher­haus der Ho­hen­zol­lern war der Stadt be­son­ders ver­bun­den. Kai­ser Wil­helm I. (Re­gent­schaft ab 1858, preu­ßi­scher Kö­nig 1861-1888, ab 1871 Deut­scher Kai­ser) hat­te hier mit Kai­se­rin Au­gus­ta (1811-1890) ei­ni­ge Jah­re ge­lebt. Auch Wil­helm II. hielt sich gern und oft in der Stadt am Zu­sam­men­fluss von Rhein und Mo­sel auf, wo er 1897 das Denk­mal für sei­nen Gro­ßva­ter Wil­helm I. am Deut­schen Eck ein­ge­weiht hat­te.[5] So nimmt es auch nicht wun­der, dass Wil­helm II. re­gel­mä­ßig bei den jähr­li­chen Kai­ser­ma­nö­vern in Ko­blenz zu­ge­gen war. Als Sitz des Ge­ne­ral­kom­man­dos ei­nes Ar­mee­korps stand Ko­blenz die Eh­re zu, mit ei­ner be­son­de­ren Pa­ra­de auf­zu­tre­ten, die der Kai­ser per­sön­lich ab­nahm – selbst noch im Jahr des Kriegs­aus­bruchs 1914.

Die Vor­be­rei­tung des Kai­ser­ma­nö­vers 1914 lief un­ge­ach­tet al­ler po­li­ti­schen Un­ru­hen ge­wohnt rou­ti­niert und un­auf­ge­regt ab. Am 7.2.1914 in­for­mier­te der Chef des Gro­ßen Ge­ne­ral­sta­bes der Ar­mee, Hel­muth von Molt­ke (1848-1916), den Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz, Ge­org Frei­herr von Rhein­ba­ben, dass für das Kai­ser­ma­nö­ver 1914 fol­gen­de Ge­bie­te sei­ner Pro­vinz be­trof­fen sein wür­den: der Sieg­kreis so­wie die Krei­se Wald­bröl, Al­ten­kir­chen, Neu­wied und Wetz­lar. Mit der Auf­for­de­rung zur Über­sen­dung der Be­le­gungs­lis­ten für die Krei­se ver­band er die Bit­te um ver­trau­li­che Be­hand­lung.[6]

Am 20.3.1914 er­hielt der Ober­prä­si­dent wei­te­re In­struk­tio­nen: Es sei bei der Ein­quar­tie­rung von Trup­pen zu un­ter­schei­den zwi­schen der Be­reit­stel­lung zum Kai­ser­ma­nö­ver und dem ei­gent­li­chen Kai­ser­ma­nö­ver. „In bei­den Fäl­len müs­sen zur Ver­mei­dung zu gro­ßer Marschleis­tun­gen die Trup­pen so eng als mög­lich un­ter­ge­bracht wer­den. Ei­ne vol­le Aus­nut­zung der Un­ter­kunfts­mög­lich­kei­ten ist da­her not­wen­dig.“ Die Be­reit­stel­lung der Trup­pen fin­de am 12. und 13.9.1914 statt. Die Un­ter­kunft müs­se recht­zei­tig den be­tref­fen­den Ge­ne­ral­kom­man­dos an­ge­zeigt und von dort ge­re­gelt wer­den. Es müss­ten da­bei „die höchs­ten in den Lis­ten an­ge­ge­be­nen Zah­len für Mann und Pferd (en­ge Be­le­gung) zu Grun­de ge­legt wer­den.“ Zu­dem müss­ten die Trup­pen im Quar­tier ver­pflegt wer­den, was an­ge­sichts des „ho­hen Be­kös­ti­gungs­gel­des“ durch­aus von Ge­winn für die Un­ter­kunft Stel­len­den sein kön­ne. Das ei­gent­li­che Kai­ser­ma­nö­ver fin­de vom 14. bis 18. Sep­tem­ber im Kreis Wetz­lar statt, wo­bei das Gros der Trup­pe, vor al­lem die Fu­ß­trup­pe, bi­wa­kie­ren wer­de und da­her kei­ne Un­ter­künf­te be­nö­ti­ge. An­bei fin­de der Ober­prä­si­dent ei­ne Kar­te mit den We­gen, die für das Kai­ser­ma­nö­ver be­fes­tigt und da­mit be­fahr­bar ge­macht wer­den müss­ten, ver­bun­den mit dem Wunsch nach Über­sen­dung ei­ner Lis­te der elek­tri­schen Über­land­zen­tra­len zur Fest­stel­lung, „wie weit durch Stark­strom-Ober­lei­tun­gen ei­ne Ge­fähr­dung von Luft­fahr­zeu­gen und mi­li­tä­ri­schen Fern­sprech­lei­tun­gen ein­tre­ten kann.“[7] Am 16.4.1914 er­gänz­te Molt­ke sei­ne An­wei­sun­gen um die Bit­te, wie beim letzt­jäh­ri­gen Kai­ser­ma­nö­ver in Schle­si­en ein Ver­bot des pri­va­ten Kraft­wa­gen­ver­kehrs im Ma­nö­ver­ge­biet aus­zu­spre­chen, um Ge­fähr­dun­gen des Ma­nö­ver­be­triebs aus­zu­schlie­ßen.[8] 

Noch am 27.6.1914 über­sand­te das Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps ei­nen Plan, aus dem für die Zeit vom 4.8.-19.9.1914 al­le Ma­nö­ver und Auf­ent­halts­or­te des VIII. Ar­mee­korps er­sicht­lich sind. So soll­te die Ka­val­le­rie­di­vi­si­on im Au­gust 1914 an Re­gi­ments­übun­gen und Ge­fechts­übun­gen auf dem Trup­pen­übungs­platz El­sen­born[9] teil­neh­men so­wie zum Mo­nats­en­de an ei­ner Auf­klä­rungs­übung in Eus­kir­chen. Das Gros der Ar­mee, al­so die 15. und 16. Di­vi­si­on so­wie die sie be­glei­ten­de Ar­til­le­rie, wür­de nach vor­he­ri­gen Bri­ga­de- und Di­vi­si­ons­ma­nö­vern am 8. Sep­tem­ber an der Kai­ser­pa­ra­de bei Ko­blenz teil­neh­men, um an­schlie­ßend zum ei­gent­li­chen Kai­ser­ma­nö­ver nach Wetz­lar ab­zu­rü­cken.[10] Tags zu­vor, am 26.6.1914, schick­te Molt­ke dem Ober­prä­si­den­ten ei­ne aus­führ­li­che Hand­rei­chung mit dem Ti­tel: „Mit­tei­lun­gen über das Kai­ser­ma­nö­ver 1914“ zur Aus­hän­di­gung an die Zi­vil­be­hör­den, ver­bun­den mit der An­wei­sung, auf Ge­heim­hal­tung zu be­ste­hen.[11] Molt­ke hob er da­bei her­vor, „1. dass die Al­ler­höchs­ten Haupt­quar­tie­re und der Un­ter­kunfts­ort der Ma­nö­ver­lei­tung be­son­ders ge­gen­über der Pres­se mög­lichst lan­ge ge­heim ge­hal­ten wer­den; 2. dass ei­ne Be­kannt­ga­be der Ein­quar­tie­rung für den 12. und 13. Sep­tem­ber in den Kreis­blät­tern nicht statt­fin­de­t“. Und noch am 18.7.1914, als das ös­ter­rei­chi­sche Thron­fol­ger­paar längst in Sa­ra­je­wo er­mor­det wor­den war, mahn­te der Ge­ne­ral­in­spek­teur der Ka­val­le­rie - als sei nichts ge­sche­hen -, per Te­le­gramm beim Ober­prä­si­den­ten an, dass des­sen Ein­ver­ständ­nis zur Durch­füh­rung des Ka­val­le­rie­ma­nö­vers bei Eus­kir­chen noch nicht vor­lie­ge, was dann am sel­ben Tag ge­schah.[12] Hier bricht die Ak­te ab - die Pla­nun­gen wur­den ein­ge­stellt. Sie be­legt ei­nes deut­lich: Die Ko­blen­zer wa­ren an re­gel­mä­ßi­ge Ein­quar­tie­run­gen und die Stadt an be­son­de­re Auf­wen­dun­gen für das Mi­li­tär ge­wöhnt. Es ver­schaff­te den Bür­gern ein will­kom­me­nes Zu­brot durch die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen und der Stadt ei­ne Mo­der­ni­sie­rung und Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur.

Nur we­ni­ge Ta­ge nach Er­halt der In­struk­tio­nen für das Kai­ser­ma­nö­ver 1914 ord­ne­te der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent Fried­rich von Sche­ren­berg (1858-1928, Re­gie­rungs­prä­si­dent 1911-1917) an­ge­sichts der dro­hen­den Kriegs­ge­fahr ei­ne ver­schärf­te Be­wa­chung der Mo­sel­brü­cken an.[13] Am 26.5.1914 hat­ten die Re­gie­rungs­prä­si­den­ten schon die neu­es­ten An­wei­sun­gen in Hän­den, wie im dro­hen­den Kriegs­fall mit „po­li­tisch un­si­che­ren Per­so­nen“ zu ver­fah­ren sei.[14] 

Die­ser Punkt ver­dient be­son­de­re Auf­merk­sam­keit, of­fen­bart das Vor­ge­hen der Be­hör­den hier nicht nur den Um­gang des Kai­ser­reichs mit po­li­ti­schen Geg­nern, son­dern auch, dass die noch bei der Vor­be­rei­tung des Kai­ser­ma­nö­vers zur Schau ge­tra­ge­ne Ge­las­sen­heit mit­nich­ten der tat­säch­li­chen Ein­schät­zung der La­ge der Ver­ant­wort­li­chen ent­sprach.

Be­reits am 6.2.1913 hat­te der Ober­prä­si­dent die Re­gie­rungs­prä­si­den­ten in der Rhein­pro­vinz auf­ge­for­dert, ihm ei­ne Lis­te po­li­tisch un­zu­ver­läs­si­ger Per­so­nen, die im Kriegs­fal­le aus­zu­wei­sen sei­en,[15] zu­zu­sen­den. Der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent über­sand­te am 5.4.1913 sei­ne Lis­te, die lei­der nicht über­lie­fert ist.[16] Die ge­sam­mel­ten Lis­ten schick­te der Ober­prä­si­dent am 17.4.1913 an das Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps und am 23. April an die Kom­man­dan­tur Ko­blenz-Eh­ren­breit­stein, nach­dem bei­de zu­vor den Ober­prä­si­den­ten am 19.4.1913 auf­ge­for­dert hat­ten, die­se nun­mehr un­auf­ge­for­dert jähr­lich je­weils zum 15. April zu über­sen­den.[17] 

En­de 1913 er­hielt die bis­he­ri­ge Rou­ti­ne ei­ne neue Qua­li­tät. Das Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps bat den Ober­prä­si­den­ten am 19.12.1913, künf­tig nur noch Lis­ten be­züg­lich der Krei­se des Korps­be­zirk zu über­sen­den und er­bat zu­gleich Auf­klä­rung, „in wel­cher Wei­se bei den un­ter­ge­be­nen Orts- und Po­li­zei­be­hör­den Vor­keh­run­gen ge­trof­fen sind, um sämmt­li­che in den Lis­ten ge­nann­ten im ent­schei­den­den Au­gen­blick fest­neh­men zu kön­nen.“[18] Am 1.2.1914 ant­wor­te­te der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent: „Die po­li­tisch un­si­che­ren Per­so­nen […] wer­den von Po­li­zei­or­ga­nen oder Ver­trau­ens­leu­ten un­auf­fäl­lig be­ob­ach­tet. Im ent­schei­den­den Au­gen­blick kön­nen sie auf An­ord­nung der Land­rä­te, die die be­tref­fen­den Ver­mer­ke in ih­ren Mo­bil­ma­chungs-Vor­ar­bei­ten auf­ge­nom­men ha­ben, so­fort fest­ge­nom­men wer­den. Hier in Co­blenz wird die Lis­te der po­li­tisch un­si­che­ren Per­so­nen bei der Kri­mi­nal­po­li­zei ge­führt. Ab­schrift be­fin­det sich bei den Mo­bil­ma­chungs­vor­ar­bei­ten der Kö­nig­li­chen Po­li­zei­di­rek­ti­on. Bei dro­hen­der Kriegs­ge­fahr oder bei po­li­ti­scher Span­nung sind für die Über­wa­chung der Spio­na­ge, gleich­wie die Über­wa­chung von Brü­cken und Kunst­bau­ten, die Kri­mi­nal­be­am­ten be­stimmt, de­nen die po­li­tisch un­si­che­ren Per­so­nen durch die Lis­ten be­kannt sind. Sie hal­ten die frag­li­chen Per­so­nen stän­dig im Au­ge und be­wir­ken er­for­der­li­chen Falls ih­re Fest­nah­me.“[19] D­a­ge­gen teil­te der Trie­rer Re­gie­rungs­prä­si­dent Con­stanz (von) Baltz (1854-1918, Re­gie­rungs­prä­si­dent in Trier 1908-1918) am 29.1.1914 mit, dass von den Po­li­zei­be­hör­den be­reits dort, wo sich po­li­tisch un­si­che­re Per­so­nen auf­hiel­ten, Kri­mi­nal­be­am­te be­stimmt wor­den sei­en, die die­se im Mo­bil­ma­chungs­fall fest­zu­neh­men hät­ten. Zur Ver­ein­heit­li­chung der Vor­ge­hens­wei­se ha­be er zu­dem die „Bür­ger­meis­ter-Po­li­zei­kom­mis­sa­re“ an­ge­wie­sen, dort, wo es nicht be­reits er­folgt sei, die Lis­ten stets auf dem Lau­fen­den zu hal­ten und die mit der Fest­nah­me zu be­auf­tra­gen­den Be­am­ten zu be­stim­men, da­mit im Mo­bil­ma­chungs­fall die Fest­nah­me und Un­ter­brin­gung un­ver­züg­lich er­fol­gen kön­ne.[20] 

Im Fe­bru­ar 1914 wur­de auf der Ba­sis die­ser Rück­mel­dun­gen ei­ne Auf­stel­lung[21] der als po­li­tisch un­si­cher ein­ge­stuf­ten Per­so­nen, ge­glie­dert nach Re­gie­rungs­be­zir­ken und zu­vor fest­ge­leg­ten Un­ter­schei­dungs­kri­te­ri­en, er­ar­bei­tet. Da­bei wur­de un­ter­schie­den nach: „a) Per­so­nen (In­län­der und Aus­län­der), die schon im Frie­den, wenn auch oh­ne tat­säch­li­che Be­wei­se, in ir­gend ei­ner Be­zie­hung als spio­na­ge­ver­däch­tig auf­ge­fal­len sind; b) Per­so­nen (In­län­der und Aus­län­der), die ih­rem gan­zen, im Frie­den er­kann­ten Be­neh­men und ih­rer Stel­lung nach be­arg­wöhnt wer­den könn­ten, im Mo­bil­ma­chungs­fal­le dem Lan­des­feind durch Spio­na­ge­diens­te oder durch Zer­stö­rung von Ei­sen­bah­nen, Brü­cken, Te­le­gra­phen- und Fern­sprech­an­la­gen Vor­schub zu leis­ten; c) Per­so­nen (An­ar­chis­ten, Füh­rer der So­zi­al­de­mo­kra­tie pp.), de­nen ei­ne Stö­rung un­se­rer Mo­bil­ma­chung durch Auf­rei­zen der Be­völ­ke­rung zu Un­ge­hor­sam und Wi­der­setz­lich­keit ge­gen die Mo­bil­ma­chungs­an­ord­nun­gen zu­zu­trau­en ist.“

Im Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz wa­ren drei Per­so­nen der Ka­te­go­rie A, 16 der Ka­te­go­rie B und zwölf der Ka­te­go­rie C lis­ten­mä­ßig er­fasst wor­den, da­von in der Stadt Ko­blenz zwei aus Ka­te­go­rie A, neun aus B und zwei aus C, in Ko­blenz-Land wa­ren es fünf Per­so­nen in Ka­te­go­rie B und sechs in C. Im Re­gie­rungs­be­zirk Trier wur­den ins­ge­samt neun Per­so­nen in Ka­te­go­rie A ein­ge­stuft, 31 in B und elf in C, wo­von auf Trier-Stadt acht auf Ka­te­go­rie A ent­fie­len, 17 auf B und elf auf C, wäh­rend auf den Rest des Re­gie­rungs­be­zirks le­dig­lich ei­ne Per­son aus Ka­te­go­rie A für den Land­kreis Trier so­wie 14 Per­so­nen aus Ka­te­go­rie B aus Bit­burg ent­fie­len.

Auf die­ser Ba­sis er­ging nach Ab­stim­mung mit dem Ober­prä­si­den­ten am 8.4.1914 fol­gen­der Er­lass des Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps: „[…] bit­tet das Ge­ne­ral­kom­man­do sehr er­ge­benst die un­ter­stell­ten Orts- und Po­li­zei­be­hör­den sehr ge­fäl­ligst an­wei­sen zu wol­len, dass sie bei Er­klä­rung des Kriegs­zu­stan­des oder bei Aus­spruch der Mo­bil­ma­chung [Pas­sa­ge hand­schrift­lich ge­stri­chen mit der An­wei­sung, im Schrei­ben an die Re­gie­rungs­prä­si­den­ten die­sen Pas­sus aus­zu­las­sen] un­ver­züg­lich und oh­ne be­son­de­re Er­in­ne­rung die in den Lis­ten „Po­li­tisch Un­si­che­re“ un­ter a) und b) auf­ge­führ­ten Per­sön­lich­kei­ten fest­zu­neh­men ha­ben […]“. Die un­ter c) ge­nann­ten Per­so­nen sei­en erst dann zu ver­haf­ten, wenn sie „agi­ta­to­risch tä­tig wer­den“. Es müss­ten be­reits im Frie­den und un­ter strengs­ter Ge­heim­hal­tung al­le er­for­der­li­chen Maß­nah­men vor­be­rei­tet und sich Ge­wiss­heit ver­schafft wer­den, dass im Kriegs­fal­le al­le nö­ti­gen Schrit­te rei­bungs­los durch­ge­führt wür­den. Auf ei­ne Über­füh­rung der Fest­ge­nom­me­nen zur Kom­man­dan­tur Ko­blenz sol­le künf­tig ver­zich­tet wer­den, über die Dau­er der Haft ent­schei­de das Ge­ne­ral­kom­man­do auf An­trag „je nach La­ge“. Die Ge­ne­ral­kom­man­dos des VII., XIV. und XXI. Ar­mee­korps sei­en mit die­sem Vor­ge­hen ein­ver­stan­den, die Kom­man­dan­tur Ko­blenz und das Gou­ver­ne­ment Köln be­nach­rich­tigt.[22] Mit der be­reits er­wähn­ten Wei­ter­lei­tung die­ses Er­las­ses mit dem Ver­merk „Ge­heim! Ei­gen­hän­di­ges Ein­schrei­ben!“ am 26.5.1914 an die Re­gie­rungs­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz durch den Ober­prä­si­den­ten[23] wa­ren die Kriegs­vor­be­rei­tun­gen hin­sicht­lich der po­li­ti­schen Geg­ner des Kai­ser­reichs ab­ge­schlos­sen, wäh­rend an­dern­orts in der Ver­wal­tung noch un­be­ein­druckt von der po­li­ti­schen Ent­wick­lung wei­ter Mi­li­tär­pa­ra­den ge­plant wur­den.

 

3. „Heil Dir im Siegerkranz“: Kriegsausbruch in Koblenz

Als am 31.7.1914 die Mo­bil­ma­chung aus­ge­ru­fen wur­de, herrsch­te auch in Ko­blenz gro­ßer Ju­bel.[24] Ei­nen gu­ten Ein­druck von der Stim­mung in der Stadt ver­mit­telt der Be­richt vom 17.12.1915 von Rek­tor Butz in der Schul­chro­nik von Ko­blenz-Lüt­zel. „17 Mo­na­te Welt­krieg! Welch ei­ne Zeit liegt hin­ter uns! Reich an glor­rei­chen Sie­gen und herr­li­chen Er­fol­gen war sie, aber auch reich an har­ten Ver­lus­ten. […] War da ei­ne Be­geis­te­rung, als am Nach­mit­tag 6 Uhr – am 1. Au­gust – ei­nem Sams­tag – der Ruf er­schall­te: Mo­bil! Zu den Waf­fen! Was war da ein Le­ben auch in un­se­rem Schul­or­te, un­se­rer Stadt! Wa­gen, Au­to­mo­bi­le, Rad­fah­rer ras­ten durch die Stra­ßen. Über­all er­tön­ten va­ter­län­di­sche Lie­der. Mit ent­blö­ß­tem Haup­te sang man: ‚Heil Dir im Sie­ger­kranz‘. Hoch­ru­fe und Hur­ra durch­bre­chen die Luft. Noch am Abend des 1. Au­gust rück­ten die hie­si­gen In­fan­te­rie­re­gi­men­ter Nr. 28 und 68 und das Ar­til­le­rie­re­gi­ment Nr. 23 aus, dem Fein­de ent­ge­gen. Und wie rück­ten sie aus, mit fun­kel­na­gel­neu­er Aus­rüs­tung. Ei­ne Lust war es, die be­geis­ter­ten Trup­pen ab­rü­cken zu se­hen.“[25] 

Schon in Frie­dens­zei­ten war Ko­blenz ei­ne star­ke Gar­ni­son mit 5.000 Mann und das VIII. Ar­mee­korps ein be­ein­dru­cken­der Kampf­ver­band mit wei­tem Zu­stän­dig­keits­be­reich, dem im Ein­zel­nen un­ter­stan­den: die 15. Di­vi­si­on in Köln, die 16. Di­vi­si­on in Trier, die Ma­schi­nen­ge­wehr-Ab­tei­lung Nr. 2 in Trier, die Fes­tungs-Ma­schi­nen­ge­wehr-Ab­tei­lung Nr. 2 in Köln, das Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Fu­ßar­til­le­rie-Re­gi­ment Nr. 9 in Eh­ren­breit­stein und Köln, das Kom­man­do der Pio­nie­re des VIII. Ar­mee­korps 1. Rhei­ni­sches Pio­nier-Ba­tail­lon Nr. 8 in Eh­ren­breit­stein, das 3. Rhei­ni­sches Pio­nier-Ba­tail­lon Nr. 30 in Eh­ren­breit­stein, das Te­le­gra­phen-Ba­tail­lon Nr. 3 in Ko­blenz und Darm­stadt, die Fes­tungs-Fern­sprech-Kom­pa­nie Nr. 6 in Köln, das Luft­schiff-Ba­tail­lon Nr. 3 in Köln, Düs­sel­dorf und (vor­läu­fig) Metz, das Flie­ger-Ba­tail­lon Nr. 3 in Köln, Han­no­ver und Darm­stadt und die 1. Rhei­ni­sche Train-Ab­tei­lung Nr. 8 vor­läu­fig in Eh­ren­breit­stein.[26] In­ner­halb we­ni­ger Ta­ge wur­den – we­gen der stra­te­gi­schen La­ge in Front­nä­he, aber weit ge­nug ent­fernt für di­rek­te feind­li­che An­grif­fe, und der her­vor­ra­gen­den ver­kehrs­tech­ni­schen An­bin­dung der Stadt für den Auf­marsch an die West­front – aus den 5.000 Mann über 40.000 Sol­da­ten, die un­ter­zu­brin­gen und zu ver­pfle­gen wa­ren. Die Ko­blen­zer leis­te­ten bei­des, auch wenn es bis­wei­len be­deu­te­te, das ei­ge­ne Dienst­per­so­nal aus­zu­quar­tie­ren und in Ho­tels un­ter­zu­brin­gen.[27] Doch zahl­te das Mi­li­tär für die Ein­quar­tie­run­gen ei­nen mehr als aus­kömm­li­chen Preis.[28] Auch Schu­len wur­den ge­räumt, sei es zur Ein­quar­tie­rung von Sol­da­ten oder zur Ein­rich­tung von La­za­ret­ten. Auf An­ord­nung des Ko­blen­zer Ober­bür­ger­meis­ters wur­den be­reits am 2. Au­gust die fünf Klas­sen­zim­mer der Schen­ken­dorf­schu­le im Erd­ge­schoss aus­ge­räumt, um sie als La­za­rett ein­zu­rich­ten, und der Un­ter­richt ein­ge­stellt.[29] 

Auf den ers­ten Blick ver­mit­teln die ers­ten Kriegs­ta­ge in Ko­blenz ei­nen recht ge­ord­ne­ten Ab­lauf. Te­le­gram­me der Land­rä­te vom 1. Au­gust be­rich­te­ten von kei­nen oder nur mi­ni­ma­len Preis­stei­ge­run­gen, so dass ein ge­setz­li­ches Ein­schrei­ten nicht er­for­der­lich er­schien. Der Po­li­zei­di­rek­tor von Ko­blenz mel­de­te noch am 1. Au­gust die Be­schlag­nah­mung pri­va­ter Spreng­stoff- und Schie­ß­pul­ver­vor­rä­te.[30] Selbst die Brü­cken­be­wa­chung funk­tio­nier­te plan­mä­ßig. So konn­te der Bür­ger­meis­ter von Tra­ben-Trar­bach den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten noch am 1. Au­gust dar­über in­for­mie­ren, dass seit 12 Uhr mit­tags die Mo­sel­brü­cke von ei­nem mi­li­tä­ri­schem Kom­man­do be­wacht wer­de und die Gen­dar­men nach An­tre­ten der mi­li­tä­ri­schen Brü­cken­wa­che so­fort ab­ge­löst wor­den sei­en. Die po­li­zei­li­che Über­wa­chung wer­de am Tag durch den Brü­cken­wär­ter und ei­nen Po­li­zei­ser­gean­ten und nachts durch drei Feu­er­wehr­leu­te „an je­dem Land­pfei­ler ein Man­n“ aus­ge­übt.[31] 

Wäh­rend zwei Ta­ge spä­ter, am 3.8.1914, die te­le­gra­phi­sche An­wei­sung des Reich­sin­nen­mi­nis­ters zur Ver­haf­tung sämt­li­cher des Lan­des­ver­rats ver­däch­ti­ger Per­so­nen ein­ging, frag­te am sel­ben Tag das Ober­hof­mar­schall­amt aus Ber­lin an, wel­che kö­nig­li­chen Schlös­ser „für Zwe­cke des Ro­ten Kreu­zes“ zur Ver­fü­gung ge­stellt wür­den und ob dies das Ko­blen­zer Schloss ein­schlie­ße. An­schei­nend kam in Ber­lin kei­ne Ant­wort an, denn am 10. Au­gust er­bat das Ober­hof­mar­schall­amt er­neut um ent­spre­chen­de An­ga­ben. Die An­fra­ge lös­te in Ko­blenz Ver­wun­de­rung aus, da dem Ober­prä­si­den­ten nichts der­glei­chen vor­lag. Ei­ne of­fen­kun­dig hek­ti­sche, aber nicht über­lie­fer­te Rück­fra­ge beim Pro­vin­zi­al­ver­ein des Ro­ten Kreu­zes er­gab, dass man vor­läu­fig von der Be­nut­zung des Ko­blen­zer Schlos­ses Ab­stand ge­nom­men hat­te, doch wür­de man auf das An­er­bie­ten zu­rück­kom­men.[32] Tat­säch­lich ver­füg­te Ko­blenz über drei Gar­ni­sons­la­za­ret­te, ein Mi­li­tär-Seu­chen­la­za­rett und meh­re­re Hilfs­la­za­ret­te in und au­ßer­halb der Stadt, war al­so auch oh­ne das Schloss gut ge­rüs­tet.[33] 

Zwar wur­den auch in Ko­blenz be­reits nach we­ni­gen Ta­gen die Be­schrän­kun­gen für den pri­va­ten Au­to­ver­kehr auf­ge­ho­ben, doch wa­ren auch hier die von an­de­ren Or­ten be­kann­ten An­zei­chen er­höh­ter Ner­vo­si­tät und An­span­nung fest­zu­stel­len. In den ers­ten Au­gust­ta­gen wur­den meh­re­re Fahn­dun­gen nach ver­däch­ti­gen Au­to­mo­bi­len durch den Ober­prä­si­den­ten an­ge­sto­ßen, da mit die­sen Geld und Gold au­ßer Lan­des ge­bracht wer­den soll­te. Doch nicht nur ver­meint­li­cher De­vi­sen­schmug­gel er­reg­te in die­sen Ta­gen die Ge­mü­ter. Of­fen­kun­dig war die Be­völ­ke­rung so über die Ma­ßen ner­vös und an­ge­spannt, dass sich das Ober­kom­man­do der Ar­mee am 8. Au­gust ver­an­lasst sah, mit­tels Te­le­gramm fol­gen­de Be­kannt­ma­chung an­zu­wei­sen: „Deut­sche Flug­zeu­ge sind wie­der­holt von ei­ge­nen Trup­pen be­schos­sen wor­den. Es wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nur auf Flug­zeu­ge ge­schos­sen wird, die mit ab­so­lu­ter Si­cher­heit als Feind er­kannt sind. Er­ken­nungs­zei­chen der fran­zös. Flug­zeu­ge: blau weiß ro­te Ko­kar­de auf der un­te­ren Sei­te der Trag­flä­chen. Um um­ge­hen­de all­ge­mei­ne Be­kannt­ga­be auch durch die Zei­tun­gen wird ge­be­ten.“ Und auch der Re­gie­rungs­prä­si­dent muss­te sei­ne Land­rä­te auf Fehl­ver­hal­ten der Be­völ­ke­rung hin­wei­sen: „Heu­te ist hö­he­rer Of­fi­zier im Au­to von Land­sturm­pos­ten be­schos­sen und In­ten­dan­tur­be­am­ter in Och­ten­dung fest­ge­hal­ten wor­den. Be­dro­hung er­folgt häu­fig auch durch min­der­jäh­ri­ge Per­so­nen mit Ge­wehr. Ich er­su­che um so­for­ti­ge Auf­klä­rung der Be­völ­ke­rung und Maß­nah­men, durch wel­che der­ar­ti­ge Vor­komm­nis­se un­be­dingt ver­hü­tet wer­den. Orts­po­li­zei­be­hör­de gleich­falls be­leh­ren.“ Hin­ter­grund war ei­ne Mel­dung des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps vom sel­ben Tag, dass sei­tens der Land­rä­te, Bür­ger­meis­ter und Orts­be­hör­den „viel­fach noch Son­der­si­che­run­gen und zwar im schärfs­ten und aus­ge­dehn­tes­ten Maß ge­trof­fen wor­den beim Ab­sper­ren der We­ge und Stra­ßen etc. Es wird hier­durch aber die Be­fehls­über­mitt­lung, wel­che jetzt meist per Au­to er­folgt, der­art be­hin­dert, dass ei­ne recht­zei­ti­ge Aus­füh­rung von Be­feh­len in Fra­ge ge­stellt wird. Ich bit­te die vor­ge­nann­ten Per­so­nen und Be­hör­den mit ent­spre­chen­der Wei­sung zu ver­se­hen, und vor al­len Din­gen dar­auf hin­zu­wei­sen, dass den mi­li­tä­risch be­setz­ten und mit Pass­kar­ten ver­se­he­nen Mi­li­tär-Au­to­mo­bi­len von sei­ten der Orts­ein­woh­ner kei­ne Schwie­rig­kei­ten in der Pas­sa­ge ge­macht wer­den.“[34] 

Der­weil en­ga­gier­ten sich die Ko­blen­ze­rin­nen in zahl­rei­chen Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, wo­bei die Ver­pfle­gung der durch­zie­hen­den Sol­da­ten Prio­ri­tät ge­noss. Da­bei un­ter­schie­den die Da­men nach An­sicht vie­ler nicht hin­rei­chend ge­nug zwi­schen Freund und Feind, was den Kom­man­dan­ten von Ko­blenz-Eh­ren­breit­stein, Ge­ne­ral­leut­nant Erich von Luck­wald (1852-1929), am 30. Au­gust so­gar ver­an­lass­te, per öf­fent­li­cher Be­kannt­ma­chung dem Trei­ben Ein­halt zu ge­bie­ten: „Die aus­rei­chen­de Ver­pfle­gung der durch­kom­men­den Ge­fan­ge­nen­trans­por­te auf den Bahn­hö­fen er­folgt durch die Hee­res­ver­wal­tung. Als Lie­bes­ga­be darf den Ge­fan­ge­nen nur Brot, Was­ser und al­ko­hol­frei­es Ge­tränk durch Män­ner ver­ab­reicht wer­den.“[40] 

Sonderblatt der Coblenzer Volkszeitung vom 31.7.1914 zur Verkündung des Kriegszustands. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Auch die Of­fi­ziers­gat­tin El­len van den Bergh kri­ti­sier­te hef­tig die­sen all­zu freund­li­chen Um­gang mit den Ge­fan­gen in den Brie­fen an ih­ren Mann Hu­go, der als Of­fi­zier im Ge­ne­ral­stab des VIII. Ar­mee­korps mit die­sem bei Kriegs­aus­bruch Ko­blenz in Rich­tung Lu­xem­burg und Bel­gi­en ver­las­sen hat­te. Am 10. Au­gust em­pör­te sie sich: „Dort [im La­za­rett, wo sie Dienst tat] hör­te ich von ei­ner an­de­ren jun­gen Frau, […], daß „Da­men“ auf dem Eh­ren­breit­stein ge­we­sen sei­en um die lie­ben ar­men Ge­fan­ge­nen (3-4 sind schon seit ei­ni­gen Ta­gen oben) zu füt­tern und zu ver­pfle­gen. Wo­rob ein Offz. sich ihr ge­gen­über ent­rüs­tet ge­äus­sert hät­te. Ich sag­te so­fort wü­tend, es kä­me mir gar­nicht dar­auf an her­auf zu ge­hen, die Sa­che fest zu­stel­len, und die Na­men zu ver­öf­fent­li­chen. Dem müss­te gleich von An­fang an ge­steu­ert wer­den, da­mit es nicht so gin­ge wie 70 da­mit! Sie bat sich an­schlie­ßen zu dür­fen. Ver­ab­re­dung 6 Uhr N. an der Wa­ge an der Schiff­brü­cke tref­fen. Nun ha­be ich aber der­weil schon an­de­re, wirk­sa­me­re Schrit­te ge­tan. Näm­lich bei Ge­le­gen­heit des Te­le­fon­ge­sprä­ches mit Dir, be­sorg­te mir Hpt.v. Duis­burg den An­schluß, (ver­tritt Ic) dem trug ich die Sa­che vor, und er wird sie „zur Er­mitt­lung!“ an die Kom­man­dan­tur ge­ben. Mor­gen er­kun­di­ge ich mich, ev. auch bei En­ec­cee­rus, und wenn es wahr ist, ma­che ich wie­der mal ein „Ein­ge­sand­t“ aber an al­le Zei­tun­gen in C. und dro­he mit Ver­öf­fent­li­chung der Na­men bei der ge­rings­ten Wie­der­ho­lung, im Na­men von „wirk­li­chen Deut­schen Frau­en!“ Ein­ver­stan­den? Da muß ei­nen doch ein hei­li­ger Zorn an­kom­men!!“ Schon am 18. Au­gust konn­te sie ih­rem Mann ers­te Er­fol­ge be­rich­ten: „Heu­te kam Ver­öf­fent­li­chung der Kom­man­dan­tur, die ver­bie­tet ir­gend weib­li­che We­sen an die Ge­fan­ge­nen her­an­zu­las­sen. Ge­fan­ge­nen­trans­por­te sei­en nur mit Wa­ßer u. Brod zu ver­sor­gen, die Lie­bes­ga­ben an die Be­gleit­mann­schaf­ten von Sol­da­ten zu über­rei­chen! Ha­be mich sehr dar­über ge­freut.“

Über­haupt konn­te sie den Ge­fan­ge­nen ge­gen­über we­nig Mit­leid auf­brin­gen, wie sie am 22. Au­gust schrieb: „Heu­te Mor­gen sah ich die ers­ten Ge­fan­ge­nen. Meh­re­re Zi­vi­lis­ten, und ei­nen Sol­da­ten. Die ty­pi­schen ro­ten Ho­sen, blau­en Rock mit nach hin­ten ge­knöpf­ten Schö­ßen, oh­ne Helm, mit blo­ßem Kopf und fins­te­rem Ge­sicht. War­um nimmt man die ge­fan­ge­nen Zi­vi­lis­ten über­haupt mit? Ich den­ke die wer­den gleich er­schos­sen, wenn sie mit­ge­kämpft ha­ben? Im­mer si­che­rer wird man über un­se­rer gu­ten Sa­che.“

Auch an an­de­rer Stel­le zei­gen die Brie­fe, wie we­nig tat­säch­lich rei­bungs­los funk­tio­nier­te. So be­klag­te El­len van den Bergh den un­zu­ver­läs­si­gen Post­dienst eben­so wie aus­blei­ben­de, doch fest zu­ge­sag­te fi­nan­zi­el­le Zu­wen­dun­gen oder wi­der­sprüch­li­che Be­feh­le bei Brü­cken­sper­run­gen. Trotz­dem scheint die La­ge in Ko­blenz al­les in al­lem deut­lich ge­ord­ne­ter ge­we­sen zu sein als im na­he­ge­le­ge­nen Trier, ins­be­son­de­re was die Ver­sor­gung und die Preis­ent­wick­lung be­traf. 

Sanitätssoldaten bei der Verteilung von „Liebesgaben“ am Koblenzer Hauptbahnhof 1914, Privatbesitz. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

4. „…der Mittelpunkt der gesamten militärischen Operationen“: Das Große Hauptquartier in Koblenz

Außenansicht des Kaiser-Wilhelm-Realgymnasiums, 1914 Sitz des Großen Hauptquartiers. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Der Chef des Ge­ne­ral­sta­bes rich­te­te an den Di­rek­tor Dr. Bredt­mann fol­gen­des Dank­schrei­ben: „Gro­ßes Haupt­quar­tier, den 29. Au­gust 1914. Be­vor ich mit mei­nem Sta­be die Stadt Co­blenz ver­las­se, kann ich nicht um­hin Ih­nen, ver­ehr­ter Herr Di­rek­tor, mei­ne Freu­de dar­über aus­zu­drü­cken, dass das Schul­kol­le­gi­um mit der grö­ß­ten Be­reit­wil­lig­keit die Räu­me des Kai­ser-Wil­helm-Re­al­gym­na­si­ums mir für Bu­reau­zwe­cke zur Ver­fü­gung ge­stellt hat. Durch Ihr per­sön­li­ches Ent­ge­gen­kom­men ha­ben Sie Of­fi­zie­ren und Be­am­ten ih­re ar­beits­rei­che Tä­tig­keit sehr er­leich­tert und so­mit zu der glat­ten Ab­wick­lung der Dienst­ge­schäf­te we­sent­lich bei­ge­tra­gen. Ich bit­te Sie, hier­für mei­nen auf­rich­ti­gen Dank ent­ge­gen­neh­men zu wol­len. v. Molt­ke.“[49] Über­aus ge­schmei­chelt teil­te Dr. Bredt­mann an­schlie­ßend auf An­re­gung des Kol­le­gi­ums Molt­ke mit, dass er zur Er­in­ne­rung an die­se Ta­ge ein gro­ßes Bild von ihm für den Kon­fe­renz­raum an­ge­schafft ha­be und bat um ei­ni­ge Wor­te mit ei­gen­hän­di­ger Un­ter­schrift. Be­reits am fol­gen­den Ta­ge er­hielt er die fol­gen­de hand­schrift­li­che No­tiz: „Co­blenz, den 16. – 30. Au­gust 1914, Deutsch­land, Deutsch­land über al­les! v. Molt­ke, Ge­ne­ral­ober­s­t“. Dem Wunsch der Schü­ler nach ei­ner er­beu­te­ten fran­zö­si­schen Ka­no­ne moch­te der Chef des Ge­ne­ral­stabs je­doch nicht ent­spre­chen.[50] Das Au­to­graph von Molt­ke be­fand sich noch Jahr­zehn­te spä­ter im Dienst­zim­mer des Di­rek­tors des Ei­chen­dorff-Gym­na­si­ums.

Ab­ge­se­hen von der täg­li­chen La­ge­be­spre­chung im Ge­ne­ral­stab ver­brach­te Wil­helm II. sei­ne Ta­ge in Ko­blenz vor­nehm­lich mit La­za­rett­be­su­chen. Von ei­nem sol­chen Be­such be­rich­te­te El­len van den Bergh ih­rem Mann Hu­go, zu die­sem Zeit­punkt in Bas­to­gne, und schrieb am 25. Au­gust, dass an die­sem Mor­gen um halb 11 Uhr der Kai­ser ins La­za­rett ge­kom­men sei, ge­mein­sam mit dem Kö­nig von Würt­tem­berg und dem Reichs­kanz­ler[51]: „Der Kai­ser ging dann von ei­nem Zim­mer, von ei­nem Bett zum an­de­ren. Gab je­dem Ver­wun­de­ten die Hand, und ei­ne Blu­me und sprach mit ihm. wir konn­ten durch die nied­ri­gen, weil of­fe­nen Fens­ter al­les se­hen, und dann wur­de ich ganz zu­fäl­lig mit­ge­scho­ben bis an das Au­to vom Kai­ser, und stand, zwi­schen 2 Mä­dels durch­se­hend 2 Schritt von ihm ent­fernt als er sich ins Au­to setz­te, vor­her mit 2 Ver­wun­de­ten sprach, die den Arm in der Bin­de drau­ßen her­um­gin­gen. Wie grau sieht er aus, und wie viel wei­cher und freund­li­cher ist sein Ge­sicht als die Bil­der es wie­der­ge­ben. Das war heu­te ei­ne lan­ge Pau­se die wir da­durch mach­ten. Mor­gen hei­ßt es dop­pelt fleis­sig sein das Ver­säum­te wie­der ein­zu­ho­len. Aber ich freue mich doch ihn ge­se­hen zu ha­ben, und da­zu noch so gut und nah. Es wur­de kein Hur­rah ge­ru­fen, aber wir al­le wink­ten mit den Hän­den, und er wink­te wie­der. All das war ge­dämpft durch die Nach­richt von den ers­ten Ver­lus­ten die be­kann­te Per­so­nen be­tra­fen.“[52] Sie be­rich­te­te auch vom Ein­tref­fen des Gro­ßen Haupt­quar­tiers in Ko­blenz, ent­hüll­te da­bei De­tails, die so si­cher­lich nicht Teil der of­fi­zi­el­len Dar­stel­lung wa­ren: „Mein Liebs­ter, Al­so wirk­lich das Kai­ser­li­che Haupt Quar­tier oder nennt es sich an­ders? ist hier­her ge­kom­men. Ich woll­te es nicht glau­ben, ha­be es heu­te mor­gen aber mit ei­ge­nen Au­gen ge­se­hen. Al­ler­dings ge­hör­te ich nicht zu de­nen die nach dem Bahn­hof lie­fen, son­dern war viel­leicht die Ein­zi­ge pünkt­li­che in un­se­rer Apo­te­ke, aber ich sah die lee­ren kai­ser­li­chen Au­tos hin­fah­ren, und das Ge­wim­mel von Ge­ne­ral­stäb­lern, Kriegs­mi­nis­te­ri­el­len und mir to­tal frem­den Uni­for­men im Ho­tel Mo­no­pol (das ganz für die Her­ren be­reit steht) und in der Schloß­stra­ße. Die Sa­che ist hier erst vor 2 Ta­gen über­ra­schend an­ge­kün­digt wor­den. Rhein­ba­bens Pri­vat­woh­nung steht dem Kai­ser zur Ver­fü­gung. Rhein­ba­bens selbst woh­nen in 2 Man­sar­den­stüb­chen in ih­rem ei­ge­nen Hau­se, ih­re Lo­gier­gäs­te ha­ben sie bei an­de­ren Re­gie­rungs­be­am­ten die Platz hat­ten un­ter­ge­bracht. Das Schloß ist näm­lich ab­so­lut nicht in Stand. Soll­te erst zum Kai­ser­ma­nö­ver fer­tig wer­den, und nun fehlt noch al­les drin. We­nigs­tens ist noch gänz­lich un­ge­nü­gend Was­ser­lei­tung, W.C. Elek­tri­zi­tät, Ba­de­ein­rich­tun­gen usw. Al­so das wird nun wohl, zu Bü­ro­räu­men be­nutzt wer­den, denn Be­trieb ist auch dar­in, das steht fest, und Mäx­chen[53] wird dort wohl auch zu ar­bei­ten ha­ben. 2 Ma­schi­nen­ge­weh­re ste­hen auf dem fla­chen Dach über dem Mit­tel­bau. Die Zei­tun­gen schwei­gen ab­so­lut, es soll al­so wohl nicht be­kannt wer­den.“[54] 

Autograph von Generaloberst von Moltke für das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium Koblenz vom 30.08.1914, Eichendorff-Gymnasium Koblenz. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

Mit ih­rer Schil­de­rung wi­der­sprach El­len van den Bergh den Aus­füh­run­gen der Chro­nik von Leh­rer Sie­ben­born der Schen­ken­dorf­schu­le, wo­nach der Kai­ser nur des­halb in der Pri­vat­woh­nung des Ober­prä­si­den­ten un­ter­ge­bracht wor­den sei, weil das Schloss zu La­za­rett­zwe­cken ge­nutzt wür­de, was aber – wie er­wähnt – zu­min­dest zu die­sem Zeit­punkt nicht der Fall war.[55] Auch die Schul­chro­nik er­wähnt die Pa­ra­de auf der Kart­hau­se am 22. Au­gust und den Be­such des würt­tem­ber­gi­schen Kö­nigs in Ko­blenz am 25. Au­gust. Bei ih­rem ge­mein­sa­men Be­such in meh­re­ren La­za­ret­ten der Stadt hät­ten sich Kai­ser und Kö­nig mit Ver­wun­de­ten un­ter­hal­ten, die ih­nen von der „ver­rä­te­ri­schen Hal­tung der bel­gi­schen Lan­des­ein­woh­ner“ be­rich­tet hät­ten. Auch am fol­gen­den Tag, beim Emp­fang des baye­ri­schen Kö­nigs, ha­be der Kai­ser Ver­wun­de­te ge­trös­tet, eben­so bei sei­ner Fahrt nach Nas­sau am 28. Au­gust, wo er die Kai­se­rin traf und am fol­gen­den Tag in Bad Ems das dor­ti­ge La­za­rett auf­such­te. Zu­dem ha­be er zu­sam­men mit Ver­wun­de­ten an zwei Dank­got­tes­diens­ten in der Schloss­kir­che teil­ge­nom­men. In sei­ner Er­ho­lungs­zeit ha­be der Kai­ser häu­fig Spa­zier­gän­ge am Rhein und auf der Halb­in­sel Ober­werth un­ter­nom­men, bei de­nen ihn der Leh­rer Sie­ben­born zu sei­ner grö­ß­ten Freu­de be­grü­ßen durf­te.[56] Auch El­len van den Bergh be­rich­te­te ih­rem Mann von den re­gel­mä­ßi­gen Aus­rit­ten des Kai­sers am Rhein­ufer.[57] 

Am 30.8.1914 um 10.30 Uhr ver­lie­ßen der Kai­ser und mit ihm der Tross des Gro­ßen Haupt­quar­tiers Ko­blenz in Rich­tung Lu­xem­burg. In der „Co­blen­zer Zei­tun­g“ er­schie­nen die Dank­adres­sen des Kai­sers und von Molt­kes. Die Stadt kehr­te zur Nor­ma­li­tät zu­rück.

Mi­li­tä­risch war die Zeit des Gro­ßen Haupt­quar­tiers in Ko­blenz – so­weit die lü­cken­haf­te Quel­len­über­lie­fe­rung ei­ne zu­tref­fen­de Ein­schät­zung zu­lässt – eher ei­nem „ru­hi­gen Frie­dens­le­ben“ ähn­lich, wie es Mo­riz Frei­herr von Lyncker (1853-1932) in sei­nen kürz­lich edier­ten Ta­ge­bü­chern und Brie­fen an sei­ne Frau am 18.8.1914 be­schrieb. Kla­ge führ­te er nur über das stän­dig glei­che Ge­richt, das ih­nen ser­viert wer­de und die Tat­sa­che, dass Molt­ke stets al­lein dem Kai­ser be­rich­te, so dass der In­for­ma­ti­ons­fluss über die Ope­ra­tio­nen nicht aus­rei­chend sei.[58] Auch in den fol­gen­den Ta­gen be­män­gel­te er, dass er – ob­wohl der un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung des Kai­sers als Chef des Mi­li­tär­ka­bi­netts zu­ge­hö­rig – nur we­nig über die Front er­fah­re. Die Ta­ge zeich­ne­ten sich durch die im­mer glei­che Rou­ti­ne aus: „Die Abend­ta­fel ist pünkt­lich um 7 ½ Uhr, um 9 ½ Uhr zieht sich der Kai­ser zu­rück und auch Al­les an­de­re geht zur Ru­he. Im Schloss dür­fen kei­ne er­leuch­te­ten Fens­ter sein, auf dem Dach ste­hen Ma­schi­nen Ge­weh­re zur Ab­wehr von Flie­gern. Es kom­men aber si­cher­lich kei­ne hier­her. Das ist fast aus­ge­schlos­sen.“ Auf we­nig Ge­gen­lie­be stieß bei ihm auch die Nach­richt vom bal­di­gen Ein­tref­fen der Kai­se­rin. „Das fin­de ich ei­ne höchst un­glück­li­che Idee. Die Kai­se­rin im mo­bi­len Haupt­quar­tier? Sie hat hier gar Nichts zu su­chen! Das wird kei­nen gu­ten Ein­druck ma­chen, Ich bin ganz ent­setzt über die­se Idee! Sie ist doch sonst klug ge­nug. Aber dies ein ei­ne gro­be Dumm­heit.“[59] Die we­ni­gen Nach­rich­ten, die von Lyncker er­hielt, be­tra­fen den eher güns­ti­gen Ver­lauf der Ope­ra­tio­nen an der West­front, wäh­rend über die zu­nächst we­ni­ger güns­tig ver­lau­fen­den Er­eig­nis­se an der Ost­front nur we­nig durch­drang.[60] Das mag auf den ers­ten Blick we­nig glaub­haft er­schei­nen, doch be­le­gen auch an­de­re Quel­len, wie se­lek­tiv der Kai­ser und da­mit sei­ne en­ge­re Um­ge­bung über die mi­li­tä­ri­schen Er­eig­nis­se un­ter­rich­tet wur­den, was bis­wei­len zur The­se führ­te, der Kai­ser sei we­ni­ger Obers­ter Kriegs­herr als viel­mehr nur „obers­ter Tee­trin­ker“ ge­we­sen.[61] Doch trotz der spär­li­chen Nach­rich­ten herrsch­te im Gro­ßen Haupt­quar­tier die­ser Ta­ge gro­ße Zu­ver­sicht. „Hier im Haupt­quar­tier ist die Stim­mung auch [be­zo­gen auf den Ju­bel in Ber­lin über den Er­folg bei Metz] ge­ho­ben und zu­ver­sicht­lich, dass wir al­le lie­ber vor­ne wä­ren als hier hin­ten in Si­cher­heit zu le­ben, ver­steht sich von selbst.“[62] Zwei Jah­re spä­ter wird der­sel­be Mo­riz Frei­herr von Lyncker sei­ner Frau schrei­ben: „Heut vor 2 Jah­ren fuh­ren wir von Ber­lin nach Co­blenz. Wir dach­ten uns an­ders den Krieg. Was liegt Al­les da­zwi­schen für 1000 und aber 1000, und auch für uns. Und was mag noch kom­men!“[63] 

5. „…haben aber meinen Anweisungen Folge zu leisten“: Militär und Verwaltung im Krieg

Wenn in ei­ner Stadt so­wohl mi­li­tä­ri­sche als auch Ver­wal­tungs­spit­ze zu­sam­men­kom­men,[64] stellt sich au­to­ma­tisch die Fra­ge nach de­ren Zu­sam­men­wir­ken, ins­be­son­de­re, wenn wie im Fal­le der preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz nicht nur das Ge­ne­ral­kom­man­do ei­nes Ar­mee­korps und seit Kriegs­aus­bruch auch das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do[65], son­dern gleich meh­re­re Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­dos an­we­send wa­ren. Die Rhein­pro­vinz um­fass­te die ne­ben dem VIII. Ar­mee­korps mit der Stadt Ko­blenz, den Land­krei­sen Ko­blenz-Land, An­der­nach, St. Goar, St. Goar­shau­sen, dem Un­ter­lahn­kreis, dem Un­ter­wes­ter­wald­kreis und dem Kreis Neu­wied, al­so wei­ten Tei­len des Re­gie­rungs­be­zirks Ko­blenz, auch den Be­zirk des XXI. Ar­mee­korps (Sitz Saar­brü­cken) mit den Land­krei­sen Trier, Bad Kreuz­nach, Mei­sen­heim und Sim­mern des Re­gie­rungs­be­zirks Trier so­wie des VII. Ar­mee­korps (Sitz Müns­ter) mit weit­ge­hen­den Zu­stän­dig­kei­ten in den nörd­li­chen Re­gie­rungs­be­zir­ken Köln, Aa­chen und Düs­sel­dorf, die hier nicht zu be­rück­sich­ti­gen sind.[66]

Ei­nen ers­ten Hin­weis auf die Ge­stal­tung des Ver­hält­nis­ses zwi­schen Ar­mee- und Ver­wal­tungs­spit­ze bil­det die am 31.7.1914 vom Kom­man­dan­ten von Ko­blenz und Eh­ren­breit­stein ver­kün­de­te Be­kannt­ma­chung über den Be­la­ge­rungs­zu­stand, wor­in er er­klär­te, dass er die voll­zie­hen­de Ge­walt über­neh­me für die Stadt und den Land­kreis Ko­blenz so­wie die Land­krei­se St Goar, St. Goar­shau­sen, Un­ter­lahn­kreis, Un­ter­wes­ter­wald­kreis und Kreis Neu­wied. „Die Zi­vil­ver­wal­tungs- und Ge­mein­de­be­hör­den ver­blei­ben in Tä­tig­keit, ha­ben aber mei­nen An­wei­sun­gen Fol­ge zu leis­ten.“[67] In der Pra­xis ver­blieb dem Ober­prä­si­den­ten tat­säch­lich ge­ra­de in den ers­ten Kriegs­mo­na­ten häu­fig nur die Rol­le ei­nes hoch­be­zahl­ten Post­ver­tei­lers, wie das Bei­spiel der Re­kru­tie­rung für Ar­mee und Land­sturm be­legt.

Im Mit­tel­punkt stand wäh­rend des ge­sam­ten Krie­ges als wich­tigs­te Auf­ga­be des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos die Ver­sor­gung der Ar­mee mit Sol­da­ten. Am 27.8.1914 er­teil­te das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps dem Ober­prä­si­den­ten da­zu fol­gen­de Wei­sung: „Die An­la­ge zur ge­neig­ten Kennt­nis­nah­me mit der Bit­te er­ge­benst über­sandt, not­wen­dig er­schei­nen­de Be­stim­mun­gen zu tref­fen: das Ge­ne­ral­kom­man­do muss es im Hin­blick auf die ge­wal­ti­ge Zahl der aus­zu­bil­den­den Kriegs­frei­wil­li­gen und Re­kru­ten als un­be­dingt not­wen­dig be­zeich­nen, die vor­han­de­nen Lü­cken im Füh­rer- und Aus­bil­dungs­per­so­nal durch Her­an­zie­hung al­ler noch ver­füg­ba­ren Kräf­te aus­zu­fül­len […]“, um am 30. Au­gust zu prä­zi­sie­ren, dass in der In­ten­dan­tur Be­am­ten­stel­len zu be­set­zen sei­en. Man bat um Be­nen­nung von Be­am­ten, die sich frei­wil­lig da­für zur Ver­fü­gung stell­ten. „Es kom­men nur sol­che Be­am­te in Be­tracht, von de­nen an­zu­neh­men ist, dass sie sich in kur­zer Zeit mit den ein­schlä­gi­gen Be­stim­mun­gen so ver­traut ma­chen, dass sie er­for­der­li­chen Fal­les auch als Feld­be­am­te ver­wen­det wer­den kön­nen.“[68] Der Ober­prä­si­dent star­te­te dar­auf­hin ei­ne ent­spre­chen­de Um­fra­ge bei den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten, al­ler­dings mit dürf­ti­gem Er­geb­nis. Der Re­gie­rungs­prä­si­dent von Ko­blenz mel­de­te im­mer­hin am 6. Sep­tem­ber ei­nen Be­am­ten von 60 Jah­ren, der „kör­per­lich sehr rüs­ti­g“ sei, ge­dient und ei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on als Un­ter­of­fi­zier ha­be. „Ob er in der La­ge sein wird, sich in kur­zer Zeit mit den ein­schlä­gi­gen Be­stim­mun­gen so ver­traut zu ma­chen, dass er er­for­der­li­chen­falls als Feld­in­ten­dan­tur­be­am­ter ver­wen­det wer­den kann, scheint mir nach sei­ner Vor­bil­dung und sei­nen dienst­li­chen Leis­tun­gen in der Re­gie­rung zwei­fel­haft.“ Der Re­gie­rungs­prä­si­dent von Trier mel­de­te wie al­le an­de­ren am 7. Sep­tem­ber gleich knapp „Fehl­an­zei­ge“. Und die­sem Vo­tum schloss sich auch der Ober­prä­si­dent am 11. Sep­tem­ber ge­gen­über dem Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­do an und be­dau­er­te, dass kei­ne ge­eig­ne­ten Be­am­ten be­nannt wer­den könn­ten.[69] 

Im­mer wie­der war das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do ge­zwun­gen, um die Ver­sor­gung der Ar­mee mit Sol­da­ten si­cher­zu­stel­len, auf die Un­ter­stüt­zung des Ober­prä­si­den­ten zu­rück­zu­grei­fen, zu­mal selbst die be­reits ein­ge­zo­ge­nen Sol­da­ten zu­min­dest in den ers­ten Kriegs­wo­chen an­schei­nend nicht im­mer die mi­li­tä­ri­schen Spiel­re­geln be­herrsch­ten. So muss­te das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps am 8.9.1914 den Ober­prä­si­den­ten bit­ten, über die Re­gie­rungs­prä­si­den­ten zu ver­an­las­sen, dass die Land­rä­te und sämt­li­che Orts- und Po­li­zei­be­hör­den da­für Sor­ge trü­gen, dass sie „ein­zel­ne in der Pro­vinz an­ge­trof­fe­ne Per­so­nen des Sol­da­ten­stan­des, so bald sie nicht von ir­gend­ei­ner mi­li­tä­ri­schen Dienst­stel­le ei­nen dienst­lich un­terstem­pel­ten Aus­weis über ihr Rei­se­ziel ha­ben, dem nächs­ten Re­ser­ve­la­za­rett zu über­wei­sen. Das be­zieht sich auch auf die In­sas­sen ein­zel­ner Ver­wun­de­ten-Nes­ter, die in der Re­gel sei­ner­zeit von der Etap­pe als Orts­la­za­ret­te ein­ge­rich­tet und nicht auf­ge­löst sind. Es liegt drin­gend im In­ter­es­se ei­ner ge­nau­en Lis­ten­füh­rung für das Zen­tral­nach­weis­bü­ro des Kriegs­mi­nis­te­ri­ums, wie auch für die Be­ur­tei­lung spä­te­rer Ver­sor­gungs­an­sprü­che, dass sol­che Leu­te, wenn sie auch an Ort und Stel­le gut un­ter­ge­bracht und ver­sorgt er­schei­nen, zu­nächst den staat­li­chen Re­ser­ve­la­za­ret­ten zu­ge­führt wer­den, aus de­nen sie mit al­len Un­ter­la­gen ver­se­he­nen trans­port­fä­hi­gen dem nächst­ge­le­ge­nen Ver­eins­la­za­rett oder den Er­satz­for­ma­tio­nen ih­rer Trup­pen­tei­le über­wie­sen wer­den.“[70] 

Auch beim Nach­weis über Mu­ni­ti­on, Waf­fen und an­de­re Mi­li­tär­gü­ter muss­te die staat­li­che Ver­wal­tung auf An­wei­sung des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps wei­ter­hel­fen. So wur­den die Re­gie­rungs­prä­si­den­ten auf des­sen Ver­an­las­sung Mit­te Sep­tem­ber 1914 durch den Ober­prä­si­den­ten auf­ge­for­dert zu be­rich­ten, ob und wie sie er­beu­te­te Ge­schüt­ze auf­ge­stellt hät­ten. Wäh­rend der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent Fehl­an­zei­ge mel­de­te, war sein Trie­rer Kol­le­ge, des­sen Zu­stän­dig­keits­be­reich viel nä­her an der Front lag, ge­zwun­gen an­zu­ge­ben: „In der Stadt Saar­brü­cken ste­hen zur Zeit 26 er­beu­te­te Ge­schüt­ze, sämt­li­che oh­ne Prot­ze. An 24 feh­len die Ver­schlüs­se. Ob die­se et­wa in mi­li­tä­ri­schem Ge­wahr­sam sind, ist nicht be­kannt.“[71] 

Ge­ra­de zu­rück­ge­las­se­ne Mi­li­tär­gü­ter wur­den von der Be­völ­ke­rung vor Ort ger­ne als will­kom­me­ne „Beu­te“ be­trach­tet. „Sei­tens der Zi­vil­be­hör­den kom­men die Mel­dun­gen über zu­rück­ge­blie­be­nes Mi­li­tär­gut (Be­klei­dung, Waf­fen, Fahr­zeu­ge, Vieh pp.) erst sehr spät zur Kennt­nis der zu­stän­di­gen Mi­li­tär­be­hör­de. So sind in ei­nem Or­te 4 Last­wa­gen mit Le­bens­mit­teln be­la­den we­gen Mo­tor­scha­dens lie­gen ge­blie­ben. Der Vor­fall wur­de erst nach zehn Ta­gen hier be­kannt, nach­dem die Le­bens­mit­tel an­fin­gen zu ver­der­ben.“[72] 

Aber auch die Trup­pe selbst ver­hielt sich nicht im­mer vor­bild­lich, was den kom­man­die­ren Ge­ne­ral des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­rals­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps, Paul von Ploetz (1847-1930), zu fol­gen­der Be­kannt­ma­chung ver­an­lass­te: „Es ist mir zur Kennt­nis ge­kom­men, dass ver­ein­zelt noch Flur­schä­den ge­macht wer­den, die ver­mie­den wer­den konn­ten.“ „In mehr­fa­chen Er­las­sen“ ha­be er be­reits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass „mit Le­bens­mit­teln un­be­dingt von der ge­sam­ten Be­völ­ke­rung und so­mit auch von den Trup­pen haus­häl­te­risch ge­spart wer­den muss, da­mit die aus­kömm­li­che Er­näh­rung des Vol­kes si­cher­ge­stellt wird.“ Es sei da­her nicht hin­nehm­bar, wenn bei Trup­pen­übun­gen „wert­vol­le Feld­früch­te sinn­los ver­nich­te­t“ wür­den. „Ich ma­che es den Trup­pen-Vor­ge­setz­ten zur be­son­de­ren Pflicht, Feld­dienstü­bun­gen und Mär­sche so ein­zu­rich­ten, dass Flur­schä­den jeg­li­cher Art pein­lichst ver­mie­den wer­den.“ Denn: „Wer Flur­schä­den macht, han­delt die­sen va­ter­län­di­schen Be­stre­bun­gen [Un­ab­hän­gig­keit der Er­näh­rung von Zu­lie­fe­run­gen aus dem Aus­land] zu­wi­der.“[73] 

Weihnachten im Lazarett. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

An­fang Ja­nu­ar 1915 hat­ten sich die Ver­hält­nis­se sta­bi­li­siert und das preu­ßi­sche Bü­ro­kra­tie­ver­ständ­nis hat­te Ein­zug ge­hal­ten. Ei­ne of­fi­zi­el­le Ge­schäfts­ord­nung des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps in ge­druck­ter Form wur­de am 16.1.1915 er­las­sen und durch den Ober­prä­si­den­ten an die nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­den zur Kennt­nis und Be­ach­tung ge­ge­ben.[74] 

Mit fort­schrei­ten­der Kriegs­dau­er und den ste­tig wach­sen­den Ver­lus­ten wur­de die aus­rei­chen­de Ver­sor­gung der Ar­mee mit Per­so­nal je­doch schwie­ri­ger, die Ge­su­che um Rück­stel­lung der Ein­be­ru­fung häuf­ten sich. So mehr­ten sich laut ei­nem Schrei­ben des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps vom 18.2.1915 die Ge­su­che von Fir­men, die im Hee­res­in­ter­es­se ar­bei­ten, um Frei­stel­lung von Mit­ar­bei­tern vom Kriegs­dienst. Das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps schlug ei­ne Be­schleu­ni­gung des Ge­schäfts­gangs vor, wo­nach ihm sol­che Ge­su­che di­rekt zu­ge­hen soll­ten und von die­sem be­ar­bei­tet wür­den, oh­ne – wie vor­ge­se­hen – zu­nächst ei­ne Stel­lung­nah­me des Ober­prä­si­den­ten ein­zu­ho­len.[75] Schnell of­fen­bar­te sich der Hin­ter­grund die­ses An­sin­nens: Am 28. März muss­te das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps dem Ober­prä­si­den­ten mit­tei­len, dass „die Zahl der beim stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­do ein­lau­fen­den, tat­säch­lich un­be­grün­de­ten Ge­su­che um Be­frei­ung vom Hee­res­dienst oder um Be­ur­lau­bung in er­schre­cken­der Wei­se meh­ren. Es scheint, als ob die Tat­sa­che, dass zahl­rei­che Ar­bei­ter für die im Hee­res­dienst ar­bei­ten­den Be­trie­be zu­rück­ge­stellt wer­den, und dass sich das stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do in weit­ge­hends­ter Wei­se be­reit er­klärt hat, Be­ur­lau­bun­gen im volks­wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se ein­tre­ten zu las­sen, zu der Auf­fas­sung ge­führt hat, dass je­der ein Recht hat, sich we­nigs­tens zeit­wei­se dem Hee­res­dient zu ent­zie­hen. Das Ge­fühl, dass je­der in ers­ter Li­nie da­zu be­ru­fen ist, in der jet­zi­gen Zeit dem Va­ter­land mit der Waf­fe in der Hand zu die­nen, kann dar­un­ter lei­den.“ Der Ober­prä­si­dent wur­de ge­be­ten, in ge­eig­ne­ter Wei­se Auf­klä­rung der Be­völ­ke­rung über die nach­ge­ord­ne­ten Stel­len zu be­trei­ben. Er sol­le da­hin wir­ken, „dass die per­sön­li­chen In­ter­es­sen des Ein­zel­nen in das rich­ti­ge Ver­hält­nis zum gro­ßen va­ter­län­di­schen In­ter­es­se ge­bracht wer­den müs­sen, und dass hier­zu Op­fer un­ver­meid­lich sind. Für die­sen Zweck wür­de es auch dien­lich sein, wenn die zur Stel­lung­nah­me ver­pflich­te­ten Be­hör­den un­be­grün­de­te Ge­su­che von vorn­her­ein in strengs­ter Wei­se zu­rück­wie­sen.“[76] Der Köl­ner Re­gie­rungs­prä­si­dent re­agier­te leicht un­ge­hal­ten und ver­wies auf sei­ne Ein­zel­fall­prü­fun­gen, die er stets ge­wis­sen­haft durch­ge­führt ha­be und wag­te so­gar ei­ne ver­steck­te Kri­tik, wo­nach es hilf­reich zur Ur­teils­fin­dung sei, ob ein An­trag be­grün­det sei oder nicht, wenn man wüss­te, wie das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps zu ent­schei­den pfle­ge. Er bat da­her den Ober­prä­si­den­ten, da­für zu sor­gen, dass die Ent­schei­dun­gen des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps den nach­ge­ord­ne­ten Zi­vil­ver­wal­tun­gen mit­ge­teilt wür­den, da­mit man we­nigs­tens ei­ne Richt­schnur ha­be.[77] Und tat­säch­lich leg­te das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps am 17.9.1915 ei­ne Art „Check­lis­te“ vor, an­hand de­rer die zu­stän­di­gen Stel­len die Be­rech­ti­gung von Ur­laubs­ge­su­chen aus den Be­rei­chen Land­wirt­schaft und Wein­bau we­gen der ho­hen ein­ge­hen­den Zahl prü­fen konn­ten.[78] Am 28.9.1915 folg­te ein neu­er Er­lass, wo­nach die nicht mehr feld­dienst­taug­li­chen Be­am­ten und Un­ter­be­am­ten ge­gen die als un­ab­kömm­lich er­klär­ten, aber kriegs­dienst­taug­li­chen Be­am­ten aus­ge­tauscht wer­den müss­ten, um den Nach­schub des Hee­res zu si­chern.[79] Am 10.12.1915 wur­den so­gar die bis­her zu­rück­ge­stell­ten land­sturmpf­lich­ti­gen Be­am­ten zum Hee­res­dienst ver­pflich­tet, wenn sie kriegs­dienst­fä­hig und vor 1876 ge­bo­ren wa­ren.[80] 

Das Ver­fah­ren zur Ein­be­ru­fung wur­de im Lau­fe der kom­men­den Mo­na­te im­mer for­ma­li­sier­ter, auch auf An­wei­sung von Ber­lin, so dass nur noch we­nig ori­gi­när mit der Re­gi­on be­fass­ter Schrift­ver­kehr vor­han­den ist, sieht man von ge­le­gent­li­chen be­am­ten­ty­pi­schen Kla­gen des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps ab, die nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­den füll­ten die For­mu­la­re und Fra­ge­bo­gen nach wie vor nicht or­dent­lich aus.[81] 

6. „Annäherung ist verboten“ : Der Umgang mit Kriegsgefangenen und aus dem Ausland heimkehrenden Deutschen

In ei­ner Fes­tungs­stadt wie Ko­blenz spiel­te der Um­gang mit Kriegs­ge­fan­ge­nen ei­ne be­son­de­re Rol­le, zu­mal die­se eben­falls dem Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps un­ter­stellt wa­ren. Be­reits am 13.8.1914 über­sand­te der In­nen­mi­nis­ter die „Be­stim­mun­gen über die Un­ter­brin­gung der Kriegs­ge­fan­ge­nen“ in Fes­tungs­wer­ken, auf Trup­pen­übungs­plät­zen so­wie Ar­til­le­rie­schie­ß­plät­zen.[82] Bei Fes­tun­gen sei­en es die Ka­se­mat­ten, die für die Un­ter­brin­gung ge­nutzt wer­den soll­ten. Noch dreh­te sich da­bei al­les um die Ge­stal­tung und Aus­stat­tung der Kriegs­ge­fan­ge­nen­un­ter­künf­te, den Raum­be­darf für Of­fi­zie­re und Mann­schaf­ten, die Be­leuch­tung, sa­ni­tä­re Ver­sor­gung und so wei­ter.[83] Doch es dau­er­te nicht lan­ge und Kom­fort spiel­te kei­ner­lei Rol­le mehr, statt­des­sen rück­ten er­war­tungs­ge­mäß die Si­cher­heits­fra­gen im­mer mehr in den Vor­der­grund. So teil­te das Kriegs­mi­nis­te­ri­um am 8.1.1915 dem Ober­prä­si­den­ten mit, den Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos sei „an­heim­ge­stellt wor­den, den Gen­dar­men wäh­rend des Krie­ges fol­gen­de Er­mäch­ti­gung zu er­tei­len: „Die Gen­dar­men sind be­fugt, auf Kriegs­ge­fan­ge­ne (Mi­li­tär- und Zi­vil-), die sich der Ge­fan­gen­schaft durch Flucht ent­zie­hen wol­len, nach ein­ma­li­gem vor­he­ri­gen An­ruf zu schie­ßen.‘“[84] Der Kom­man­die­ren­de Ge­ne­ral von Ko­blenz sah sich ver­an­lasst, in ei­ner Be­kannt­ma­chung am 21.10.1916 deut­lich schär­fe­re Vor­schrif­ten zu er­las­sen mit ei­ner stark er­wei­ter­ten De­fi­ni­ti­on des Be­griffs des Kriegs­ge­fan­ge­nen, der jetzt auch Zi­vil­per­so­nen aus­län­di­scher Her­kunft ein­schloss, so­wie stren­ge Auf­la­gen mach­te be­züg­lich des Kon­takts der Be­völ­ke­rung mit Ge­fan­ge­nen. Die­ser sei auf das für den Ar­beits­ein­satz Er­for­der­li­che zu be­schrän­ken. Es wur­de ein aus­drück­li­ches Ver­bot von Be­sor­gun­gen und Zu­wen­dun­gen al­ler Art aus­ge­spro­chen, ins­be­son­de­re sei „je­der ge­gen die gu­ten Sit­ten ver­sto­ßen­de Ver­kehr weib­li­cher Per­so­nen mit Kriegs­ge­fan­ge­nen strengs­tens ver­bo­ten“. Flucht­hil­fe war eben­so ver­bo­ten wie der Ver­kauf von al­ko­ho­li­schen Ge­trän­ken oder Knei­pen­be­su­che. Ei­ne stren­ge Kon­trol­le des Post­ver­kehrs von und an Kriegs­ge­fan­ge­ne wur­de an­ge­ord­net und ei­ne Haft­stra­fe von ei­nem Jahr bei Zu­wi­der­hand­lun­gen an­ge­droht.[85] 

Doch die ver­schärf­ten Be­stim­mun­gen lös­ten kei­nes­wegs über­all nur Zu­stim­mung aus. Ins­be­son­de­re die am 18.10.1916 er­las­se­ne Aus­wei­tung der Er­mäch­ti­gung zum Schuss­waf­fen­ge­brauch bei Flucht­ver­su­chen stieß auf Kri­tik. Der Re­gie­rungs­prä­si­dent von Ko­blenz hielt in­ter­es­san­ter­wei­se ei­ne Aus­deh­nung auf Po­li­zei­be­am­te ge­ne­rell „für un­rat­sam“. Zu­vor soll­ten „be­son­de­re Er­mitt­lun­gen und Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen wer­den“, um zu ge­währ­leis­ten, dass nur zu­ver­läs­si­ge Po­li­zei­be­am­te hier­zu er­mäch­tigt wür­den. „Da­ge­gen hal­te ich die Über­tra­gung der Schieß­be­fug­nis auf die zu Po­li­zei­be­am­ten be­stell­ten Forst­be­am­ten und Forstan­ge­stell­ten für un­be­denk­lich, da bei de­ren Aus­wahl und Aus­bil­dung, eben­so wie bei den Gen­dar­men doch die Si­cher­heit vor­liegt, dass Miss­bräu­che mög­lichst ver­mie­den wer­den.“[86] Ähn­lich äu­ßer­te sich auch der Trie­rer Re­gie­rungs­prä­si­dent am 12.11.1916: „Im Hin­blick auf die Zu­nah­me der Fäl­le von Kriegs­ge­fan­ge­nen-Ent­wei­chun­gen er­scheint es, um die Fest­nah­me der Ent­wi­che­nen mög­lichst zu si­chern, ge­bo­ten, die den Gen­dar­men über­tra­ge­ne Be­fug­nis zum Ge­brauch der Schuss­waf­fe ge­gen­über den Kriegs­ge­fan­ge­nen auch auf die Forst- und Ge­mein­de­po­li­zei­be­am­ten – auf letz­te­re je­doch nur so­weit sie als ge­nü­gend zu­ver­läs­sig an­zu­se­hen sind – aus­zu­deh­nen.“ Er füg­te des­halb auch gleich Lis­ten der ge­eig­ne­ten Per­so­nen bei, für die er ei­ne sol­che Er­mäch­ti­gung er­bat.[87] 

Im­mer­hin schei­nen die vor­han­de­nen Un­ter­brin­gungs­ka­pa­zi­tä­ten aus­rei­chend ge­plant ge­we­sen zu sein. Als am 30.8.1915 der Auf­trag an den Ober­prä­si­den­ten zur Er­mitt­lung ge­eig­ne­ter Bau­lich­kei­ten für kriegs­ge­fan­ge­ne Of­fi­zie­re er­ging, ver­bun­den mit der Bit­te um Mit­tei­lung wei­te­rer ge­plan­ter Maß­nah­men, konn­te die­ser am 20. Ok­to­ber für Ko­blenz wie auch Trier „Fehl­an­zei­ge“ mel­den.[88] 

Nicht nur die aus­län­di­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen wur­den mit Sor­ge und Miss­trau­en be­trach­tet. Ei­ne be­son­de­re Epi­so­de, die ein be­mer­kens­wer­tes Licht auf die Stim­mung und die Un­si­cher­hei­ten in den ers­ten Kriegs­wo­chen wirft, war das Pro­blem der Un­ter­brin­gung der aus frem­den Staa­ten aus­ge­wie­se­nen deut­schen Staats­bür­ger, die nun ins Reich zu­rück­kehr­ten. Aus­lö­ser war ein Te­le­gramm des In­nen­mi­nis­ters vom 1.11.1914 an den Ober­prä­si­den­ten: „In nächs­ter Zeit Rück­kehr deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger weib­li­cher Per­so­nen, Kna­ben, al­ter Män­ner aus Frank­reich nach Deutsch­land zu er­war­ten. Zahl un­be­stimmt. Viel­leicht ei­ni­ge Tau­sen­de. Trans­port über Schweiz nach Sin­gen und Stutt­gart. Für Preu­ßen Sam­mel­ort Frank­furt am Main, wo Po­li­zei­prä­si­di­um zu­stän­dig. Frei Ei­sen­bahn­fahrt ge­si­chert. Bit­te für al­le mit­tel­lo­sen Preu­ßen in Rhein­pro­vinz durch Land­rä­te Quar­tier vor­be­rei­ten nach Mus­ter mi­li­tä­ri­scher Ein­quar­tie­rung, gro­ße Städ­te und Haupt­in­dus­trie­ge­bie­te da­bei frei­las­sen. We­gen Ent­schä­di­gung wird Ent­ge­gen­kom­men der Ge­mein­den er­hofft. Für Fäl­le von Ent­schä­di­gung wird be­merkt, dass zum Bei­spiel in Bran­den­burg für Er­wach­se­ne täg­lich ei­ne Mark und für Kin­der un­ter vier­zehn Jah­re fünf­zig Pfen­ni­ge als Ein­heits­preis vom Staat in ähn­li­chen Fäl­len be­wil­ligt sind. Bit­te auch für Ver­pfle­gung und Trans­port durch Ver­ei­ne Sor­ge tra­gen. Er­lass folgt.“[89] 

Propagandakarte. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Noch am sel­ben Tag fand ei­ne Zu­sam­men­kunft der Land­rä­te der Krei­se Kreuz­nach, Ahr­wei­ler, St. Goar und Ko­blenz un­ter dem Vor­sitz des Re­gie­rungs­prä­si­den­ten von Ko­blenz statt, in der man sich ei­nig war, dass die Städ­te we­ni­ger be­rück­sich­tigt wer­den soll­ten, da sie durch die mi­li­tä­ri­schen Ein­quar­tie­run­gen be­reits hin­rei­chend be­las­tet sei­en und statt­des­sen ei­ne Un­ter­brin­gung in den länd­li­chen Ge­gen­den be­vor­zugt wer­de. Eben­falls hiel­ten al­le ei­ne Ent­schä­di­gungs­zah­lung ge­mäß den Sät­zen für Ein­quar­tie­run­gen (Er­wach­se­ne 1,40 Mark pro Tag) be­zie­hungs­wei­se ana­log der kürz­lich er­folg­ten Zah­lun­gen in Hes­sen-Nas­sau bei der Auf­nah­me der Met­zer Flücht­lin­ge (Er­wach­se­ne in den Ge­mein­den am Rhein 1,50 Mark, auf dem Land 1,35 Mark, Kin­der un­ter 14 Jah­ren 1,20 Mark) für un­ver­zicht­bar. Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen wur­den die Quo­ten für die ein­zel­nen Krei­se fest­ge­legt, wo­bei Ko­blenz-Land – nach Neu­wied mit 3.000 – mit 2.500 auf­zu­neh­men­den Flücht­lin­gen den grö­ß­ten An­teil hat­te. Hin­zu ka­men wei­te­re 1.000 für die Stadt Ko­blenz. Mei­sen­heim, Co­chem und Zell wie­sen die ge­rings­te Zahl auf mit je 500, der Rest soll­te zwi­schen 1.000 und 1.500 Per­so­nen auf­neh­men. Ins­ge­samt ging man von 15.500 un­ter­zu­brin­gen­den Flücht­lin­gen aus.[90] 

Am 28.11.1914 er­hielt der Ober­prä­si­dent den Be­richt des mit der Über­nah­me be­trau­ten Re­gie­rungs­ra­tes Braun aus Sin­gen, der den ak­tu­el­len Stand re­fe­rier­te. Dem­nach ver­lau­fe die Über­nah­me der deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen nur zö­ger­lich, es sei­en auch kei­ne ge­nau­en Zah­len be­kannt, da selbst in­ter­na­tio­na­le Ein­rich­tun­gen wie das Gen­fer Ko­mi­tee für Flücht­lings­fra­gen nur sehr un­ge­nü­gend von Frank­reich in­for­miert wür­den. Die ge­schil­der­ten „Miss­stän­de dürf­ten al­lein in der man­gel­haf­ten Or­ga­ni­sa­ti­on Frank­reichs be­ru­hen […]“. Tat­säch­lich sei­en die Zah­len der in den Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz zu über­füh­ren­den Per­so­nen weit­aus ge­rin­ger als bis­lang an­ge­nom­men, da der grö­ß­te Teil zu Ver­wand­ten und Fa­mi­li­en wei­ter­rei­sen wol­le. „An ‚Zi­el­lo­sen‘ bleibt da­her nur ein ge­rin­ger Bruch­teil üb­rig; ih­re Ge­samt­zahl stellt sich von Be­ginn der Trans­por­te bis ges­tern auf 101 Per­so­nen, da­von sind nur 83 auf den Be­zirk Co­blenz über­führt wor­den, die an­de­ren ha­ben an­der­wei­ti­ge Un­ter­kunft ge­fun­den. Von die­sen 83 sind über­führt wor­den: 19 nach Co­blenz-Stadt, 11 nach St. Goar, 9 nach Sim­mern, 10 nach May­en, 13 nach Ahr­wei­ler, 3 nach Co­chem, 10 nach Neu­wied.“ Nach die­sen Er­fah­run­gen „wird al­so ei­ne we­sent­li­che Be­las­tung des Re­gie­rungs­be­zirks Co­blenz aus­ge­schlos­sen sein“.[91] Auch am 3.12.1914 war die Zahl der un­ter­ge­brach­ten Per­so­nen im Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz nach ei­nem Schrei­ben des Re­gie­rungs­prä­si­den­ten an den Ober­prä­si­den­ten erst auf 122 Per­so­nen an­ge­wach­sen.[92] 

Die be­trof­fe­nen Ge­mein­den focht die ge­rin­ge Zahl nicht an. Am 29.12.1914 be­rich­te­te der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent dem Ober­prä­si­den­ten über den drin­gen­den Wunsch der Ge­mein­den, trotz der deut­lich ge­rin­ge­ren Zah­len der zu über­neh­men­den Per­so­nen die Hö­he der staat­li­chen Zu­wen­dun­gen für die Ge­mein­den un­an­ge­tas­tet zu las­sen, da die­se durch die Be­las­tun­gen des Trup­pen­auf­marschs hart ge­nug ge­trof­fen sei­en. Doch auch der Re­gie­rungs­prä­si­dent muss­te zu­ge­ben, dass vor­aus­sicht­lich die Zahl von 260 der im Re­gie­rungs­be­zirk un­ter­zu­brin­gen­den Per­so­nen wohl nicht über­schrit­ten wer­de.[93] Ei­ne Lis­te sämt­li­cher im Re­gie­rungs­be­zirk un­ter­ge­brach­ter Per­so­nen deut­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit, die in Frank­reich in­ter­niert wa­ren, nach Land­krei­sen ge­ord­net, wur­de am 12.2.1915 vom Re­gie­rungs­prä­si­den­ten dem Ober­prä­si­den­ten über­sandt und be­leg­te die deut­lich ge­rin­ge­ren Zah­len.[94] Auch fi­nan­zi­ell hat­te man sich ver­schätzt: Von den 3.000 Mark des zur Ver­fü­gung ge­stell­ten Fonds zur Ver­sor­gung die­ser Per­so­nen wa­ren le­dig­lich 309 Mark aus­ge­ge­ben wor­den, da­von wa­ren al­lein 200 Mark dem zu­stän­di­gen Re­gie­rungs­rat di­rekt aus­ge­hän­digt und nur 109 Mark un­mit­tel­bar an die Be­trof­fe­nen ge­zahlt wor­den.[95] 

Kindergarten des Vaterländischen Frauenvereins Koblenz, Privatbesitz. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

Auch wenn der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent noch­mals am 15.4.1915 in ei­nem Schrei­ben dar­auf hin­wies, dass die Ent­schä­di­gungs­sät­ze nur die Kos­ten für Un­ter­kunft und Ver­pfle­gung ab­deck­ten, nicht aber für Klei­dung, ärzt­li­che Be­hand­lung oder Schu­lung der Kin­der etc. und es bil­lig er­schei­ne, die Kos­ten auf Staats­mit­tel zu über­neh­men, be­ein­druck­te dies in Ber­lin nur we­nig.[96] Am 5.5.1915 wies der In­nen­mi­nis­ter un­ter Hin­weis auf die noch er­heb­li­chen ver­füg­ba­ren Mit­tel des Fonds je­de wei­te­re For­de­rung zu­rück und be­kräf­tig­te am 21. Mai, dass er die An­ge­le­gen­heit für er­le­digt hal­te.[97] Die noch im No­vem­ber 1914 er­war­te­ten Zah­len wur­den tat­säch­lich nie er­reicht. In ei­nem Be­richt vom 18.5.1917 hielt der In­nen­mi­nis­ter fest, dass sich bis Ja­nu­ar 1917 im ge­sam­ten Reich rund 6.500 Per­so­nen deut­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit, die aus dem Aus­land über­führt wor­den sei­en, in der Ob­hut des Ro­ten Kreu­zes be­fän­den und nicht in der La­ge sei­en, für ih­ren ei­ge­nen Un­ter­halt zu sor­gen. In der ge­sam­ten Rhein­pro­vinz selbst trä­fe dies auf 839 Er­wach­se­ne und 575 Kin­der zu.[98] In Ko­blenz hat­te man sich in die­ser Sa­che gründ­lich ver­schätzt.

Da­bei stand man den zu­rück­keh­ren­den Deut­schen zu­min­dest an­fangs recht miss­trau­isch ge­gen­über. Als ein nach jahr­zehn­te­lan­gem Auf­ent­halt in Brüs­sel nach Ko­blenz zu­rück­ge­kehr­ter Herr von Berg am 25.9.1914 sein In­si­der­wis­sen über Bel­gi­en dem Re­gie­rungs­prä­si­den­ten von Ko­blenz an­bot, frag­te die­ser vor­sich­tig beim deut­schen Ge­ne­ral­gou­ver­neur von Bel­gi­en nach, was da­von zu hal­ten sei. „Ew. Ex­cel­lenz, wer­den in­zwi­schen das Schrei­ben ei­nes Herrn v. Berg er­hal­ten ha­ben, wor­in er sei­ne gu­ten Diens­te für die deut­sche Ver­wal­tung in Bel­gi­en an­bie­tet. H.v.Berg, der 24 Jah­re als wohl­ha­ben­der Pri­vat­mann in Brüs­sel ge­wohnt hat, ist bei Aus­bruch des Krie­ges aus­ge­wie­sen wor­den und hat sich als frü­he­rer ak­ti­ver Of­fi­zier trotz sei­ner 58 Jah­re so­fort bei der Trup­pe ge­mel­det und ist auch ins Feld ge­rückt, wo er am Ge­fech­te teil­ge­nom­men hat. Da in­des­sen sein Ge­sund­heits­zu­stand den Feld­zugs­stra­pa­zen auf die Dau­er nicht ge­wach­sen war, wur­de er auf Ver­an­las­sung des Re­gi­ments­arz­tes zu­rück­ge­schickt und hat jetzt wie­der die Aus­bil­dung ei­ner Land­sturm­com­pa­nie über­nom­men. Er ist durch sei­nen lang­jäh­ri­gen Auf­ent­halt in Bel­gi­en mit den dor­ti­gen Ver­hält­nis­sen sehr ver­traut, steht mit Füh­rern der vlä­mi­schen Be­we­gung in en­ger Füh­lung und hat auch beim Cle­rus ein­fluss­rei­che Be­kann­te. Der Herr Reichs­kanz­ler hat ihn wäh­rend der An­we­sen­heit des Gro­ßen Haupt­quar­tiers hier zwei Mal zum Vor­trag be­foh­len und sei­nen Aus­füh­run­gen an­schei­nend gro­ßes In­ter­es­se ent­ge­gen­ge­bracht und ihm zu ver­ste­hen ge­ge­ben, daß man s.Z. auf sei­ne gu­ten Diens­te wohl rech­nen wür­de. V. Berg ist Ar­chäo­lo­ge und auf dem Ge­bie­te der Kunst sehr gut er­fah­ren. Ein­fü­gung v. Berg dürf­te da­her dem mit der Prü­fung, Samm­lung und Er­hal­tung der bel­gi­schen Kunst­tü­mer be­auf­trag­ten H. Geh. Reg. Rat v. Fal­ke ei­ne wert­vol­le Stüt­ze sein kön­nen. Da v. Berg auch ein sprach­ge­wand­ter Mann ist, so wür­de ich es be­grü­ßen, wenn Eu­er Ex­cel­lenz sei­nem An­er­bie­ten ei­ne wohl­wol­len­de Auf­merk­sam­keit der Prü­fung zu­wen­den wer­den.“ Die dan­kend ab­leh­nen­de Ant­wort er­folg­te prompt und un­miss­ver­ständ­lich.[99] So rich­tig ver­trau­en woll­te man die­sem Herrn an­schei­nend nicht.

7. „Maßnahmen sind getroffen“ - Die Organisation der Lebensmittelversorgung

Mit Kriegs­aus­bruch am 1.8.1914 wünsch­te sich der Ober­prä­si­dent ein Bild von den Preis­stei­ge­run­gen zu ma­chen.[100]  Noch am sel­ben Tag über­sand­te der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent die Be­rich­te sei­ner Land­rä­te zum The­ma Preis­ent­wick­lung. Dem­nach gab es in Ahr­wei­ler Preis­stei­ge­run­gen bei Salz und Kar­tof­feln, ge­eig­ne­te Maß­nah­men sei­en je­doch ein­ge­lei­tet. Adenau mel­de­te da­ge­gen „er­heb­li­che Preis­stei­ge­run­gen ein­zel­ner Le­bens­mit­tel sind in Adenau be­reits ein­ge­tre­ten, wei­te­re un­na­tür­li­che Preis­stei­ge­run­gen sind zu er­war­ten, zwangs­wei­se Fest­stel­lung der Prei­se ist drin­gend er­wünscht.“ Al­ten­kir­chen hat­te nur ge­rin­ge Preis­stei­ge­run­gen und wirk­te be­reits auf Händ­ler ein, auch Co­chem konn­te kei­ne auf­fal­len­den Preis­stei­ge­run­gen mel­den, hat­te aber die Bür­ger­meis­ter be­reits an­ge­wie­sen, dies ge­nau zu be­ob­ach­ten. In St. Goar wur­den in den Or­ten am Rhein Preis­stei­ge­run­gen fest­ge­stellt, „doch han­delt es sich nicht um be­son­ders be­mer­kens­wer­te Preis­trei­be­rei. Die Ge­schäfts­in­ha­ber sind ge­warnt, dem wei­te­ren Ge­bah­ren wird Be­ach­tung ge­schenkt.“ Kreuz­nach mel­de­te nur ge­rin­ge Preis­stei­ge­run­gen, die zu­dem wie­der im Rück­gang be­grif­fen sei­en, May­en no­tier­te klei­ne Preis­stei­ge­run­gen, „war­nen­de Be­kannt­ma­chung be­reits von mir er­las­sen“, zu­dem sei mit dem Vor­stand des kauf­män­ni­schen Ver­eins Ver­bin­dung auf­ge­nom­men wor­den. „Wer­de falls Not­stand ein­tre­ten wird, wei­te­re Maß­nah­men er­grei­fen.“ Neu­wied muss­te Preis­stei­ge­run­gen „in al­len Ort­schaf­ten“ fest­stel­len, „Maß­nah­men sind ge­trof­fen“. Sim­mern mel­de­te zwar Preis­stei­ge­run­gen in ei­ni­gen Be­rei­chen, „im Gan­zen je­doch nicht in er­heb­li­chem Ma­ße“. Zell konn­te kei­ne Preis­stei­ge­run­gen be­ob­ach­ten, Ko­blenz da­ge­gen schon in ver­schie­de­nen Ge­mein­den, vor al­lem bei Mehl und Salz ha­be es ei­nen „er­heb­li­chen Preis­auf­schla­g“ ge­ge­ben, der aber der­zeit wie­der zu­rück­ge­he. Den­noch: „Land­rat emp­fiehlt Zwangs­maß­nah­men.“[101] 

Auch die Wirt­schaft be­ton­te noch am sel­ben Tag ih­re va­ter­län­di­sche Ge­sin­nung hin­sicht­lich der Preis­ge­stal­tung. Ei­ne Be­kannt­ma­chung des „Co­blen­zer De­tail­lis­ten-Ver­ein. Ver­ein zur Wah­rung städ­ti­scher und ge­schäft­li­cher In­ter­es­sen. Ver­ein ka­tho­li­scher Kauf­leu­te“ ver­kün­de­te am 1.8.1914: Die Vor­stän­de der Ver­ei­ne „er­klä­ren ein­stim­mig es für ih­re selbst­ver­ständ­li­che Pflicht, auch ih­rer­seits dem Ernst der po­li­ti­schen La­ge in un­se­rem Va­ter­lan­de Rech­nung zu tra­gen und mit al­lem Nach­dru­cke auf ih­re Be­rufs­ge­nos­sen da­hin ein­zu­wir­ken, dass die Preis­fest­stel­lun­gen für die not­wen­di­gen Le­bens­mit­tel sich in an­ge­mes­se­nen Gren­zen hal­ten. […] Zu­gleich wen­den wir uns an das Pu­bli­kum mit der Bit­te, nicht durch über­mä­ßi­ge Käu­fe die vor­han­de­nen Wa­ren­be­stän­de vor­zei­tig zu er­schöp­fen, weil da­durch bei der Er­gän­zung der Vor­rä­te Preis­stei­ge­run­gen her­vor­ge­ru­fen wer­den.“[102] 

Viel ge­hol­fen hat­te es aber an­schei­nend nicht. So be­rich­te­te El­len van den Bergh am 1.8.1914 ih­rem Mann Hu­go von re­gel­rech­ten Hams­ter­käu­fen in der Stadt Ko­blenz: „Al­le Her­ren- und Mi­li­tär-Ge­schäf­te sind über­lau­fen, und auch die Le­bens­mit­tel­ge­schäf­te wer­den ge­stürmt. Dies letz­te­re ist to­tal blöd­sin­nig, da wir ja in kei­ner ge­schlos­se­nen Fes­tung le­ben, wo Hun­gers­not ent­ste­hen könn­te. Aber die Men­schen sind wie ver­rückt, und weil das in Straß­burg und Metz ge­schieht, da muss es auch hier sein! Heu­te er­schien schon ein Er­lass des Po­li­zei­chefs der Stadt, dass wenn die Le­bens­mit­tel­ge­schäf­te mit den Prei­sen nicht so­fort auf nor­ma­le Hö­he her­un­ter gin­gen, ei­ne amt­li­che Ta­xe ein­ge­führt wer­den wür­de nach der sie ver­kau­fen müss­ten.“[103] 

An­schei­nend hat­ten sich die Ver­hält­nis­se recht bald nor­ma­li­siert. So konn­te der Re­gie­rungs­prä­si­dent von Ko­blenz be­reits am 25.9.1914 dem Ober­prä­si­den­ten mit­tei­len, dass in sei­nem Zu­stän­dig­keits­be­reich bis­lang kei­ne Not­wen­dig­keit von Preis­fest­stel­lun­gen im Gro­ßhan­del her­vor­ge­tre­ten sei. Im Klein­han­del sei­en Höchst­prei­se fest­ge­setzt wor­den in den Krei­sen Adenau und Sim­mern für Kar­tof­feln, in der Stadt Wetz­lar für Kar­tof­feln, But­ter und Ei­er. „Von den Po­li­zei­ver­wal­tun­gen in Co­blenz und der Stadt Wetz­lar sind noch Po­li­zei­ver­ord­nun­gen be­tref­fend den Aus­hang der Le­bens­mit­tel­prei­se er­las­sen wor­den. Die­se Maß­nah­me ver­spricht in­so­fern Er­folg, als es der Bür­ger­schaft da­durch er­mög­licht wird, die Prei­se in den ein­zel­nen Ge­schäf­ten mit ein­an­der zu ver­glei­chen und ih­re Kund­schaft den bil­ligs­ten Be­zugs­quel­len zu­zu­wen­den.“[104] 

Tat­säch­lich lis­tet ei­ne „Vor­rats­fest­stel­lung des Kai­ser­li­chen Lie­fer­ver­ban­des für den Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz nach dem Stand von An­fang Ju­li 1914“ Land­kreis für Land­kreis die Be­stän­de an Vieh, Brot­ma­te­ri­al und Ge­trei­de auf, um in Re­la­ti­on zur Be­völ­ke­rungs­zahl den Stand der Ver­sor­gung er­mit­teln zu kön­nen. Die Stadt Ko­blenz mit ih­ren (Stand 1.12.1910) 56.487 „See­len“ ver­füg­te dem­nach (Stand 1.12.1913) über 376 Stück Rind­vieh, 356 Schwei­ne, 227 Ham­mel und 635 Pfer­de, von de­nen im Mo­bi­li­sie­rungs­fall 331 aus­ge­ho­ben wür­den, so dass 304 ver­blie­ben.[105] 

An­ders als in Trier  war im Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz die Fest­set­zung von Höchst­prei­sen für ei­ne deut­lich län­ge­re Zeit nicht er­for­der­lich. Erst am 19.10.1914 sah sich der Re­gie­rungs­prä­si­dent ge­zwun­gen, ei­ne Ver­fü­gung be­tref­fend den Höchst­preis für Kar­tof­feln zu er­las­sen: Sei­ne Er­mitt­lun­gen hät­ten er­ge­ben, dass auch in sei­nem Be­zirk die An­wen­dung des Ge­set­zes vom 4. Au­gust nicht län­ger zu um­ge­hen sei. „Wer­den an ein­zel­nen Stel­len Prei­se ge­for­dert, die mit dem güns­ti­gen, das Mit­tel­maß durch­weg über­schrei­ten­den Aus­fall der Ern­te und den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen nicht in Ein­klang zu brin­gen sind, so ge­ben an vie­len an­de­ren Or­ten die Land­wir­te trotz weit­ge­hen­der Geld­an­ge­bo­te die Kar­tof­feln über­haupt nicht we­der für den un­mit­tel­ba­ren Ver­kehr noch für den Han­del ab, son­dern kel­lern sie ein in der aus­ge­spro­che­nen Er­war­tung spä­ter und na­ment­lich im kom­men­den Früh­jahr hö­he­re Prei­se zu er­zie­len. Dies hat jetzt zu be­denk­li­chen wirt­schaft­li­chen Miss­stän­den und zu be­greif­li­cher Er­re­gung in al­len Schich­ten der Be­völ­ke­rung ge­führt.“ Un­ter Be­rück­sich­ti­gung al­ler Fak­to­ren hielt er ei­nen Preis von 3 Mark pro Zent­ner und 3 Pfen­nig für das Ein­zel­pfund bei Ent­nah­me vom Pro­du­zen­ten so­wie 3,30 Mark für den Zent­ner im Zwi­schen­han­del für „ge­recht­fer­tigt und aus­rei­chen­d“. Aus­nah­men sei­en für be­son­de­re ed­le Sor­ten auf An­trag mög­lich. Die Land­rä­te wur­den auf­ge­for­dert, nach bei­lie­gen­dem Mus­ter Be­kannt­ma­chun­gen vor­zu­neh­men und ihm nach zwei Wo­chen Be­richt über die Er­geb­nis­se zu er­stat­ten. Die­ses Mus­ter ent­hielt am Schluss aber auch ei­nen deut­li­chen Hin­weis auf die Vor­läu­fig­keit die­ser Re­ge­lung und die Mög­lich­keit der Ab­än­de­rung, wenn die Ver­hält­nis­se es er­for­der­ten oder zu­lie­ßen.[106] Am 28. Ok­to­ber er­gänz­te er die­se Ver­fü­gung um den Zu­satz, dass im Ein­zel­ver­kauf nicht mehr als 10 Pfen­ni­ge für das Pfund Kar­tof­feln ver­langt wer­den dürf­ten.[107] 

Das The­ma Kar­tof­fel­prei­se stand dann auch im Mit­tel­punkt ei­nes Spit­zen­ge­sprächs am 10.11.1914 in Köln. Un­ter dem Vor­sitz des Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz, Frei­herr von Rhein­ba­ben, und un­ter Mit­wir­kung des Ober­prä­si­den­ten von West­fa­len, Karl Prinz von Ra­ti­bor und Cor­vey (1860-1931, Ober­prä­si­dent 1911-1919), ka­men die Spit­zen der Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VII. und VIII. Ar­mee­korps mit den staat­li­chen und kom­mu­na­len Ver­wal­tungs­spit­zen der Rhein­pro­vinz[108] im Köl­ner Re­gie­rungs­prä­si­di­um zu ei­nem Ge­spräch zur Fest­le­gung der Höchst­prei­se für Kar­tof­feln zu­sam­men. Ein­füh­rend wies von Rhein­ba­ben auf die Not­wen­dig­keit ei­ner pro­vinz­über­grei­fen­den Lö­sung hin, da sonst ein Ab­wan­dern der Kar­tof­fel­pro­duk­ti­on in an­de­re Re­gio­nen zu be­fürch­ten sei. Be­reits jetzt hät­ten die re­gio­nal fest­ge­setz­ten Kar­tof­fel­prei­se den un­er­wünsch­ten Ne­ben­ef­fekt ge­zeigt, dass in der Rhein­pro­vinz Kar­tof­feln nur noch schwer zu er­wer­ben sei­en. Ber­lin ha­be bis­lang auf An­fra­gen hin­sicht­lich ei­ner reichs­wei­ten Fest­le­gung aus­wei­chend und zö­ger­lich ge­ant­wor­tet, auch wenn sich jetzt „Pri­vat­nach­rich­ten“ ver­brei­te­ten, die auf ei­nen Stim­mungs­um­schwung hin­deu­te­ten. Er selbst ha­be ge­gen ei­ne Fest­set­zung von Höchst­prei­sen stets Be­den­ken ge­äu­ßert, da die Ver­schie­den­heit der Ver­hält­nis­se in der Rhein­pro­vinz und in West­fa­len ei­ne Lö­sung er­schwe­re. „Es be­ste­he je­doch ein Miss­stand schwers­ter Art, da der klei­ne Mann jetzt 5 Mark und noch mehr für den Zent­ner Kar­tof­feln, al­so Prei­se zah­len müs­se, die als über­mä­ßig an­zu­se­hen sind.“ Ein mo­dera­ter Höchst­preis, der nicht zu nied­rig an­ge­setzt sei, kön­ne ei­nen spar­sa­men Ver­brauch be­güns­ti­gen, was durch­aus im ge­samt­wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se sei und ver­hin­dern, dass Kar­tof­feln nur noch in Ge­bie­ten oh­ne Höchst­prei­se zu er­wer­ben sei­en. Zu­dem müs­se be­dacht wer­den, dass in die­sem Jahr die Ern­te durch die Ein­be­ru­fun­gen und da­mit das Feh­len von Ar­beits­kräf­ten, aber auch durch die Aus­he­bung von Pfer­den und die au­ßer­or­dent­li­che Teue­rung bei den Fut­ter­mit­teln un­ter er­schwer­ten Be­din­gun­gen statt­ge­fun­den ha­be. In der an­schlie­ßen­den Ge­ne­ral­aus­spra­che gin­gen die Mei­nun­gen weit aus­ein­an­der. Die Ver­tre­ter der Ge­ne­ral­kom­man­dos plä­dier­ten für ei­ne reichs­wei­te Lö­sung, sprich Fest­le­gung des Höchst­prei­ses und lehn­ten re­gio­na­le Vor­ge­hens­wei­sen als nicht ziel­füh­rend ab. In den Stel­lung­nah­men der Ver­tre­ter der staat­li­chen und kom­mu­na­len Stel­len wur­de deut­lich, wel­che gro­ßen Un­ter­schie­de es in den Pro­vin­zen gab. Die Ver­tre­ter der eher länd­li­chen Re­gio­nen sa­hen kei­ne Not­wen­dig­keit, wäh­rend die städ­ti­schen Ver­tre­ter auf ra­sche Lö­sun­gen dräng­ten. Vor al­lem der Trie­rer Re­gie­rungs­prä­si­dent Baltz dräng­te zum Han­deln. Er „ist da­für, nicht ab­zu­war­ten. Es sei drin­gend er­for­der­lich, dass un­ver­züg­lich et­was ge­sche­he, und zwar sei die Re­ge­lung für das gan­ze Reich an­zu­stre­ben.“ Den­noch lehn­te auch er ei­ne Re­ge­lung nur für Rhein­land und West­fa­len als nicht aus­rei­chend ab.[109] Sein Ko­blen­zer Kol­le­ge Sche­ren­berg teil­te mit, „dass der Grund des Zu­rück­hal­tens der Land­wir­te mit den Kar­tof­feln in über­stürz­ten Käu­fen sei­tens der Mi­li­tär­ver­wal­tung zu er­bli­cken sei. Die Fest­set­zung von Höchst­prei­sen für den Klein­han­del sei wert­los, wenn nicht gleich­zei­tig die­sel­be Maß­nah­me für den Gro­ßhan­del im Be­rei­che der gan­zen Mon­ar­chie, wo­für er ein­tre­te, ge­trof­fen wer­de.“[110] Mit dem Vo­tum aus Ko­blenz war die Ge­ne­ral­aus­spra­che be­en­det. Von Rhein­ba­ben zeig­te sich we­nig über­rascht von der Un­ter­schied­lich­keit der Stand­punk­te. Ein­deu­tig sprach er sich ge­gen ein wei­te­res Ab­war­ten aus, da sich die Ver­hält­nis­se nach sei­ner Ein­schät­zung in ab­seh­ba­rer Zeit nicht än­dern wür­den. Er er­kann­te aber ei­ne deut­li­che Mehr­heit zu­guns­ten ei­ner reichs­wei­ten Re­ge­lung und sag­te mit Zu­stim­mung der Ver­samm­lung zu, in die­sem Sin­ne er­neut an Ber­lin her­an­zu­tre­ten. Die fol­gen­de De­bat­te über Hö­he und Dau­er der Preis­fest­set­zung ver­lief noch kon­tro­ver­ser. Am En­de konn­te man sich le­dig­lich dar­auf ei­ni­gen, die Hö­he des Kar­tof­fel­prei­ses durch die ört­li­chen In­stan­zen fest­le­gen zu las­sen. Hin­sicht­lich der Dau­er war noch we­ni­ger Ei­ni­gung zu er­zie­len, so dass in dem Be­richt an Ber­lin nur an­ge­deu­tet wer­den soll­te, dass ab 1.2.1915 ei­ne Preis­er­hö­hung mög­li­cher­wei­se nö­tig sei. Die Fra­ge der zwangs­wei­sen Durch­set­zung strich man da­nach lie­ber gleich von der Ta­ges­ord­nung.[111] Das Pro­to­koll die­ses Spit­zen­ge­sprächs be­legt nicht nur das Stre­ben nach ei­ner ein­heit­li­chen Li­nie, es zeigt zu­gleich, wie ge­ring die Er­folgs­aus­sich­ten da­für wa­ren an­ge­sichts der un­ein­heit­li­chen Sicht­wei­sen. Da ver­wun­dert es nicht, dass sei­tens der Ver­wal­tung so we­ni­ge Im­pul­se ka­men und statt­des­sen das Heft des Han­delns oft dem Mi­li­tär über­las­sen oder Wei­sung aus Ber­lin ab­ge­war­tet wur­de – es sei denn, man be­fand sich in un­mit­tel­ba­rer Nä­he zur Front und konn­te, wie der Trie­rer Re­gie­rungs­prä­si­dent es sah, ein­fach nicht war­ten, bis man sich an­dern­orts end­lich zum Han­deln durch­rang.

Doch kurz nach die­ser Sit­zung han­del­te Ber­lin be­züg­lich der Kar­tof­fel­prei­se. Im Nach­gang des am 23.11.1914 end­lich ver­ab­schie­de­ten Ge­set­zes zur Fest­set­zung von Höchst­prei­sen für Kar­tof­feln in­for­mier­te der Re­gie­rungs­prä­si­dent von Ko­blenz am 11.12.1914 die Land­rä­te über sei­ne Aus­le­gung des Ge­set­zes­tex­tes und bat um ent­spre­chen­de Ver­an­las­sung. Die Er­mes­sens­be­fug­nis er­streck­te sich dem­nach auf die Fest­set­zung der Prei­se zwi­schen Klein­händ­lern und Kon­su­men­ten so­wie zwi­schen Pro­du­zen­ten und Kon­su­men­ten bei Ver­käu­fen von we­ni­ger als ei­ner Ton­ne. Die Land­rä­te und Bür­ger­meis­ter der gro­ßen Städ­te des Be­zirks soll­ten nach ei­ge­nem Er­mes­sen die bis­he­ri­ge Höchst­preis­fest­set­zung „ein­fach auf­he­ben“ und durch ei­ne neue ge­mäß ih­ren neu­en Be­fug­nis­sen er­set­zen.LHA­KO Best. 403 Nr. 12312, S. 615-619.

Zu den bald in das Blick­feld kom­men­den Le­bens­mit­teln ge­hör­te auch Mehl. Am 13.11.1914 be­un­ru­hig­te die Hand­werks­kam­mer Ko­blenz, dass man es in „be­tei­lig­ten Krei­sen“ nicht für aus­ge­schlos­sen hiel­te, dass auch für Mehl Höchst­prei­se fest­ge­legt wer­den müss­ten und bat nach­drück­lich um vor­he­ri­ge „An­hö­rung der Sach­ver­stän­di­gen“, ehe ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ord­nung er­las­sen wür­de.[112] Um der dro­hen­den Ver­knap­pung ent­ge­gen zu wir­ken, for­der­ten öf­fent­li­che Aus­hän­ge am 14.12.1914: „Seid spar­sam mit den Weih­nachts­bä­cke­rei­en!“ Den Weih­nachts­ga­ben an die Sol­da­ten sei zwar auch in die­sem Jahr wie­der das „lieb ge­wor­de­ne Weih­nachts­ge­bä­ck“ als „Gruß aus der Hei­ma­t“ zahl­reich bei­ge­fügt wor­den, um­so mehr sei­en die Da­heim­ge­blie­be­nen in der, „Pflicht, sich selbst Be­schrän­kun­gen auf­zu­er­le­gen“, weil es sich da­bei um ei­ne „zwin­gen­de pa­trio­ti­sche Pflich­t“ han­de­le.[113] 

Ins­ge­samt je­doch konn­te die Ver­wal­tung mit ih­ren Maß­nah­men durch­aus zu­frie­den sein. Der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent konn­te in sei­nem Be­richt vom 22.12.1914 an das Mi­nis­te­ri­um für Han­del und Ge­wer­be, für Land­wirt­schaft und des In­ne­ren für sei­nen Be­zirk be­züg­lich der Be­kannt­ma­chung des Bun­des­ra­tes vom 28.10.1914 über den Um­gang mit Brot be­frie­digt fest­stel­len, dass „Zu­wi­der­hand­lun­gen ge­gen die Be­kannt­ma­chun­gen [es wa­ren wohl meh­re­re an dem Tag] des Bun­des­ra­tes von ei­ni­gen Aus­nah­men ab­ge­se­hen bis­her nicht fest­ge­stellt wor­den“ sei­en. Die in Fra­ge kom­men­den Be­trie­be sei­en „sehr drin­gen­d“ auf die Be­ach­tung hin­ge­wie­sen wor­den. Er gab aber zu be­den­ken, dass das Ver­füt­te­rungs­ver­bot in den klei­nen, weit von­ein­an­der ent­fernt lie­gen­den Ort­schaf­ten sei­nes Be­zirks „nur schwer zu über­wa­chen“ sei. „Doch wird es durch Be­leh­rung in den land­wirt­schaft­li­chen Lo­kal­ver­ei­nen und der Pfar­rer beim sonn­täg­li­chen Got­tes­dienst ge­lin­gen, es all­ge­mein zur Durch­füh­rung zu brin­gen.“ Es wer­de aber von ihm ge­for­dert, die zum mensch­li­chen Ver­zehr oh­ne­hin un­ge­eig­ne­te drit­te Sor­te Rog­gen­mehl zur Ver­füt­te­rung frei­zu­ge­ben. In ei­ni­gen Müh­len sei es nicht mög­lich, Wei­zen und Rog­gen in der ge­wünsch­ten Form aus­zu­mah­len, da die dor­ti­gen Müh­len le­dig­lich 65 Pro­zent Er­trag er­zie­len könn­ten und nicht die ge­for­der­ten 70 Pro­zent bei „sie­ben­ma­li­gem Auf­schüt­ten“. Um dies zu­tref­fend be­ur­tei­len zu kön­nen, be­nö­ti­ge er ei­nen Sach­ver­stän­di­gen. An sach­ver­stän­di­gen Prü­fern ha­be es aber auch bei den po­li­zei­li­chen Re­vi­sio­nen der Bä­cke­rei­be­trie­be ge­man­gelt, die Po­li­zis­ten ver­füg­ten je­den­falls nicht über die er­for­der­li­che Sach­kennt­nis. Nach Rück­spra­che mit der Ko­blen­zer Hand­werks­kam­mer wür­den nun von dort „sach­ver­stän­di­ge Bä­cker“ den ein­zel­nen Land­rä­ten be­nannt, die ge­mein­sam mit den Po­li­zei­be­am­ten die Re­vi­sio­nen durch­füh­ren wür­den. Schlie­ß­lich sei aus ei­ni­gen Krei­sen die Aus­kunft er­teilt wor­den, dass es an Kar­tof­fel­mehl als Er­satz für Rog­gen­mehl man­ge­le, weil kei­ne Be­zugs­quel­le für Kar­tof­fel­mehl be­kannt sei oder der Preis noch über dem von Rog­gen­mehl ge­le­gen ha­be. Er ha­be nun­mehr zwei zu­ver­läs­si­ge und güns­ti­ge Quel­len in Ko­blenz und Ber­lin nen­nen kön­nen. „Die Kla­gen wer­den da­her in kur­zer Zeit ver­stum­men.“ Aus­drück­lich lob­te er in die­sem Zu­sam­men­hang auch die kur­ze In­halts­an­ga­be der Be­schlüs­se des Bun­des­ra­tes durch die adres­sier­ten Mi­nis­te­ri­en, die er „für so glück­lich ge­fasst und dem all­ge­mei­nen Ver­ständ­nis na­he­ge­brach­t  [hielt], dass ich sie in ei­nem be­son­de­ren Ein­zel­merk­blatt dru­cken las­se und sämt­li­chen Bä­cker und Gast- und Schank­wir­ten des Be­zirks zu­ge­hen las­sen wer­de.“ Er schloss mit: „Ich hof­fe, dass es mei­nen Be­mü­hun­gen ge­lin­gen wird, die ge­wis­sen­haf­tes­te Durch­füh­rung der Bun­des­rats­ver­ord­nun­gen zu er­rei­chen.“[114] 

Dem­ge­gen­über be­klag­te der Trie­rer Re­gie­rungs­prä­si­dent in sei­nem Schrei­ben an den Mi­nis­ter für Land­wirt­schaft, Do­mä­nen und Fors­ten vom 23.1.1915, dass zwar Maß­nah­men er­grif­fen wor­den sei­en zur Un­ter­bin­dung der Ver­füt­te­rung von Brot­ge­trei­de an Nutz­tie­re, nicht aber das Schro­ten von Rog­gen zum Zwe­cke des Schnaps­bren­nens, „ei­nem zwei­fel­los in jet­zi­ger Zeit völ­lig ent­behr­li­chen Ge­nuss­mit­tel“. „Ei­ne der­ar­ti­ge Ver­wen­dung kann nur als höchst un­er­wünscht be­zeich­net wer­den.“ Er ver­wies auf mo­ra­li­sche Em­pö­rung in der Be­völ­ke­rung und die Not­wen­dig­keit, dass die Be­völ­ke­rung von der „Ge­rech­tig­keit“ der be­hörd­li­chen Maß­nah­men über­zeugt wer­den müs­se, wenn die­se Er­folg ha­ben soll­ten. Er ha­be da­her die Po­li­zei­be­hör­den be­reits an­ge­wie­sen, das Ver­bren­nen von Rog­gen zu Schnaps zu un­ter­bin­den. „Ich ver­heh­le mir aber nicht, dass die Zu­läs­sig­keit die­ser An­ord­nung in recht­li­cher Hin­sicht zwei­fel­haft sein kann.“ Er bat da­her um nach­träg­li­che Ge­neh­mi­gung durch ent­spre­chen­de An­ord­nung des Mi­nis­ters.[115] 

Die Quel­len ver­mit­teln ins­ge­samt den Ein­druck, als sei die Ver­sor­gungs­la­ge in Ko­blenz ent­spann­ter und bes­ser als in Trier ge­we­sen und die Zwangs­maß­nah­men, wie sie Trier schon früh an­ord­ne­te, hier we­ni­ger nö­tig ge­we­sen.[116] Wo­her ka­men die­se Un­ter­schie­de zwi­schen den Re­gie­rungs­be­zir­ken Ko­blenz und Trier? Wa­ren Bau­ern der Ko­blen­zer Ge­gend tat­säch­lich et­wa we­ni­ger „schwer­fäl­li­g“ als die der Ei­fel, über die der Trie­rer Re­gie­rungs­prä­si­dent so häu­fig klag­te? Oder war es die mi­li­tä­ri­sche zen­tral­ört­li­che Funk­ti­on, die Ko­blenz in Ver­sor­gungs­fra­gen be­güns­tig­te?

Schulfrühstück in der Kriegsküche am Koblenzer Florinsmarkt 1917. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Nach An­sicht des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps war aber die Ver­wer­tung von Kü­chen­ab­fäl­len den­noch nicht oder nur un­zu­rei­chend ge­re­gelt, wes­halb man den Ober­prä­si­den­ten am 16.2.1915 an­wies, ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ord­nung an al­le Re­gie­rungs­prä­si­den­ten der Pro­vinz wei­ter­zu­lei­ten, da­mit nicht wei­ter­hin gro­ße Men­gen von Ab­fäl­len ver­lo­ren gin­gen, „die zur Füt­te­rung an Vieh die nütz­lichs­te Ver­wen­dung fin­den könn­ten. Es scheint des­halb ge­bo­ten, die Auf­be­wah­rung der zur Ver­füt­te­rung ge­eig­ne­ten Über­res­te für den ge­sam­ten Korps­be­reich ein­heit­lich zu re­geln und nö­ti­gen Fal­les auch zwangs­wei­se durch­zu­set­zen.“ In neun Pa­ra­gra­phen wur­de der kor­rek­te Um­gang mit Kü­chen­ab­fäl­len von der De­fi­ni­ti­on, was da­zu zu zäh­len ist, über die Müll­tren­nung bis hin zu or­ga­ni­sa­to­ri­schen Zu­stän­dig­kei­ten mi­nu­ti­ös fest­ge­hal­ten.[123] 

Gro­ßes Ge­wicht maß man auch der Auf­klä­rung und Schu­lung der Be­völ­ke­rung bei. Die Hand­werks­kam­mer Ko­blenz be­rich­te­te am 3.2.1915 über die er­folg­rei­che An­wer­bung ei­nes Fach­man­nes, der be­reits mit zahl­rei­chen Pu­bli­ka­tio­nen zur bes­se­ren Ver­wer­tung von Nah­rungs­mit­teln her­vor­ge­tre­ten sei und der nun nicht nur der Hand­werks­kam­mer selbst be­ra­tend zur Ver­fü­gung ste­he, son­dern auch für ent­spre­chen­de In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen für die Öf­fent­lich­keit ein­ge­setzt wer­den kön­ne.[124] Zahl­lo­se Bro­schü­ren zum The­ma spar­sa­mes Haus­hal­ten, Kriegs­kü­che usw. wur­den ge­druckt: Der „Fer­ti­ge Kriegs­kü­chen­zet­tel für den ein­fa­chen Haus­hal­t“ ent­hielt vie­le Re­zep­te und ei­ne Be­die­nungs­an­lei­tung zum Ko­chen mit der Koch­kis­te, ei­ne Lis­te der „10 Kriegs­ge­bo­te“ wie „1. Iss nicht mehr als nö­tig. Ver­mei­de über­flüs­si­ge Zwi­schen­mahl­zei­ten“ oder „3. Spa­re an But­ter und Fet­ten“ oder „6.Ko­che Kar­tof­fel nur mit der Scha­le“ oder „7. Min­de­re Dei­nen Be­darf an Bier und an­de­ren al­ko­ho­li­schen Ge­trän­ken“ wur­den an al­le Haus­hal­te ver­teilt. Denn: „Be­ach­te bei al­len die­sen Ge­bo­ten, dass Du für das Va­ter­land sparst!“[125] 

Propagandazeichnung zur Nahrungsmittelverknappung 1915, Privatbesitz. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

Wie viel be­deut­sa­mer das Mi­li­tär und des­sen Re­gu­lie­rungs­kraft in Ko­blenz war, zeigt auch die per Ge­setz am 6.12.1916 in Ko­blenz er­folg­te Ein­rich­tung ei­ner von drei Krieg­s­amts­stel­len der Rhein­pro­vinz.[126] Ein Schrei­ben des In­nen­mi­nis­ters vom 25.11.1916 hat­te zu­vor de­fi­niert, was der Dienst be­inhal­te­te: „Als sol­cher Dienst dient au­ßer dem Dienst bei Be­hör­den und be­hörd­li­chen Ein­rich­tun­gen ins­be­son­de­re die Ar­beit in der Kriegs­in­dus­trie, in der Land­wirt­schaft, in der Kran­ken­pfle­ge und in den kriegs­wirt­schaft­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen je­der Art so­wie in sons­ti­gen Be­trie­ben, die für Zwe­cke der Kriegs­füh­rung oder Volks­ver­sor­gung un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar von Be­deu­tung sind.“ Man schloss mit der Auf­for­de­rung an die Kom­mu­nen, sich ent­spre­chend vor­zu­be­rei­ten und mit der Aus­wahl ge­eig­ne­ter Per­so­nen zu be­gin­nen. Am 16. De­zem­ber er­folg­te die of­fi­zi­el­le Ein­rich­tung der Krieg­s­amts­stel­le, und zwar beim Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps, nicht et­wa beim Ober­prä­si­den­ten oder ei­ner an­de­ren staat­li­chen Stel­le. Als Auf­ga­ben die­ser Stel­le wur­den be­nannt: „A. Be­schaf­fung und Ver­wen­dung der Ar­beits­kräf­te für die im kriegs­wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se tä­ti­gen öf­fent­li­chen und pri­va­ten Be­trie­be, au­ßer­dem Frau­en, Ge­fan­ge­ne und an­de­re Aus­län­der, Hilfs­dienst­pflich­ti­ge, Kriegs­be­schä­dig­te und Wehr­pflich­ti­ge. B. Über­wa­chung und För­de­rung der ge­sam­ten kriegs­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­te des Korps­be­zir­kes. C. Mit­wir­kung bei Fra­gen der Volks­er­näh­rung für die kriegs­wirt­schaft­lich tä­ti­ge Be­völ­ke­rung. D. Über­wa­chung der Zu­füh­rung der Roh­stof­fe für die Kriegs­wirt­schaft. E. Ein- und Aus­fuhr­fra­gen. F. Markt­er­for­schun­gen.“ Der Oberst z. V. Heint­zmann wur­de zum Vor­stand er­nannt.[127] Als Mit­glie­der der Aus­he­bungs­aus­schüs­se wur­den am 20.1.1917 für Ko­blenz als Vor­sit­zen­der zu­nächst der stell­ver­tre­ten­de Land­rat Kurt von Let­tow-Vor­beck (1879-1960) be­ru­fen, am 3.8.1918 mit Wir­kung ab dem 1. Au­gust hand­schrift­lich kor­ri­giert auf den Land­rat Franz Bar­ton gen. von Sted­mann (1848-1938); für An­der­nach wur­den der Land­rat Dr. Pe­ter Pe­ters (1876-1922) in May­en, für Neu­wied der Land­rat Dr. Kurt von El­be (1871-1957), für Kreuz­nach der Land­rat Er­win von Nas­se (1869-1920) be­nannt.[128] 

Frauen beim Packen von Verbandpäckchen im Auftrag des Vaterländischen Frauenvereins Koblenz. (Stadtarchiv Koblenz)

 

So­weit die Theo­rie. In der Pra­xis folg­ten stän­di­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Be­hör­den und Be­trie­ben, ob nun die Ar­bei­ter kriegs­wich­tig sei­en oder nicht, wel­che Sank­tio­nen bei Ver­wei­ge­rung vor­ge­se­hen sei­en bis hin zur „Schaf­fung ei­ner recht­li­chen Grund­la­ge zur Er­zwin­gung ge­gen­sei­ti­ger Hül­fe­leis­tun­g“, wie es der Ober­prä­si­dent im Schrei­ben vom 6.3.1917 an die Re­gie­rungs­prä­si­den­ten an­kün­dig­te. Im Ju­ni 1917 wur­den Aus­schüs­se zur Fest­stel­lung, Ein­be­ru­fung und Schlich­tung ein­ge­rich­tet, die für ein ein­heit­li­ches und ge­re­gel­tes Vor­ge­hen sor­gen und Streit­fäl­le ver­mei­den be­zie­hungs­wei­se lö­sen soll­ten.[129] 

Das „Liebesgaben-Auto“ des Vaterländischen Frauenvereins Koblenz, Privatbesitz. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

Im Früh­jahr 1917 wur­de in Ko­blenz der wach­sen­den Be­deu­tung der Frau­en in der Kriegs­wirt­schaft or­ga­ni­sa­to­risch Rech­nung ge­tra­gen. Am 10.4.1917 in­for­mier­te der Lei­ter der Krieg­s­amts­stel­le den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten, dass in­fol­ge der star­ken Ver­meh­rung von weib­li­chen Ar­beits­kräf­ten die Kriegs­wirt­schaft nun­mehr ein Re­fe­rat Frau­en bei der Krieg­s­amts­stel­le Ko­blenz ein­ge­rich­tet wor­den sei, das sich dem „Pro­blem der Frau­en“ wid­men wer­de. Die Auf­ga­be „be­ste­he dar­in, die Frau­en prak­tisch der­art in die deut­sche Ar­beit ein­zu­glie­dern, dass ih­re Ge­sund­heit und Sitt­lich­keit, so­wie die Er­zie­hung der Kin­der nicht lei­det, die Not von ih­rer Fa­mi­lie fern­ge­hal­ten wird und zu­gleich al­le ent­behr­li­chen Män­ner­kräf­te für die Front und die schwers­te Ar­beit frei ge­macht wer­den.“ Un­ter­schie­den wur­de or­ga­ni­sa­to­risch in Frau­en­ar­beits­ne­ben­stel­len, die mit der Durch­füh­rung der ge­plan­ten Maß­nah­men be­auf­tragt wur­den, und den ko­or­di­nie­ren­den an­wei­sen­den Frau­en­ar­beits­haupt­stel­len, die bei den Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos an­ge­sie­delt wa­ren. Kon­kret wur­de be­stimmt, „dass den Re­fe­ra­ten Frau­en nun­mehr die Prü­fung der all­ge­mei­nen Ar­bei­te­rin­nen­fra­gen, der Lohn- und Ar­beits­be­din­gun­gen, ih­re mög­lichst ra­tio­nel­le Ver­wen­dung in der Pro­duk­ti­on, der Fra­ge des best­mög­li­chen Aus­gleichs von An­ge­bot und Nach­fra­ge etc. und al­le dies­be­züg­li­chen Maß­nah­men ob­lie­gen, wäh­rend die Frau­en­ar­beits­haupt­stel­len das Ge­biet der rei­nen Für­sor­ge, vor al­lem die Sor­ge für das per­sön­li­che Wohl­be­fin­den der Ar­bei­te­rin­nen und ih­rer Fa­mi­li­en [sic!] um­spannt.“ „Das bei der Krieg­s­amts­stel­le Co­blenz er­rich­te­te Re­fe­rat Frau­en und die Frau­en­ar­beits­haupt­stel­le um­fas­sen den ge­sam­ten ört­li­chen Be­reich des VIII. Ar­mee­korps. Die Re­fe­ren­tin ist Fräu­lein Dr. jur. von Langsdorff.“ Das Re­fe­rat wer­de sich be­mü­hen, „durch ste­te Füh­lung­nah­me und Ver­stän­di­gung die Be­zie­hun­gen zwi­schen der Krieg­s­amts­stel­le und den Ci­vil­be­hör­den mög­lichst in­nig zu ge­stal­ten […]“.  Am 26. April folg­te die Über­sen­dung ei­nes am­bi­tio­nier­ten Ar­beits­plans, des­sen Ziel es war, „dass al­le Ar­beits­hemm­nis­se für die Frau­en nach Mög­lich­keit hin­weg­ge­räumt wer­den.“ Das Auf­ga­ben­spek­trum reich­te von der Markt­be­ob­ach­tung hin­sicht­lich An­ge­bot und Nach­fra­ge von Frau­en­ar­beit, über den Ge­sund­heits­schutz, die Ver­bes­se­rung der Be­för­de­rungs­mög­lich­kei­ten bis hin zur Schaf­fung ge­eig­ne­ter Für­sor­ge­maß­nah­men, wie zum Bei­spiel die Ver­bes­se­rung der Or­ga­ni­sa­ti­on der Nah­rungs­mit­tel­be­schaf­fung, die Be­reit­stel­lung von Er­ho­lungs­räu­men oder die Ver­bes­se­rung der Un­ter­brin­gung von Kin­dern.[130] 

Sitzung des Vorstands des Vaterländischen Frauenvereins Koblenz unter dem Vorsitz von Freifrau von Rheinbaben, Privatbesitz. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

Doch al­le Maß­nah­men der Krieg­s­amts­stel­le konn­ten die im Lau­fe des Krie­ges im­mer stär­ker auf­tre­ten­den Ver­sor­gungs­eng­päs­se nicht ver­hin­dern. Auch in der Stadt Ko­blenz herrsch­ten bald Hun­ger und Not. Im Ja­nu­ar 1915 wur­de die ers­te Volks­kü­che er­öff­net, ab Som­mer 1916 muss­ten die wich­tigs­ten Le­bens­mit­tel durch Be­zugs­schei­ne ra­tio­niert wer­den. Vor al­lem der als so­ge­nann­ter „Steck­rü­ben­win­ter“ be­kannt ge­wor­de­ne Win­ter 1917/1918 traf die Be­völ­ke­rung hart.[131] 

Auch phy­sisch kam der Krieg der Stadt nä­her. Ab Herbst 1916 war die Ko­blen­zer Zi­vil­be­völ­ke­rung un­mit­tel­bar von Kampf­hand­lun­gen be­droht.

Schneiderei des Vaterländischen Frauenvereins Koblenz, Privatbesitz. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

9. „…als gäbe es keine feindlichen Flieger“ : Luftangriffe und Fliegerabwehr in Koblenz

An­ders als in Trier hielt man in Ko­blenz den Schutz vor feind­li­chen Flie­gern lan­ge Zeit nicht für er­for­der­lich[132] – trotz der Ma­schi­nen­ge­weh­re, die man auf dem Dach des Ko­blen­zer Schlos­ses in­stal­liert hat­te, als der Kai­ser im Au­gust 1914 dort re­si­dier­te.[133] Ein deut­li­cher Be­leg da­für ist, dass es das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps noch am 13.7.1915 nicht für er­for­der­lich hielt, die Be­kannt­ma­chung des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des XVIII. Ar­mee­korps vom 21.6.1915 über die rich­ti­gen Ver­hal­tens­maß­nah­men bei Flie­ger­an­grif­fen[134] in sei­nem Korps­be­zirk zu ver­brei­ten und statt­des­sen den Zei­tun­gen ei­ne Ver­öf­fent­li­chung an­heim­stell­te. Im­mer­hin be­für­wor­te­te der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent am 9.9.1915 ei­ne Ver­schär­fung der Warn­maß­nah­men für Fa­bri­ken und In­dus­trie­ein­rich­tun­gen we­gen der Häu­fung von Flie­ger­an­grif­fen. Lau­te­re Si­gnal­tö­ne, kla­re Ver­hal­tens­re­geln im Alarm­fall und ge­le­gent­li­che Pro­ben soll­ten aber aus­rei­chen.[135] 

Doch schon am 11.9.1915 war man zum Um­den­ken ge­zwun­gen. Die Kom­man­dan­tur von Ko­blenz über­sand­te Re­gie­rungs­prä­si­dent Sche­ren­berg ei­ne Po­li­zei­ver­ord­nung zur Flie­ger­ab­wehr als Bei­spiel mit Bit­te um Er­lass ei­ner sol­chen, „da ein Flie­ger­an­griff auf Co­blenz und Um­ge­bung durch­aus in den Be­reich der Mög­lich­keit fällt […]“. Die Ver­öf­fent­li­chung er­folg­te prompt am 13.9.1915 und be­stimm­te: Kein Auf­ent­halt im Frei­en bei Flie­ger­alarm, son­dern so­for­ti­ger Rück­zug in die Häu­ser, auch sol­le sich nie­mand an Fens­tern, Tü­ren, Bal­ko­nen oder Dä­chern zei­gen, Haus­tü­ren sol­len un­ver­schlos­sen blei­ben, um an­de­ren bei An­griff die Mög­lich­keit zur Flucht ins Haus zu er­lau­ben, Fuhr­wer­ke müs­sen die Stra­ße ver­las­sen und un­ter Tor­bö­gen Schutz su­chen, Stra­ßen­bah­nen ha­ben an­zu­hal­ten, ih­re Fahr­gäs­te und Per­so­nal die nächst­ge­le­ge­nen Häu­ser auf­zu­su­chen, Bom­ben oder Ge­schoss­split­ter dür­fen nicht von Zi­vil­per­so­nen an­ge­fasst wer­den, ei­ne Geld­stra­fe bei Zu­wi­der­hand­lung wur­de an­ge­droht. „Trotz recht­li­cher und sach­li­cher Be­den­ken“ er­teil­te auch der Be­zirks­aus­schuss am 7.10.1915 nach­träg­lich sei­ne Zu­stim­mung zur Po­li­zei­ver­ord­nung.[136] 

Zwar lehn­te der Mi­nis­ter des In­ne­ren es am 28.9.1915 ab, die An­schaf­fung von zwei Si­re­nen für den Po­li­zei­be­zirk Ko­blenz auf Staats­kos­ten zu über­neh­men, da die Aus­ga­be „zu den mit­tel­ba­ren Po­li­zei­kos­ten“ zu rech­nen sei. Aber die An­schaf­fung er­folg­te den­noch, und zwar aus städ­ti­schen Mit­teln. Ei­nen ers­ten Pro­be­alarm gab es am 29.11.1915. Mit Schrei­ben vom 7.12.1915 teil­te der Re­gie­rungs­prä­si­dent dem Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps zu­frie­den mit, dass nach sei­ner Auf­fas­sung al­le er­for­der­li­chen Maß­nah­men zum Schutz der Be­völ­ke­rung bei Flie­ger­an­grif­fen ge­trof­fen sei­en.[137] 

Grö­ßer als die Angst vor feind­li­chen Flie­gern schien zu die­sem Zeit­punkt die Sor­ge vor feind­li­chen Spio­nen zu sein. Das zeigt die nach­drück­li­che Er­mah­nung vom 17.9.1915, dass bei Lan­dun­gen von Flie­gern un­ver­züg­lich das nächs­te Gar­ni­sons­kom­man­do zu ver­stän­di­gen sei, auch wenn es sich nach­weis­lich um deut­sche Flie­ger han­de­le. Feind­li­che Flie­ger müss­ten bis zum Ein­tref­fen ei­nes mi­li­tä­ri­schen Kom­man­dos un­ter „schärfs­te Be­wa­chun­g“ ge­stellt wer­den. Auch der Mi­nis­ter des In­ne­ren er­in­ner­te am 1.11.1915 an­läss­lich ei­nes kon­kre­ten Fal­les dar­an, dass An­fra­gen aus dem Aus­land oder von aus­län­di­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen mit Fra­gen zu Ein­rich­tun­gen zur Ab­wehr von Flie­ger­an­grif­fen un­ter das Ge­heim­hal­tungs­ge­bot fie­len, und ver­pflich­te­te al­le Re­gie­rungs­prä­si­den­ten und Po­li­zei­be­hör­den, sol­che An­fra­gen un­ver­züg­lich Ber­lin zu mel­den.[138] 

Ein be­son­ders ku­rio­ser Fall der Lan­dung feind­li­cher Flie­ger er­eig­ne­te sich im letz­ten Kriegs­som­mer auf dem Huns­rück und er­reg­te so­gar die Auf­merk­sam­keit des Kai­sers. Am 21.7.1918 er­reich­te ein Te­le­gramm aus Düs­sel­dorf das Ober­prä­si­di­um: „Sei­ne Ma­jes­tät der Kai­ser und Kö­nig ha­ben aus der Ta­ges­pres­se die Mel­dung des El­ber­fel­der Ge­ne­ral­an­zei­gers von der Ge­fan­gen­nah­me der bei­den In­sas­sen des fran­zö­si­schen Dop­pel­de­ckers im Huns­rück­dor­fe Schwar­zen durch den 16 jäh­ri­gen Gym­na­si­as­ten Ger­lach er­se­hen und wün­schen durch mich nä­he­ren Be­richt über die mu­ti­ge Tat. Er­bit­te hier­über nä­he­re Mit­tei­lung. Re­gie­rungs­prä­si­dent.“ Rasch trug man die In­for­ma­tio­nen zu­sam­men und stütz­te sich vor al­lem auf den Be­richt aus Kirch­berg vom dor­ti­gen Bür­ger­meis­ter vom 14.7.1918, der eben­so de­tail­liert wie preu­ßisch kor­rekt Aus­kunft gab: „Ge­gen 10 Uhr abends be­merk­ten die Be­woh­ner von Schwar­zen das Nie­der­ge­hen ei­nes Flug­zeu­ges in un­mit­tel­ba­rer Nä­he des Or­tes im Fel­de, rechts der Stra­ße nach Wür­rich. Als ers­ter eil­te der im land­wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se be­fris­tet vom Hee­res­dienst ent­las­se­ne Land­wirt Ju­li­us Bonn von Schwar­zen auf das Flug­zeug zu und rief den bei­den In­sas­sen, wel­che dem Flug­zeug in­zwi­schen ent­stie­gen wa­ren, ein „Hän­de hoch“ ent­ge­gen. Bonn re­de­te wei­ter auf die bei­den Flie­ger, die er als frem­de Of­fi­zie­re er­kann­te, ein. Letz­te­re ver­stan­den of­fen­sicht­lich aber nicht und bo­ten dem Bonn ei­ne Zi­ga­ret­te an. Nun ka­men wei­ter die Gym­na­si­as­ten Wil­li Ger­lach und Al­fred Mi­chel aus El­ber­feld, Jo­han­ni­stra­ße 2, zu der Grup­pe. Die Gym­na­si­as­ten sind z.Zt. als Jung­man­nen zur Ern­tear­beit nach Schwar­zen kom­man­diert. Sie spra­chen die Flie­ger fran­zö­sisch an, Letz­te­re ver­stan­den nun, ga­ben sich als die ame­ri­ka­ni­schen Of­fi­zie­re Do­nald und Strong be­kannt und lie­ßen ver­lau­ten, ge­lan­det zu sein in der Mei­nung, sich auf fran­zö­si­schem Bo­den zu be­fin­den. Die Gym­na­si­as­ten be­lehr­ten die bei­den Of­fi­zie­re dar­über, dass sie auf deut­schem Bo­den und nun­mehr Ge­fan­ge­ne sei­en. Wei­ter kam nun der Land­wirt Ot­to Rech von Schwar­zen hin­zu, seit Kriegs­aus­bruch zum Hee­re ein­be­ru­fen, zur Zeit Ser­geant der Flack-Bat­te­rie 88 und in Schwar­zen auf Ur­laub. Rech ord­ne­te Be­wa­chung des Flug­zeu­ges an. Wach­dienst über­nah­men für die ers­te Nacht und am fol­gen­den Mor­gen der be­reits ge­nann­te Gym­na­si­ast Mi­chel, der Land­wirt Ot­to Mohr, die Kriegs­in­va­li­den Land­wir­te Ot­to Ham­men, Gus­tav Ro­den­bisch und Au­gust Strö­her, al­le in Schwar­zen wohn­haft. Wei­ter er­stat­te­te Rech die te­le­pho­ni­sche Mel­dung nach Kirch­berg und es wur­den nun­mehr die bei­den Of­fi­zie­re un­ter sei­ner Füh­rung un­ter Zu­zie­hung der be­reits ge­nann­ten pp. Bonn und Ger­lach so­wie des Sa­ni­täts­ko­lon­nen­füh­rers Weck­mann aus Es­sen (Ruhr), der sich z.Zt. in Schwar­zen auf Ur­laub be­fin­det, hier­her ge­bracht.“

Dem Land­rat hat­te der Bür­ger­meis­ter von Kirch­berg da­zu am 14. Ju­li zu­dem über sei­ne ei­ge­nen Maß­nah­men eben­falls Re­chen­schaft ge­ge­ben: Ihm sei noch am Abend des 10. Ju­li durch Fern­spre­cher ge­mel­det wor­den, dass in Schwar­zen ein Flug­zeug ge­lan­det und die bei­den In­sas­sen fest­ge­nom­men wor­den sei­en. „Ich ord­ne­te an, dass die Letz­te­ren un­ter si­che­rer Be­de­ckung hier­her zu trans­por­tie­ren sei­en, dass zu­vor aber al­le Kar­ten, Pa­pie­re pp. in Si­cher­heit ge­bracht wer­den müss­ten. Die wei­ter von mir als er­for­der­lich be­zeich­ne­te Be­wa­chung des Flug­zeu­ges war, wie mir bei der Un­ter­re­dung am Fern­spre­cher ge­mel­det wur­de, be­reits an­ge­ord­net. Ge­gen 12 ½ Uhr nachts traf der Trans­port in Kirch­berg ein. Ich ord­ne­te die ge­trenn­te Un­ter­brin­gung der bei­den Ge­fan­ge­nen, ame­ri­ka­ni­sche Of­fi­zie­re, im hie­si­gen Kö­nig­li­chen Fi­li­al­ge­fäng­nis an. Am 11. ds. Mts. früh er­folg­te die vor­ge­schrie­be­ne Be­nach­rich­ti­gung der mi­li­tä­ri­schen Dienst­stel­len, teils durch Fern­spre­cher, teils auf dem Draht­we­ge. Am Abend des­sel­ben Ta­ges traf von der Ab­tei­lung L. des stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral-Kom­man­dos 21 Ar­mee­korps in Saar­brü­cken ei­ne Of­fi­zier-Ab­ord­nung hier ein, wel­che we­gen des Trans­ports der Ge­fan­ge­nen, so­wie der Ab­mon­ta­ge des Flug­zeu­ges das Er­for­der­li­che ver­an­lass­te.“[139] Für die Ver­wal­tung war in die­sem Zu­sam­men­hang vor al­lem ei­nes wich­tig, näm­lich ob und wie die be­tei­lig­ten Per­so­nen bei die­sem Ein­satz be­lo­bigt wer­den müss­ten. Der Bür­ger­meis­ter be­für­wor­te­te ei­ne Be­lo­bi­gung für die bei­den Jung­man­nen durch die zu­stän­di­ge mi­li­tä­ri­sche Dienst­stel­le, nicht je­doch ei­ne Be­loh­nung. Für den Land­wirt Bonn kam ei­ne Be­loh­nung durch Geld in Be­tracht, eben­so ei­ne Geld­be­loh­nung für die am Wach­dienst Be­tei­lig­ten. Der Ser­geant ha­be da­ge­gen nur sei­ne Pflicht ge­tan. Auch das zu­stän­di­ge stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des XXI. Ar­mee­korps be­eil­te sich, am 26.7.1918 kurz und sach­lich Be­richt zu er­stat­ten. In den Land­krei­sen Zell und Sim­mern sei die Lan­dung von drei feind­li­chen Flie­gern ge­mel­det wor­den. „Die Be­sat­zun­gen sind ge­fan­gen ge­nom­men, die Flug­zeu­ge teils un­be­schä­digt ge­bor­gen. Um die Ber­gung und Ge­fan­gen­nah­me ha­ben sich Orts­ein­woh­ner und Ur­lau­ber be­son­ders ver­dient ge­macht.“ Die­sen soll­te ne­ben of­fi­zi­el­ler Be­lo­bi­gung und Geld­be­loh­nung auch der Ber­ge­lohn zu­ge­spro­chen wer­den.[140] Lei­der ist die Re­ak­ti­on des Kai­sers auf die­se Be­rich­te aus dem Huns­rück nicht über­lie­fert.

Groß war sei­tens der Be­hör­den die Sor­ge vor Un­fäl­len mit den Hin­ter­las­sen­schaf­ten auf deut­schen Flie­ger­übungs­plät­zen. Nach ei­nem tra­gi­schen Un­fall mit neun Kin­dern, von de­nen ei­ni­ge ge­tö­tet, an­de­re schwer ver­letzt wur­den, weil sie nicht-ex­plo­dier­te Bom­ben auf ei­nem Übungs­platz nach ei­ner mi­li­tä­ri­schen Flie­ger­übung auf­ge­grif­fen hat­ten, ord­ne­te der In­nen­mi­nis­ter am 1.3.1916 an, dass Zi­vil­per­so­nen der Zu­gang zu mi­li­tä­ri­schem Übungs­ge­län­de drin­gend un­ter­sagt wer­den müs­se. Die Trup­pen sei­en nach­drück­lich zu grö­ße­rer Sorg­falt und sys­te­ma­ti­scher Ver­nich­tung nicht-ex­plo­dier­ter Spreng­stof­fe auf­ge­for­dert wor­den.[141] 

Ab dem Früh­jahr 1916 nahm die Ge­fahr von Flie­ger­an­grif­fen auf die Stadt be­droh­lich zu. Am 30.3.1916 teil­te der Chef des Ge­ne­ral­sta­bes des Feld­hee­res aus dem Gro­ßen Haupt­quar­tier mit, dass da­von aus­zu­ge­hen sei, dass die Fran­zo­sen ih­re An­grif­fe zu­neh­mend in die Nacht­stun­den ver­le­gen wür­den. Da die Ab­wehr­mög­lich­kei­ten durch Bal­lon-Ab­wehr-Ka­no­nen und durch ei­ge­ne Flug­zeu­ge mehr als be­schränkt sei­en, blei­be als ein­zi­ge sinn­vol­le Schutz­maß­nah­me nur die Ver­dun­ke­lung, wes­halb man emp­feh­le, „hier­von den aus­gie­bigs­ten Ge­brauch zu ma­chen“. Die Ver­dun­ke­lung ei­nes Strei­fens von 150 Ki­lo­me­tern hin­ter der Front wur­de als „völ­lig aus­rei­chend emp­fun­den“, wes­halb die völ­li­ge Ver­dunk­lung da­mals nur für Trier (im Be­reich des Ober­prä­si­di­ums der Rhein­pro­vinz) emp­foh­len wur­de. Glei­che Be­din­gun­gen für al­le Or­te kön­ne es aber nicht ge­ben, zu­dem kön­ne die Ver­dunk­lung auch nicht dau­ernd gel­ten, son­dern müs­se an­ge­mes­sen ge­stal­tet sein. Soll­ten sich im An­griffs­fall grö­ße­re Men­schen­men­gen in ei­nem Raum auf­hal­ten, so ist von ei­ner Alar­mie­rung ganz ab­zu­se­hen, „um je­de Be­un­ru­hi­gung zu ver­mei­den“. Das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps lei­te­te dies am 16.7.1916 an den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten von Ko­blenz zur Be­ach­tung wei­ter, am 28.7.1916 be­kräf­tigt von der Kom­man­dan­tur von Ko­blenz und Eh­ren­breit­stein mit dem Hin­weis, dass die Kom­man­dan­tur nicht den Be­fehl zur In­be­trieb­nah­me der Si­re­nen er­tei­len wer­de. Der Re­gie­rungs­prä­si­dent wur­de um Äu­ße­rung ge­be­ten, ob ei­ne ent­spre­chen­de An­pas­sung der be­ste­hen­den Po­li­zei­ver­ord­nung als sinn­voll er­ach­tet wer­de und die Emp­feh­lung aus­ge­spro­chen, Po­li­zei­be­hör­den dar­auf hin­zu­wei­sen, dass bei Men­schen­an­samm­lun­gen im Thea­ter oder ähn­li­chem kei­ne Mit­tei­lung von ei­nem kurz be­vor­ste­hen­den oder be­reits be­gon­ne­nen Flie­ger­an­griff ge­macht wer­de. Der Re­gie­rungs­prä­si­dent sah in sei­ner Ant­wort vom 4. Au­gust je­doch kei­ne Not­wen­dig­keit ei­ner Än­de­rung oder Er­gän­zung der Po­li­zei­ver­ord­nung, son­dern be­für­wor­te­te statt­des­sen häu­fi­ge­re In­for­ma­ti­on und Auf­klä­rung der Be­völ­ke­rung durch Zei­tungs­be­rich­te. Als wich­tigs­te Ver­hal­tens­ma­ß­re­gel sah er ei­nen ru­hi­gen und ge­ord­ne­ten Rück­zug der Be­völ­ke­rung in die Häu­ser an, wo­bei die Men­schen dar­auf ach­ten soll­ten, sich gut zu ver­tei­len, denn: „Je bes­ser die Ver­tei­lung der Men­schen in Ge­bäu­den ist, des­to ge­rin­ger wer­den die Ver­lus­te sein.“ Den Auf­ent­halt bei Tü­ren und Fens­tern gel­te es als ge­fähr­lich zu ver­mei­den, auch hielt er die Kel­ler der mo­der­nen Wohn­häu­ser für nicht bom­ben­si­cher. „Un­be­ding­ten Schutz ge­gen Voll­tref­fer bie­ten nur sehr star­ke Ge­wöl­be und der­glei­chen. Die Kel­ler­ge­wöl­be un­se­rer neu­zeit­li­chen Wohn­häu­ser, eben­so Kir­chen, sind kei­nes­wegs bom­ben­si­cher.“[142] 

Doch wo­her kam die plötz­li­che Sor­ge vor feind­li­chen Flie­ger­an­grif­fen in Ko­blenz? Ein Te­le­gramm des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps bie­tet ers­te An­halts­punk­te: „Sehr zu­ver­läs­si­ger Agent hat aus ver­trau­ens­wür­di­ger Schwei­zer Quel­le fol­gen­de fran­zö­si­sche An­sicht be­züg­lich Flie­ger­an­grif­fe auf of­fe­ne deut­sche Plät­ze und Ort­schaf­ten ge­hört: Deutsch­land lei­de nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen Hun­ger. Die Be­völ­ke­rung wol­le Frie­den. Frank­reich ver­fol­ge mit den Flie­ger­an­grif­fen den Zweck, durch stän­di­ge Be­un­ru­hi­gung die deut­sche Be­völ­ke­rung noch schnel­ler reif für den Frie­den zu ma­chen. Man kön­ne im Hin­blick auf die­ses Ziel kei­ne Rück­sicht auf un­schul­di­ge Op­fer neh­men. Fran­zö­si­sche Hee­res­lei­tung ha­be wei­te­re Flie­ger­an­grif­fe auf deut­sche Städ­te und Ort­schaf­ten, mög­li­cher­wei­se Köln, Frank­furt so­gar deut­sche Ha­fen­plät­ze, vor­ge­se­hen.“[143] 

Jetzt re­agier­te das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps und ord­ne­te am 2.10.1916 die völ­li­ge Ver­dunk­lung ab 21 Uhr in sei­nem Zu­stän­dig­keits­be­reich an. Bis da­hin war be­schränk­te Stra­ßen­be­leuch­tung ge­stat­tet, eben­so Er­leuch­tung von Ge­schäfts­räu­men und Schau­fens­tern. Die Fens­ter der Woh­nun­gen wa­ren vor Ein­set­zen der Dun­kel­heit ab­zu­blen­den. Die am 19.12.1916 er­las­se­nen Richt­li­ni­en für die Durch­füh­rung der Alar­mie­rung und des Ei­gen­schut­zes des Hei­mat­ge­bie­tes des Kom­man­die­ren­den Ge­ne­rals der Luft­streit­kräf­te aus dem Gro­ßen Haupt­quar­tier zei­gen an­hand ei­ner Kar­te die Ver­dunk­lungs­zo­nen: In der Rhein­pro­vinz wa­ren nur Trier und Saar­brü­cken/Saar­land als be­son­ders be­droh­te Ge­bie­te, für die Ver­dunk­lungs­ma­ß­re­geln vor­ge­schrie­ben wa­ren, ge­kenn­zeich­net, der Rest, al­so auch Ko­blenz, war ge­kenn­zeich­net als Ge­biet, „in dem Si­che­rungs­maß­nah­men ge­gen feind­li­che Luft­an­grif­fe er­for­der­lich sin­d“. Doch am 1.2.1917 wur­de die Li­nie be­reits deut­lich nach Wes­ten ver­scho­ben und schloss jetzt auch Witt­lich und Co­chem ein.[144] Im Gro­ßen Haupt­quar­tier war man mit den Er­geb­nis­sen der Ver­dunk­lungs­maß­nah­men un­zu­frie­den. Ei­ne Prü­fung an­hand von Luft­schif­fer­kun­den, un­ter an­de­rem in Trier, ha­be be­legt: „Die Durch­füh­rung der dau­ern­den Ver­dunk­lung ist noch sehr ver­schie­den. An ein­zel­nen Stel­len ist das Be­stre­ben, ei­ne mög­lichst voll­kom­me­ne Ab­dunk­lung zu er­zie­len, deut­lich er­kenn­bar, an an­de­ren Stel­len ist die Ver­dunk­lung noch durch­aus un­ge­nü­gend. Die Ver­dunk­lung ver­fehlt ih­ren Zweck, wenn sie erst zu ei­ner will­kür­lich ge­wähl­ten Abend­stun­de ein­setzt.“ Die Ei­sen­bahn­tras­sen und ins­be­son­de­re die Bahn­hö­fe wur­den als be­son­de­re Schwach­stel­len aus­ge­macht.[145] 

Auch die Stadt Ko­blenz fiel ab dem 15. Sep­tem­ber auf Er­lass des Kriegs­mi­nis­te­ri­ums un­ter die Ver­dunk­lungs­pflicht. Al­le Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für die Stadt wa­ren auf­ge­ho­ben. Ei­ne wei­te­re Prü­fung der Ver­dunk­lung der Städ­te und Dör­fer durch die Kampf-Ein­sit­zer-Staf­fel Nr. 9 am 26.9.1917 er­brach­te ein für Ko­blenz ver­nich­ten­des Er­geb­nis: „Bahn so­wohl wie Stadt wa­ren hell er­leuch­tet und bo­ten ein gu­tes An­flug­ziel. Die Bahn­stre­cke zwi­schen Eh­ren­breit­stein und Ober­lahn­stein war eben­falls sehr hell er­leuch­tet.“ Das gel­te auch für Brau­bach, aber nicht für Ems und Nas­sau, die vor­bild­lich ab­ge­dun­kelt wa­ren. Es sei beim Über­flie­gen so­gar die Be­ob­ach­tung ge­macht wor­den, dass vie­le über­flo­ge­ne Or­te die Licht­quel­len noch ver­mehr­ten, um bes­ser se­hen zu kön­nen! Drin­gend wur­de da­her Ab­hil­fe an­ge­mahnt, aber er­folg­los. Am 12.2.1918 stell­te die Li­ni­en­kom­man­dan­tur Saar­brü­cken er­neut fest: „Fer­ner ist wie­der­holt be­ob­ach­tet wor­den, dass die Stadt Co­blenz hell und weit­hin zu se­hen ist, so­wohl in­fol­ge star­ker Be­leuch­tung der Bahn­an­la­gen, we­gen de­ren Ver­dunk­lung bis zur äu­ßers­ten Gren­ze der Be­triebs­si­cher­heit z.Zt. noch Ver­hand­lun­gen schwe­ben, als auch die Stra­ßen- und Woh­nungs­be­leuch­tung.“ In ei­nem Ver­merk vom 22. Fe­bru­ar er­klär­te der Ko­blen­zer Re­gie­rungs­prä­si­dent Sche­ren­berg da­zu, dass man we­gen der Be­leuch­tung der Bahn­an­la­gen be­reits mehr­fach sei­tens der Kom­man­dan­tur in Ver­bin­dung mit der Bahn­di­rek­ti­on ge­tre­ten sei, je­doch oh­ne Er­folg. „Die Stra­ßen­be­leuch­tung in Ko­blenz ist der­art ge­ring, dass es m.E. aus­ge­schlos­sen er­scheint, dass sie auf­ge­fal­len sein kann.“ Die Kla­gen ver­stumm­ten je­doch nicht. Am 4. 10.1918 mel­de­te die Bahn­hofs­kom­man­dan­tur Bin­ger­brück, dass ei­ne Be­sich­ti­gung er­ge­ben ha­be, dass auch die Ka­jü­ten­fens­ter der Schif­fe auf dem Rhein nicht ord­nungs­ge­mäß ab­ge­dun­kelt wa­ren, eben­so we­nig die Ort­schaf­ten links und rechts des Rheins. „Man er­hält den Ein­druck, als ob die Be­völ­ke­rung so le­be, als gä­be es kei­ne feind­li­chen Flie­ger.“[146] 

Krea­ti­ve Lö­sun­gen beim Ver­dunk­lungs­ge­bot wa­ren eben­falls nicht ger­ne ge­se­hen: Der Reichs­kom­mis­sar für die Koh­len­ver­tei­lung wies am 15.11.1917 dar­auf hin, dass ein dunk­ler An­strich der Fens­ter zwecks Er­fül­lung des Ver­dunk­lungs­ge­bots le­dig­lich ei­nen er­höh­ten Koh­len­ver­brauch zur Fol­ge ha­be, weil das zu ei­nem er­höh­ten Ver­brauch an Elek­tri­zi­tät und da­mit Koh­le füh­re, da die Räu­me zu dun­kel wür­den. Dies sol­le des­halb un­ter­bun­den wer­den sol­le.[147] 

Auch die Be­völ­ke­rung ver­stand den Sinn man­cher Maß­nah­men zur Flie­ger­ab­wehr nicht im­mer: Zwei Ge­mein­den ba­ten das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des XXI. Ar­mee­korps dar­um, doch zu ver­an­las­sen, dass Flug­ab­wehr­ka­no­nen erst dann mit dem Be­schuss der Flie­ger be­gin­nen soll­ten, wenn die­se in der Nä­he der zu schüt­zen­den Ob­jek­te sei­en. Dies hielt das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des XXI. Ar­mee­korps aber für kon­tra­pro­duk­tiv, weil es dann be­reits viel zu spät sei. Die Be­völ­ke­rung müs­se bes­ser auf­ge­klärt wer­den und et­wai­ge Nach­tei­le eben in Kauf neh­men. „Wenn die Ab­wehr­ge­schos­se als Blind­gän­ger in Ort­schaf­ten fal­len, ist die­ses ge­wiss sehr be­dau­er­lich, lässt sich aber nicht im­mer ver­mei­den."[148] 

Im Fe­bru­ar 1918 sah sich die Stadt Ko­blenz nun auch ge­zwun­gen, hin­sicht­lich des Schut­zes ih­rer Be­völ­ke­rung spür­bar auf­zu­rüs­ten. Am 28.2.1918 in­for­mier­te der Ober­bür­ger­meis­ter den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten, dass die Stadt be­schlos­sen ha­be, „zur Ver­stär­kung des Flie­ger­alarms Si­gnal­bom­ben ein­zu­füh­ren“. Als Ter­min zur „Be­sich­ti­gung der Si­gnal­bom­ben­ein­rich­tun­g“ schlug er Mon­tag, den 4. März 11 ½ Uhr am Wöl­lers­hof vor. Mit Schrei­ben vom 5. März kün­dig­te er ei­nen Pro­be­alarm mit Si­gnal­bom­ben für den 12. März, 12.30 Uhr, an. Die Be­völ­ke­rung wer­de durch Zei­tun­gen vor­ab in­for­miert. Statt­des­sen er­folg­te aber am 12. März um 12 Uhr ein Flie­ger­an­griff mit zu­nächst ge­mel­de­ten fünf To­ten, spä­ter am Tag kor­ri­giert auf neun To­te und 26 Ver­wun­de­te. Zwei Ta­ge spä­ter muss­te der Po­li­zei­di­rek­tor in ei­nem wei­te­ren Be­richt er­neut die Op­fer­zah­len kor­ri­gie­ren und füg­te ein Ver­zeich­nis der 21 ver­letz­ten Per­so­nen bei, die in Zi­vil­kran­ken­häu­sern der Stadt la­gen, da­von neun Schwer­ver­letz­te. Die Lis­te um­fass­te aber nicht die 20 Ver­letz­ten (da­von fünf Schwer­ver­letz­te), die im Fes­tungs­la­za­rett la­gen, da die­se sich in der Zu­stän­dig­keit des Mi­li­tärs be­fan­den. Die An­schaf­fung der Si­gnal­bom­ben er­folg­te al­so zu spät, da­bei lag be­reits am 4. Fe­bru­ar ein Be­richt des Po­li­zei­di­rek­tors vor, es ha­be sich bei der in der ver­gan­ge­nen Wo­che er­folg­ten In­be­trieb­nah­me der Heul­si­re­nen er­ge­ben, „dass die Si­re­nen nicht über­all von der Be­völ­ke­rung ge­hört wer­den kön­nen und dass sie da­her ih­ren Zweck nicht er­fül­len. Wie ich aus den Ma­ß­re­geln der hie­si­gen Hee­res­be­hör­den schlie­ßen muss, rech­nen die­se mit feind­li­chen Luft­an­grif­fen auf Co­blenz im Lau­fe des Som­mers. Die Vor­keh­run­gen zum Schut­ze der Zi­vil­be­völ­ke­rung müs­sen jetzt mit Be­schleu­ni­gung da­her auch auf ei­nen der­ar­ti­gen Stand ge­bracht wer­den, dass sie im Ernst­fall auch tat­säch­lich hin­rei­chen­den Er­folg ge­währ­leis­ten. Ei­ne der­ar­tig ver­voll­komm­ne­te Ein­rich­tung ist auch mit Rück­sicht auf et­wai­ge Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che der bei Flie­ger­an­grif­fen Ver­letz­ten sehr zweck­mä­ßig, weil der Scha­den­er­satz­an­spruch nur dann als be­rech­tigt an­er­kannt wird, wenn kein ei­ge­nes Ver­schul­den des Be­schä­dig­ten durch Nicht­be­ach­tung der amt­li­chen Ver­hal­tungs­ma­ß­re­geln vor­liegt.“ Sei der Alarm weit­hin un­über­hör­bar, ver­rin­ge­re das zu­dem die Er­folgs­aus­sich­ten der Ein­sprü­che ge­gen die Ab­leh­nung der Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen. „Au­ßer­dem kön­nen dann neue Ver­hal­tungs­ma­ß­re­geln ge­ge­ben wer­den, die un­ter Hin­weis auf die Vor­aus­set­zung zur An­er­ken­nung ei­nes Scha­den­er­satz­an­spruchs für die gan­ze Dau­er des Alarms ein der be­ste­hen­den Ge­fahr Rech­nung tra­gen­des Ver­hal­ten der Be­völ­ke­rung for­dern.“[149] 

Nach der Ka­ta­stro­phe vom 12.3.1918 wur­de end­lich ge­han­delt. Am 14. März fand ei­ne Be­spre­chung des Po­li­zei­di­rek­tors mit dem Kom­man­dan­ten von Ko­blenz und Eh­ren­breit­stein zur Ver­bes­se­rung der Flie­ger­alar­mein­rich­tung statt. Letz­te­rer ha­be sich nun be­reit er­klärt, mit der Be­reit­stel­lung der Mann­schaf­ten für den Ab­schuss der Si­gnal­bom­ben auch die Ver­ant­wor­tung für ei­ne sach­ge­rech­te Alar­mie­rung zu über­neh­men. Zu­dem sag­te der Kom­man­dant die Auf­stel­lung zwei­er wei­te­rer Heul­si­re­nen zu. In sei­nem Schrei­ben vom 16. März an den Po­li­zei­di­rek­tor be­ton­te der Kom­man­dant, dass er nur be­reit sei, die Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, wenn an dem Prin­zip der dop­pel­ten Alar­mie­rung durch Si­re­nen und Si­gnal­bom­ben wei­ter­hin fest­ge­hal­ten wer­de, falls ei­nes von bei­den ein­mal aus­fal­len soll­te, „wo­mit all­ge­mein durch Zu­sam­men­tref­fen un­glück­li­cher Um­stän­de und bei dem jetzt zur Ver­fü­gung ste­hen­den Men­schma­te­ri­al ge­rech­net wer­den muss […]“. In­tern er­gänz­te der Po­li­zei­di­rek­tor die­ses Schrei­ben um ei­ni­ge An­mer­kun­gen, die er „bei der Zu­sam­men­stel­lung der an der gest­ri­gen Be­spre­chung be­tei­lig­ten Her­ren nicht zum Aus­druck brin­gen konn­te“, weil sie näm­lich kein gu­tes Licht auf das Mi­li­tär war­fen. Nach sei­ner Kennt­nis „[…] be­ur­teilt man in hie­si­gen mi­li­tä­ri­schen Krei­sen, ins­be­son­de­re auch von Of­fi­zie­ren des Ge­ne­ral­kom­man­dos, die ja teil­wei­se auch ih­re Fa­mi­lie hier ha­ben und der Fra­ge der War­nung vor Flie­ger­ge­fahr na­tur­ge­mäß ein gro­ßes In­ter­es­se ent­ge­gen brin­gen, die zur Zeit vor­han­de­nen un­voll­kom­me­nen Ein­rich­tun­gen sehr ab­fäl­lig, ei­ne Kri­tik, die den Ge­nann­ten da­durch er­leich­tert wird, dass sie sich ge­gen ei­ne Zi­vil­be­hör­de rich­tet.“ Vor­sorg­lich wies er je­de Kri­tik an sei­ner Be­hör­de sei­tens des Mi­li­tärs nach­drück­lich zu­rück und fürch­te­te sich spür­bar vor dem Mo­ment, wenn der Mi­li­tär­be­fehls­ha­ber die Macht über die Alar­mie­rung an sich zie­he, weil er so­for­ti­ge Kri­tik an sei­nem be­zie­hungs­wei­se dem Ver­hal­ten sei­ner Be­hör­de er­war­te­te. Es folg­te ei­ne wei­te­re Be­spre­chung im Re­gie­rungs­prä­si­di­um am 18. März, de­ren Er­geb­nis am 23. März den zu­stän­di­gen Stel­len zur Kennt­nis ge­bracht wur­de. Dem­nach wur­den Si­gnal­bom­ben­sta­tio­nen am Wöl­lers­hof, im Kern­werk der Fes­te Franz und an der Pump­sta­ti­on Ober­werth ein­ge­rich­tet. Die am Wöl­lers­hof wur­de der Mi­li­tär­feu­er­haupt­wa­che, die in der Fes­te Franz der dor­ti­gen Mi­li­tär­feu­er­wa­che und die am Ober­werth der dor­ti­gen vom Land­sturm-Ba­tail­lon ge­stell­ten Gar­ni­sons­wa­che un­ter­stellt. Die Be­nach­rich­ti­gung „Flie­ger­alar­m“ zum Ab­schuss der Bom­ben er­folg­te für die Sta­ti­on im Kern­werk Fes­te Franz un­mit­tel­bar durch die Flak­grup­pe, für die bei­den an­de­ren durch die Po­li­zei­di­rek­ti­on, die ih­rer­seits durch die Flak­grup­pe be­nach­rich­tigt wur­den. Zu­dem teil­te der Kom­man­dant am 5. April mit, dass auf An­trag des Ober­bür­ger­meis­ters von Ko­blenz ab dem 8. April auch nachts zwi­schen 23 und 5 Uhr alar­miert wer­de.[150] 

Nicht über­all wa­ren die neu­en Maß­nah­men er­folg­reich. Der Bür­ger­meis­ter von Ko­blenz-Land wand­te sich am 26.3.1918 an den Land­rat aus An­lass ei­nes Er­su­chens aus Met­ter­nich, in dem be­klagt wur­de, dass die Si­re­nen bei Alar­mie­rung nicht zu hö­ren sei­en. Der Land­rat sol­le mit der Klos­ter-Braue­rei Ak­ti­en-Ge­sell­schaft in Met­ter­nich in Ver­bin­dung tre­ten. „Die­se be­sitzt ei­ne au­ßer­or­dent­lich star­ke Dampf­pfei­fe im Sy­ren­en­ton, wel­che über ganz Met­ter­nich bis nach Co­blenz deut­lich hör­bar ist.“ Am 16. Ju­li war aber im­mer noch nichts ge­sche­hen und er er­in­ner­te an die wei­ter­hin aus­ste­hen­de Ge­neh­mi­gung zur Be­nut­zung der Si­re­ne der Klos­ter-Braue­rei.[151] 

Ei­gent­lich wa­ren nun die wich­tigs­ten Vor­keh­run­gen zum wirk­sa­men Schutz der Be­völ­ke­rung ge­trof­fen. Die­se muss­te sich jetzt „nur“ noch an die Ver­dunk­lungs­ge­bo­te hal­ten. Doch schon am 17.5.1918 sah sich das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps ge­zwun­gen, er­neut an die stren­gen Ver­dunk­lungs­be­stim­mun­gen zu er­in­nern und dar­um zu bit­ten, der Be­völ­ke­rung die Ver­hal­tens­ma­ß­re­geln in ge­eig­ne­ter Form ins Ge­dächt­nis zu ru­fen. Wie nö­tig das war, zeigt ein Te­le­gramm des Re­gie­rungs­prä­si­den­ten vom 21.5.1918 an den In­nen­mi­nis­ter über ei­nen nächt­li­chen An­griff mit 18 Bom­ben und fünf Blind­gän­gern, je­doch kei­nen To­des­fäl­len. Der In­nen­mi­nis­ter ließ sich von die­sen Nach­rich­ten je­doch nicht er­wei­chen und lehn­te am 1.6.1918 er­neut die For­de­rung nach Über­nah­me der Kos­ten für ei­ne aus­rei­chen­de Alar­mie­rung durch das Reich, wie vom Ko­blen­zer Ober­bür­ger­meis­ter be­an­tragt, als An­ge­le­gen­heit der Kom­mu­nen zu­rück. [152]  ´´Zu­nächst hat­te er am 27.3.1918 ei­nen An­trag an den Re­gie­rungs­prä­si­den­ten ge­stellt und dar­in dar­ge­legt, dass die Über­nah­me der Kos­ten (25-30.000 Mark) für die Um­set­zung der po­li­zei­li­chen Maß­nah­men zur War­nung der Be­völ­ke­rung bei Flie­ger­an­grif­fen durch die um­lie­gen­den Or­te und ins­be­son­de­re den Land­kreis nö­tig sei, da die­se Maß­nah­men ja nicht al­lein dem Schutz der Stadt, son­dern auch des Land­krei­ses und ins­be­son­de­re der rechts­rhei­ni­schen Tei­le dien­ten. Der Land­rat von Ko­blenz-Land teil­te dar­auf­hin mit, dass sich die Ge­mein­den Eh­ren­breit­stein, Pfaf­fen­dorf und Horch­heim zur Zah­lung ei­nes ein­ma­li­gen Bei­trags zur Flie­ger­alar­mie­rung be­reit­er­klärt hät­ten. Eh­ren­breit­stein wol­le 500 Mark, Pfaf­fen­dorf 300 Mark und Horch­heim 200 Mark zah­len, letz­te­re we­ni­ger, weil „die Si­re­nen nicht über­all hör­bar sin­d“. Zu­dem hät­ten sie die Zah­lung an die Be­din­gung ge­knüpft, dass „wenn der Stadt Co­blenz dem­nächst die Kos­ten für die Flie­ger­alar­mein­rich­tung aus der Staats- oder Reichs­kas­se er­stat­tet wer­den soll­ten, die be­wil­lig­ten Be­trä­ge den drei Ge­mein­den wie­der zu­rück­zu­zah­len sind.“[153] 

Ge­gen En­de des Krie­ges wuchs die Ge­fah­ren­la­ge für Ko­blenz deut­lich. Mit dem Herbst 1917 wur­de die Stadt re­gel­mä­ßig Ziel feind­li­cher Flie­ger­an­grif­fe, über die der Po­li­zei­di­rek­tor von Ko­blenz aus­führ­lich be­rich­te­te. Pe­ni­bel ge­nau lis­te­te er die Sach- und Per­so­nen­schä­den ei­nes je­den An­griffs auf, lo­ka­li­sier­te sie bis auf die Haus­num­mer und be­nann­te so­gar die Art der Ver­let­zun­gen und die Na­men der be­trof­fe­nen Per­so­nen, so­weit es ihm mög­lich war. Ein ers­ter Be­richt vom 2.10.1917 be­traf ei­nen An­griff um 10 Uhr abends am Vor­tag. Ein feind­li­cher Flie­ger ha­be das Stadt­ge­biet über­flo­gen und acht Bom­ben ab­ge­wor­fen. Er kam an­schei­nend aus Mo­sel­rich­tung, über­flog den Haupt­bahn­hof, folg­te dem Schie­nen­strang Rich­tung Lahn­stein und flog dann über die Stadt zu­rück Rich­tung Mo­sel. Der Flie­ger war beim An­flug in nied­ri­ger Hö­he un­ter­wegs. Die Bom­ben tra­fen ein Ge­biet zwi­schen der Sach­sen­stra­ße und der Rö­mer­stra­ße und ziel­ten of­fen­sicht­lich auf die Gleis­an­la­gen. An ei­nem Per­so­nen­zug wa­ren die Fens­ter­schei­ben zer­bors­ten so­wie Ein­schlä­ge von Split­tern zu ver­zeich­nen, in cir­ca 20 Häu­sern wa­ren Fens­ter­schei­ben zer­bro­chen. Per­so­nen wa­ren nicht zu Scha­den ge­kom­men. Die Na­tio­na­li­tät des Flie­gers konn­te nicht er­mit­telt wer­den. Die Be­völ­ke­rung ha­be sich ru­hig ver­hal­ten. „Die Ab­wehr­maß­nah­men wa­ren nicht aus­rei­chend. Vor al­lem ist her­vor­zu­he­ben, dass der Haupt­bahn­hof stets viel zu hell da liegt und für ei­nen Flie­ger si­cher auf wei­te Ent­fer­nung ein gu­tes Flug­ziel bil­det. […] Ei­ne War­nung vor der An­nä­he­rung ist an­schei­nend nicht er­folgt.“ Die hel­le Be­leuch­tung des Bahn­hofs sei um­so schlim­mer, da sonst in der Stadt die Ab­dunk­lung ein­ge­hal­ten wür­de, aber trotz sei­ner Mah­nung nicht für den Bahn­hof um­ge­setzt wür­de.[154] 

Am hef­tigs­ten traf der be­reits er­wähn­te An­griff am 12.3.1918 um 12 Uhr mit­tags die Stadt. Al­lein in der Cu­sa­nus­stra­ße in der Nä­he der Ei­sen­bahn­über­füh­rung wa­ren drei To­te so­wie zwei Leicht­ver­letz­te zu be­kla­gen. Fens­ter­schei­ben wur­den zer­trüm­mert, in ei­nem Haus in der Ho­hen­zol­lern­stra­ße ver­lor ei­ne Frau ein Bein, in ei­nem an­de­ren wur­de ei­ne Frau ge­tö­tet. In der Sim­rock­stra­ße wa­ren Sach­schä­den zu ver­zeich­nen, am Au­gus­ta-Denk­mal wur­de ei­ne Frau schwer ver­letzt, auf dem Mar­ken­bild­chen­weg ei­nem 13-jäh­ri­gen Schü­ler ein Arm ab­ge­ris­sen, vor dem Post­ge­bäu­de am Haupt­bahn­hof wur­de ei­ne Frau ge­tö­tet und wei­te­re acht Per­so­nen, dar­un­ter ein Kind, wur­den schwer ver­letzt. Spä­ter er­la­gen ei­ne Frau und ein Mann ih­ren Ver­let­zun­gen. In der Erb­gro­ßher­zog-Fried­rich-Ka­ser­ne auf der Kart­hau­se wur­den vier Sol­da­ten schwer und zwölf leicht ver­letzt. Wei­te­re Sach­schä­den wur­den aus der Fi­schel­stra­ße, der Wei­ßer­non­nen­gas­se, der Wei­ßer­stra­ße und von der Kart­hau­se ge­mel­det. Der An­griff sei von vier bis fünf feind­li­chen Flie­gern, „die rhein­wärts ka­men und nach dem An­griff in nörd­li­cher Rich­tung ab­ge­flo­gen sin­d“, aus­ge­führt wor­den. Am 14. März kor­ri­gier­te der Po­li­zei­prä­si­dent die Zahl der Ver­letz­ten auf jetzt 70 Per­so­nen und er­gänz­te, es ha­be sich um bri­ti­sche Flie­ger ge­han­delt.[155] 

Da­ge­gen ver­lief ein An­griff in der Nacht des 20.5.1918 eher glimpf­lich. „Um 12.38 Uhr wur­de die Be­völ­ke­rung alar­miert und um 12.47 fie­len die ers­ten Schüs­se der Ab­wehr­ge­schüt­ze. Um 2.05 war der An­griff be­en­det. In die­ser Zeit sind, so­weit hier fest­ge­stellt wer­den konn­te, 21 Bom­ben von den feind­li­chen Flie­gern ab­ge­wor­fen wor­den […]“ und tra­fen das Ge­biet von Löhr­ron­del, Lüt­zel, Mo­sel­weiß und Gülz. Per­so­nen­schä­den sei­en kei­ne be­kannt ge­wor­den. Der An­griff sei von fünf bis sechs feind­li­chen Flie­gern durch­ge­führt wor­den.[156] 

Im Ju­li wur­den gleich zwei An­grif­fe ge­mel­det. Der An­griff vom 2. Ju­li um­fass­te neun Flie­ger mit 18 Bom­ben. Er be­gann um 10.50 Uhr, um 11.11 Uhr setz­ten die Ab­wehr­ge­schüt­ze ein. Be­trof­fen wa­ren der Ha­fen, Lüt­zel und die Alt­stadt. Ei­ne schwer­ver­letz­te Frau war im Bren­der­weg zu ver­zeich­nen, ent­ge­gen der ers­ten An­ga­ben, die sie als tot ge­mel­det hat­ten. Das Ver­hal­ten der Be­völ­ke­rung sei die­ses Mal „zweck­mä­ßi­g“ ge­we­sen. Das En­de des Alarms war um 11.30 Uhr. Ein wei­te­rer An­griff er­folg­te am 8. Ju­li früh­mor­gens ab 7.43 Uhr (Mel­dung Luft­ge­fahr), En­de der Luft­ge­fahr: 8.50 Uhr. Elf Flug­zeu­ge flo­gen mo­sel­ab­wärts und war­fen er­neut acht Bom­ben ab. Die Zie­le ver­teil­ten sich ent­spre­chend ent­lang des Flus­ses bis zur Alt­stadt hin, vor al­lem in Met­ter­nich. Ei­ne leicht­ver­letz­te Frau so­wie Sach­scha­den wur­den ge­mel­det.[158] 

Der letz­te An­griff auf Ko­blenz er­folg­te am 22.8.1918 und traf vor al­lem Mo­sel­weiß, so­wohl in der vor­an­ge­gan­ge­nen Nacht ab 12.49 Uhr bis 12.51 Uhr und wie­der ab 12.59 Uhr. Fünf Bom­ben wur­den ab­ge­wor­fen, die ge­rin­gen Sach­scha­den ver­ur­sach­ten. Am 22. Au­gust wur­de ab 8.41 bis 9.22 Uhr er­neut Alarm ge­ge­ben, acht bis neun Flug­zeu­ge nah­men dem­sel­ben Weg wie die Flie­ger in der Nacht (al­so von der Mo­sel her), war­fen er­neut acht Bom­ben ab, die­ses Mal ver­ur­sach­ten sie ne­ben Sach- auch Per­so­nen­schä­den: „Die Sprengstü­cke ver­ur­sach­ten grö­ße­ren Sach­scha­den. Im ge­gen­über­lie­gen­den Hau­se Nr. 5 [der Main­zer­stra­ße] hielt sich ein Dienst­mäd­chen (Hu­ber­ti­ne Ru­brö­der) wäh­rend des Flie­ger­an­griffs ver­bots­wid­rig im Wohn­zim­mer des Erd­ge­schos­ses auf und wur­de durch ein Sprengstück ge­tö­tet. Ne­ben dem Hau­se Main­zer­stra­ße 136 fiel ei­ne Bom­be dicht an der Kel­ler­mau­er nie­der, drück­te die­se ein und quetsch­te ein sich im Kel­ler auf­hal­ten­des Dienst­mäd­chen (Ma­ria The­re­se Busch) zu To­de. Die eben­falls im Kel­ler [sich] auf­hal­ten­de Herr­schaft (Bau­rat Gott­ke und Frau) ka­men mit schwe­ren Ver­let­zun­gen da­von.“[159] 

Da­nach blieb Ko­blenz von Flie­ger­alar­men ver­schont. Am 13.11.1918, als der Kai­ser längst ab­ge­dankt hat­te und die Re­pu­blik aus­ge­ru­fen war, wur­de die Ver­ord­nung zur Ver­dunk­lung durch ein Te­le­gramm des Stell­ver­tre­ten­den Ge­ne­ral­kom­man­dos des VIII. Ar­mee­korps auf­ge­ho­ben.[160] 

Flakscheinwerfer mit Sirene, Privatbesitz. (Landeshauptarchiv Koblenz)

 

10. Das Kriegsende in Koblenz

Mit dem En­de der Flie­ger­an­grif­fe war auch das En­de des Krie­ges ge­kom­men. Schon lan­ge war die Eu­pho­rie der ers­ten Ta­ge bit­te­rer Er­nüch­te­rung ge­wi­chen. Stell­ver­tre­tend für vie­le an­de­re Quel­len sei hier er­neut auf die Schul­chro­nik von Ko­blenz-Lüt­zel ver­wie­sen, de­ren Au­tor, Rek­tor Butz, in ein­drucks­vol­ler Wei­se die­sen Stim­mungs­wan­del am 31.12.1915 und von da an in ei­nem zu­sam­men­fas­sen­den Be­richt an je­dem Jah­res­en­de über das ver­gan­ge­ne Jahr do­ku­men­tier­te. „Glor­rei­che Sie­ge und herr­li­che Er­fol­ge“ ei­ner­seits, doch auch die ers­ten „har­ten Ver­lus­te“ ha­be der Krieg ge­bracht, so die Bi­lanz der ers­ten 17 Mo­na­te Welt­krieg.[161] Am 31.12.1916 war aus der ehe­mals so glor­rei­chen Aus­ein­an­der­set­zung „der schreck­li­che Welt­krie­g“ ge­wor­den, auch wenn so­gleich er­neut die Sie­ge des ver­gan­ge­nen Jah­res und der un­ge­bro­che­ne Durch­hal­te­wil­len be­schwo­ren wur­den. Auchch wenn „grö­ß­te Spar­sam­keit im Ver­brauch al­ler Nah­rungs­mit­tel“ er­for­der­lich war: „Aus­hun­gern konn­te der Feind uns nicht.“[162] Im fol­gen­den Jahr fie­len die Sie­ges- und Durch­hal­te­pa­ro­len noch schwä­cher aus, 1917 war ein Jahr „reich an blu­ti­gen Kämp­fen und Op­fern“ und wei­te­ren Ein­schrän­kun­gen in der Ver­sor­gung.[163] Be­zeich­nen­der­wei­se ver­zich­te­te der Au­tor auf je­de Art Kriegs­bi­lanz im No­vem­ber 1918, of­fen­sicht­lich noch ganz un­ter dem Schock der Er­eig­nis­se ste­hend. Das Kriegs­en­de wur­de am 9.11.1918 la­pi­dar mit den Wor­ten ver­kün­det: „Ab­dan­kung Kai­ser Wil­helms II., das deut­sche Kai­ser­reich hat auf­ge­hört, die Re­pu­blik wird aus­ge­ru­fen.“[164] 

Ein sang- und klang­lo­ses En­de des Krie­ges in ei­ner Stadt, die mit so gro­ßem Ju­bel des­sen Aus­bruch ge­fei­ert hat­te, sich im Glan­ze ih­rer Be­deu­tung sonn­te, als sie für zwei Wo­chen im Mit­tel­punkt des In­ter­es­ses des gan­zen Rei­ches stand, und stolz auf ih­re zen­tral­ört­li­che Rol­le war. Ei­ne Stadt, die trotz ih­rer Nä­he zu den Spit­zen von Mi­li­tär und Ver­wal­tung im Lau­fe des Krie­ges des­sen Här­ten zu spü­ren be­kam, wenn auch et­was spä­ter als an­de­re Städ­te am Rhein oder in noch grö­ße­rer Front­nä­he wie Trier. Doch ob­wohl die Front weit ge­nug ent­fernt war, um erst in den letz­ten Kriegs­mo­na­ten der Stadt un­mit­tel­ba­re Kampf­hand­lun­gen durch Flie­ger­an­grif­fe zu brin­gen, war das Le­ben in Ko­blenz in weit­aus hö­he­rem Ma­ße als an­dern­orts durch das Mi­li­tär ge­prägt. Das Stell­ver­tre­ten­de Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps führ­te nicht nur Re­kru­tie­run­gen und Ein­quar­tie­run­gen durch, es be­wirt­schaf­te­te sämt­li­che Gü­ter, re­gel­te das öf­fent­li­che Le­ben und in­iti­ier­te die Ver­ord­nun­gen. Ob Ober­prä­si­dent oder Re­gie­rungs­prä­si­dent - in den Ak­ten tre­ten sie als un­ter­ge­ord­ne­te In­stan­zen ent­ge­gen, der ei­ne als ei­ne Art Post­ver­tei­ler, der an­de­re als aus­füh­ren­des Or­gan, wo­bei al­le Be­tei­lig­ten be­flis­sen dar­auf ach­te­ten, die Ge­schäfts­gän­ge trotz­dem mög­lichst ge­nau ein­zu­hal­ten. Aber viel­leicht ist das der bes­te Be­weis für die The­se von Ko­blenz als der preu­ßischs­ten Stadt im Rhein­land, in der in Frie­dens­zei­ten die Ver­wal­tungs­spit­zen um­fas­sen­de Macht­be­fug­nis­se hat­ten und höchs­tes An­se­hen ge­nos­sen, aber im Kriegs­fall al­le Macht un­wi­der­spro­chen und un­ein­ge­schränkt auf das Mi­li­tär über­ging, wenn auch un­ter Be­ach­tung der preu­ßi­schen Ver­wal­tungs­ord­nung. Auch ein ver­lo­re­ner Krieg konn­te die Zu­nei­gung und den Re­spekt der Ko­blen­ze­rin­nen und Ko­blen­zer zu „ih­re­m“ Mi­li­tär nicht schmä­lern. Als die ge­schla­ge­nen Trup­pen im Ok­to­ber 1918 im Pa­ra­de­marsch in die Stadt ein­rück­ten, säum­ten sie wie­der ju­belnd und Fah­nen schwen­kend die Stra­ßen.

Archivquellen

Lan­des­haupt­ar­chiv Ko­blenz (LHA­KO):
Best. 403  Ober­prä­si­di­um der Rhein­pro­vinz, Nrn. 5375, 5378, 11183, 12278, 12310-123212, 12637, 12660, 12891, 13178, 14149
Best. 441 Re­gie­rung Ko­blenz, Nrn. 14885, 14887, 14902, 14907
Best. 716 Schul­chro­ni­ken, Nrn. 64 (Her­schwie­sen), 74 (Win­des­heim),107 (Ko­blenz-Lüt­zel), 122 (El­gert), 320 (Schen­ken­dorf­schu­le Ko­blenz)

Stadt­ar­chiv Ko­blenz:
Brief­wech­sel von El­len (von ih­rem Mann Lot­te ge­nannt) van den Bergh, Ehe­frau des Stabs­of­fi­ziers Ia Hu­go van den Bergh beim Ge­ne­ral­kom­man­do des VIII. Ar­mee­korps wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs, im Pri­vat­be­sitz der Fa­mi­lie, Di­gi­ta­li­sat im Stadt­ar­chiv Ko­blenz. 

Gedruckte Quellen

Kur­siv = Kurz­zi­tier­wei­se
Aff­ler­bach, Hol­ger (Be­arb.), Kai­ser ­Wil­helm II. als obers­ter Kriegs­herr im Ers­ten Welt­krieg. Quel­len aus der mi­li­tä­ri­schen Um­ge­bung des Kai­sers 1914-1918, Mün­chen 2005.

Literatur

Ge­schich­te der Stadt Ko­blenz, hg. v. der En­er­gie­ver­sor­gung Mit­tel­rhein GmbH, Ko­blenz, 2 Bän­de, Stutt­gart 1993.
Gole­cki, Vom Ers­ten Welt­krieg bis zum En­de der Wei­ma­rer Re­pu­blik, in: Ge­schich­te der Stadt Ko­blenz, Band 2, S. 119-169.
Her­res, Jür­gen, Das Preu­ßi­sche Ko­blenz, in: Ge­schich­te der Stadt Ko­blenz, Band 2, S. 49-118.

Rückzug deutscher Truppen nach Koblenz am 7.12.1918. (Stadtarchiv Koblenz)

 
Anmerkungen
  • 1: Textüberschrift: Zitat aus dem Leitartikel „Der Dank des Kaisers an die Stadt Coblenz“ der „Coblenzer Zeitung“ vom 31.8.1914, Stadtarchiv Koblenz. - Die Verfasserin dankt Frau Dr. Christine Goebel, Landeshauptarchiv Koblenz, und den Kolleginnen und Kollegen vom Stadtarchiv herzlich für Ihre großzügige Unterstützung bei der Aufarbeitung dieses Themas.
  • 2: itz des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, des Regierungspräsidenten von Koblenz,
  • 3: Kapitelzitat: Brief von Moriz Freiherr von Lyncker an seine Frau vom 22.7.1914, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 127.
  • 4: Stellvertretend für die vielen Beiträge über Koblenz und die Preußen sei hier nur auf den Beitrag von Herres, Das preußische Koblenz, verwiesen.
  • 5: Herres, Das preußische Koblenz, S. 117.
  • 6: Schreiben Moltke vom 7.2.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 11183, S. 91.
  • 7: Schreiben Moltke vom 20.3.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 11183, S. 109-112.
  • 8: Schreiben Moltke vom 16.4.1914, LHAKO, Best. 403 Nr. 11183, S. 19-20.
  • 9: 1895 angelegt für das VIII. Armeekorps; Elsenborn gehört heute zur Gemeinde Bütgenbach, Belgien, Deutschsprachige Gemeinschaft.
  • 10: Schreiben des Generalkommandos vom 27.6.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 11183, S. 177. Der Plan für das VII. Armeekorps auf S. 203 sah eine eigene Kaiserparade bei Münster am 5. September vor.
  • 11: Schreiben Moltke vom 27.6.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 11183, S. 205.
  • 12: Schriftwechsel vom 18.7.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 11183, S. 227-229.
  • 13: Anordnung des Regierungspräsidenten von Koblenz vom 25.7.1914, LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 14: Schreiben des Oberpräsidenten an die Regierungspräsidenten der Rheinprovinz vom 26.5.1914 mit Vermerk „Geheim! Eigenhändiges Einschreiben!“, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 109-114.
  • 15: Aufforderung des Oberpräsidenten vom 6.2.1913, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 8.
  • 16: Schreiben des Regierungspräsidenten von Koblenz vom 5.4.1913, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 19.
  • 17: Schriftverkehr zwischen Oberpräsidium und Generalkommando und Kommandantur, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 27-33.
  • 18: Schreiben des Generalkommandos des VIII. Armeekorps vom 19.12.1913, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 43.
  • 19: Schreiben des Regierungspräsidenten von Koblenz, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 69-70.
  • 20: Schreiben des Regierungspräsidenten von Trier, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 83-84.
  • 21: Erhebung der politisch unsicheren Personen, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 87-89.
  • 22: Erlass des Generalkommandos des VIII. Armeekorps vom 8.4.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 105-107, Hervorhebungen im Text.
  • 23: Schreiben des Oberpräsidenten an die Regierungspräsidenten der Rheinprovinz vom 26.5.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 12278, S. 109-114.
  • 24: Golecki, Vom Ersten Weltkrieg, S. 119.
  • 25: Eintrag vom 17.12.1915, LHAKO Best. 716 Nr. 107, S. 79-84.
  • 26: Aufstellung nach: Rangliste der königlich preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1914, nach dem Stande vom 6. Mai 1914, hrsg. vom Kriegsministerium, S. 77-81.
  • 27: So handhabte es Ellen (von ihrem Mann Lotte genannt) van den Bergh, Ehefrau des Stabsoffiziers Ia Hugo van den Bergh beim Generalkommando des VIII. Armeekorps nach ihrem Schreiben vom 28.8.1914. Ihre Kriegskorrespondenz ist im Privatbesitz der Familie überliefert, Digitalisat im Stadtarchiv Koblenz.
  • 28: Einen Eindruck über die Höhe der Kostenerstattung vermitteln die Auseinandersetzungen um die Unterstützung für aus dem Ausland heimkehrende Deutsche, LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 9-14.
  • 29: Schulchronik der Schenkendorfschule, LHAKO Best. 716 Nr. 320.
  • 30: Sämtliche Berichte und Schreiben an den Regierungspräsidenten von Koblenz überliefert in: LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 31: LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 32: LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 33: Vgl. hierzu Stadtarchiv Koblenz, DB 8 Nr. 10.
  • 34: LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 35: och der ereignisreiche 8.8.1914 brachte auch Entspannung. Der Regierungspräsident erhielt den Befehl des Oberpräsidenten auf Veranlassung des Stellvertretenden Generalkommandos des VIII. Armeekorps, dass alle Verdächtigen der Liste A und B freizulassen seien, woraufhin er seine Landräte aufforderte, ihm bis zum 11. August zu melden, ob Bedenken hinsichtlich der Freilassung Einzelner bestünden, was die Landräte von Ahrweiler, St. Goar und Koblenz prompt verneinten, während die Antwort der übrigen nicht überliefert ist.
  • 36: icht nur in der Stadt, auch auf dem Land herrschten Unsicherheit und angespannte Nervosität. So berichtet die Chronik der Schule von Herschwiesen-Oppenhausen von der ergebnislosen Jagd auf vermeintliche russische Spione im Hunsrück, die sich als zwei ältere deutsch-russische Damen, Verwandte eines Jagdpächters im Ort, entpuppten.
  • 37: Schulchronik Herschwiesen-Oppenhausen, LHAKO Best. 716 Nr. 64.
  • 38: Schulchronik Meddesheim, LHAKO Best. 716 Nr. 313.
  • 39: Schulchroniken Elgert, LHAKO Best. 716 Nr. 122; Schulchroniken Windesheim, LHAKO Best. 716 Nr. 74
  • 40: LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 41: Kapitelzitat: Jahresbericht 1914-15 des Kaiser-Wilhelm-Realgymnasiums, Stadtarchiv Koblenz, KH 96.
  • 42: LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 43: m 16.8.1914 erreichte Oberpräsident von Rheinbaben ein Telegramm aus Berlin, wonach der Kaiser mit dem Zug Richtung Mainz aufgebrochen sei.
  • 44: Vgl. hierzu den reich bebilderten Artikel des Stadtarchivs Koblenz unter https://stadtarchivkoblenz.wordpress.com/2015/12/07/das-grosse-hauptquartier-in-koblenz/ (aufgerufen am 28.06.2019). Das Gästebuch des Hotels mit den Einträgen der berühmten Gäste ist im Stadtarchiv Koblenz überliefert, Stadtarchiv Koblenz N 107.
  • 45: wei Wochen lang, bis zum 30.8.1914, war Koblenz der Mittelpunkt des Kriegsgeschehens im Kaiserreich. Getreu der Anweisung aus Berlin schwieg die Presse und veröffentlichte erst am 31.8.1914 eine Dankadresse des Kaisers und Moltkes für die gewährte Gastfreundschaft.
  • 46: wei Wochen lang, bis zum 30.8.1914, war Koblenz der Mittelpunkt des Kriegsgeschehens im Kaiserreich. Getreu der Anweisung aus Berlin schwieg die Presse und veröffentlichte erst am 31.8.1914 eine Dankadresse des Kaisers und Moltkes für die gewährte Gastfreundschaft.
  • 47: Der Jahresbericht, überliefert im Stadtarchiv Koblenz, KH 96, gehört zu den Schulprogrammen, die von den Lehrern in der Regel jährlich verfasst neben wissenschaftlichen Abhandlungen zu verschiedenen Themen auch institutionelle Informationen beinhalten, vgl. hierzu: Kirschbaum, Markus , Litteratura Gymnasii. Schulprogramme deutscher höherer Lehranstalten des 19. Jahrhunderts als Ausweis von Wissenschaftsstandort, Berufsstatus und gesellschaftspolitischer Prävention. Aus Beständen der Rheinischen Landesbibliothek Koblenz, Koblenz 2007.
  • 48: Vgl. auch die Schulchronik der Schenkendorfschule 1914, LHAKO Best. 716 Nr. 320. Bestätigt werden diese Angaben von Moriz Freiherr von Lyncker in seinen Briefen vom 23.8. und 27.8. an seine Frau, in: Alfflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 140-141, 143-144.
  • 49: Jahresbericht 1914-15 des Kaiser-Wilhelm-Realgymnasiums, Stadtarchiv Koblenz, KH 96.
  • 50: Jahresbericht 1914-15 des Kaiser-Wilhelm-Realgymnasiums, Stadtarchiv Koblenz, KH 96.
  • 51: Vgl. den Brief von Moriz Freiherr von Lyncker vom 27.8. an seine Frau, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 143-144, wonach der Besuch aus Anlass des Sieges von Herzog Albrecht von Württemberg in der Schlacht von Neufchateau in den Ardennen stattfand.
  • 52: Brief von Ellen van den Bergh vom 25.8.1914.
  • 53: Ellens Schwager, der im Gefolge des Kaisers angestellt war.
  • 54: Brief von Ellen van den Bergh vom 17.8.1914.
  • 55: Siehe Anm. 30, LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 56: Schulchronik der Schenkendorfschule 1914, LHAKO Best. 716 Nr. 320. Bestätigt werden diese Angaben auch von Moriz Freiherr von Lyncker in seinen Briefen vom 23.8. und 27.8. an seine Frau, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 140-141, 143-144.
  • 57: Brief vom 22.8.1914.
  • 58: Brief von Moriz Freiherr von Lyncker vom 17.8.1914, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 134.
  • 59: Brief von Moriz Freiherr von Lyncker vom 19.8.1914, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 136-137.
  • 60: Brief von Moriz Freiherr von Lyncker vom 21.08.1914, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 138-139.
  • 61: Afflerbach, Holger, Das Selbstbild des Kaisers Wilhelm II. und die operativen Planungen, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr ,S. 18.
  • 62: Brief von Moriz Freiherr von Lyncker vom 23.8.1914, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr S. 140-141.
  • 63: Brief von Moriz Freiherr von Lyncker vom 16.8.1916, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 413.
  • 64: Kapitelzitat: Bekanntmachung über den Belagerungszustand des Kommandanten von Koblenz und Ehrenbreitstein vom 31.7.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 1.
  • 65: Der Stab des Generalkommandos war bei der Mobilmachung ausgerückt Richtung Westfront, während das in Koblenz verbleibende Generalkommando von nun an den Titel „Stellvertretendes Generalkommando“ trug und mit Rekrutierungs- und Ausstattungsfragen betraut war.
  • 66: Eine Übersicht über die Zuständigkeiten: LHAKO Best. 441 Nr. 14902.
  • 67: LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 1.
  • 68: Schreiben des Stellvertretenden Generalkommandos, LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 31, 43.
  • 69: Der gesamte Briefwechsel in: LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 51-57.
  • 70: Schreiben des Stellvertretenden Generalkommandos vom 8.9.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 69.
  • 71: Der gesamte Schriftwechsel in: LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 72 (Aufforderung), S. 83 (Meldung des Koblenzer Regierungspräsidenten) und S. 81 (Meldung des Trierer Regierungspräsidenten).
  • 72: Schreiben des Stellvertretenden Generalkommandos des VIII. Armeekorps an den Oberpräsidenten vom 12.9.1914 mit der Bitte um Bekanntmachung der rechtzeitigen Meldung zurückgebliebener Militärgüter, LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 85. Die Militärgüter blieben aber ein Dauerthema, wie der Erlass des Kriegsministeriums vom 2.12.1914 zeigt, der Nachforschungen nach dem Verbleib von zurückgelassenen Militärgütern befahl (S. 139) und durch entsprechende Maßnahmen (Oberpräsident wird um Bekanntmachung gebeten vom Stellvertretenden Generalkommandos des VIII. Armeekorps am 9.12.1914, S. 140) umgesetzt werden musste.
  • 73: Bekanntmachung des Kommandanten von Koblenz und Ehrenbreitstein vom 6.2.1915, LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 159.
  • 74: Geschäftsordnung des Stellvertretenden Generalkommandos des VIII. Armeekorps vom 16.1.1915 mit Bekanntmachung an die nachgeordneten Stellen, LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 141.
  • 75: LHAKO Best 403 Nr. 5375, S. 163.
  • 76: LHAKO Best 403 Nr. 5375, S. 169.
  • 77: Schreiben vom 10.4.1915, LHAKO Best. 403 Nr. 5375, S. 173.
  • 78: LHAKO Best. 403 Nr. 5378, S. 265.
  • 79: LHAKO Best. 403 Nr. 5378, S. 275.
  • 80: LHAKO Best. 403 Nr. 5378, S. 311.
  • 81: Schreiben vom 19.12.1915, LHAKO Best. 403 Nr. 5378, S. 323.
  • 82: Bekanntmachung des Kommandierenden Generals vom 21.10.1916, LHAKO Best. 403 Nr. 12891, S. 179.
  • 83: LHAKO Best. 403 Nr. 12891, S. 3-6.
  • 84: LHAKO Best. 403 Nr. 12891, S. 29.
  • 85: LHAKO Best. 403 Nr. 12891, S. 179.
  • 86: LHAKO Best. 403 Nr. 12891, S. 189f.
  • 87: LHAKO Best. 403 Nr. 12891, S. 191.
  • 88: LHAKO Best. 403 Nr. 5378, S. 233.
  • 89: Akte „Fürsorge für die aus feindlichen Ländern heimkehrenden Deutschen“, LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 1-2.
  • 90: LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 9-14.
  • 91: LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 53-60.
  • 92: LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 65-66.
  • 93: LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 138-140.
  • 94: LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 100-130.
  • 95: Auskunft des Regierungspräsidenten vom 7.3.1915, LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 132.
  • 96: LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 144-145.
  • 97: LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 148, 152.
  • 98: LHAKO Best. 403 Nr. 13178, S. 202-211. Seit diesem Zeitraum habe jedoch die Zahl der Flüchtlinge dramatisch zugenommen, so der Bericht. Diese neue Flüchtlingswelle, die vor allem über Holland in die Rheinprovinz führte, betraf jedoch den Norden der Rheinprovinz, nicht die Koblenzer Gegend; ihre Versorgung wurde vom Provinzialverband übernommen.
  • 99: LHAKO Best. 441 Nr. 14885.
  • 100: Kapitelzitat: Bericht des Landrats von Mayen vom 1.8.1914, LHAKO Best. 403 Nr. 12310, S. 63.
  • 101: LHAKO Best. 403 Nr. 12310, S. 61-64.
  • 102: LHAKO Best. 403 Nr. 12310, S. 79.
  • 103: Brief vom 1.8.1914.
  • 104: LHAKO Best. 403 Nr. 12311, S. 109-110.
  • 105: LHAKO Best. 403 Nr. 12311, S. 234-292, Koblenzer Zahlen S. 254.
  • 106: Erläuterungen zur Verordnung vom 27.10.1914, LHAKO, Best. 403 Nr. 12312, S. 41-43.
  • 107: LHAKO Best. 403 Nr. 12312, S. 45.
  • 108: Zu den Teilnehmern zählten: als Vertreter der stellvertretenden Generalkommandos des VII. der Kommandierende General Freiherr von Bissing und des VIII. Armeekorps der Wirkliche Geheime Kriegsrat Dornbach, Intendant, als Vertreter des Gouvernements Köln der Intendanturrat Vollbracht, Vorstand des Gouvernements, als Vertreter des Regierungspräsidenten von Aachen der Oberregierungsrat Busenitz mit unter anderem dem Oberbürgermeister von Aachen, der Regierungspräsident von Koblenz, Scherenberg, mit den Landräten aus Ahrweiler, St. Goar, Neuwied und Kreuznach, der Regierungspräsident von Köln, Steinmeister, mit unter anderem den Oberbürgermeistern von Köln und Bonn sowie dem Polizeipräsidenten von Köln, der Regierungspräsident von Düsseldorf, Kruse, mit unter anderem den Oberbürgermeistern von Düsseldorf und Barmen, der Regierungspräsident von Trier, Baltz, mit einem Referenten und dem Landrat von Halfern aus Ottweiler, der Regierungspräsident von Bake aus Arnsberg und von der Landwirtschaftskammer der Rheinprovinz deren Vorsitzender von Groote.
  • 109: Protokoll der Sitzung, LHAKO Best. 403 Nr. 12312, S. 567.
  • 110: Protokoll der Sitzung, LHAKO Best. 403 Nr. 12312, S. 573-574.
  • 111: Protokoll der Sitzung, LHAKO Best. 403 Nr. 12312, S. 561-586.
  • 112: LHAKO Best. 403 Nr. 12312, S. 435.
  • 113: LHAKO Best. 403 Nr. 12312, S. 627.
  • 114: LHAKO Best. 403 Nr. 12312 S. 689-694.
  • 115: LHAKO Best. 403 Nr. 12637, S. 297-302. Für den Korpsbezirk des VII. Armeekorps liegt eine solche Anordnung mit Datum 15.2.1915 vor, LHAKO Best. 403 Nr. 12637, S. 303.
  • 116: Vgl. den Beitrag über Trier im Ersten Weltkrieg in diesem Portal.
  • 117: LHAKO Best. 403 Nr. 12637, S. 201.
  • 118: LHAKO Best. 403 Nr. 12637 S. 203.
  • 119: LHAKO Best. 403 Nr. 12637 S. 243.
  • 120: abei stellte das Militär seine eigenen Anforderungen, die im rückwärtigen Raum der Front deutlich stärker zum Tragen kam als in unmittelbarer Frontnähe. Im Landeshauptarchiv Koblenz ist eine ganze Akte über die Bewirtschaftung von Rohstoffen überliefert, die anscheinend nach ihrer Wichtigkeit für die Armee nacheinander reguliert wurden. Erst ging es um Brennstoffe, vor allem Benzin, dann um Großtierhäute, dann Wolle. Das Verfahren dabei war immer dasselbe: Das Stellvertretende Generalkommando (bei Benzin vor allem das des VII. Armeekorps, bei Wolle das des VIII. Armeekorps) erließ die entsprechende Verordnung, der Oberpräsident sorgte für die Verteilung an die Regierungspräsidenten mit der Bitte um Umsetzung. Am Beispiel der Wolle sei es kurz dargelegt: Ein Schreiben des Stellvertretenden Generalkommandos des VIII. Armeekorps an Regierungspräsidenten der Provinz vom 26.11.1914 bat um Anweisung an die ihnen unterstellten Polizeibehörden, auf den Wollhandel „besonderes Augenmerk“ zu richten. „Verdächtige Aufkäufer sind anzuhalten und ihre Person und der Zweck ihres Treibens festzustellen. Ergibt sich die Absicht der Ausfuhr, so sind die Personen festzunehmen und ihre Bestände an Wolle zu beschlagnahmen.“
  • 121: abei wurden tatsächlich alle Anstrengungen unternommen, um eine Verknappung von Gütern zu vermeiden. So übersandte am 27.11.1914 das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten dem Oberpräsidenten zur Weiterleitung ein Rundschreiben zum Thema „Müllverwertung“, in dem Hinweise auf die Vermeidung von unnützem Müll beziehungsweise die Verschwendung von Nahrungsmitteln und stattdessen deren sinnvoller Einsatz zum Beispiel zur Nutztierernährung gegeben werden.
  • 122: LHAKO Best. 403 Nr. 12660, S. 37-41.
  • 123: LHAKO Best. 403 Nr. 12660, S. 67-70.
  • 124: LHAKO Best. 403 Nr. 12660, S. 129.
  • 125: Eine Sammlung dieser und weiterer Publikationen in: LHAKO Best. 403 Nr. 12660.
  • 126: LHAKO Best. 441 Nr. 14902. Vgl. auch Horst Romeyk, Verwaltungs- und Behördengeschichte der Rheinprovinz 1914-1945, Düsseldorf 1985, S. 76-77.
  • 127: LHAKO Best. 441 Nr. 14902.
  • 128: LHAKO Best. 441 Nr. 14902.
  • 129: LHAKO Best. 441 Nr. 14902.
  • 130: LHAKO Best. 441 Nr. 14902. Das Organigramm der Kriegsamtsstelle Koblenz findet sich ebenfalls in dieser Akte.
  • 131: Einen Überblick bietet https://stadtarchivkoblenz.files.wordpress.com/2016/01/stadtchronik_1501-1918.pdf (aufgerufen am 28.06.2019)
  • 132: Kapitelzitat: Klage des Bahnhofskommandanten von Bingerbrück über die schlechte Verdunklung vom 4.10.1918, LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 133: Siehe Brief von Moriz Freiherr von Lyncker vom 19.0.1914, in: Afflerbach, Kaiser Wilhelm II. als oberster Kriegsherr, S. 136-137.
  • 134: Empfohlen wurden: das Aufsuchen der unteren Stockwerke von Gebäuden, vorzugsweise in der Nähe der Ausgänge als Schutz gegen einschlagende Bomben, gegen herabfallende Geschosse der Maschinengewehre oder Ballon-Abwehr-Kanonen Aufenthalt in einem Zimmer, jedoch nicht am Fenster.
  • 135: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 136: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 137: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 138: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 139: LHAKO Best. 441 Nr. 14887.
  • 140: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 141: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 142: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 143: Telegramm vom 3.8.1916, LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 144: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 145: Bericht vom 26.2.1917, LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 146: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 147: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 148: Stellvertretendes Generalkommando des XXI. Armeekorps an den Regierungspräsidenten von Koblenz am 20.12.1917, LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 149: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 150: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 151: LHAKO Best. 441 Nr. 14887. Es gibt auch keine Hinweise in der Akte, dass dies jemals erfolgte.
  • 152: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 153: LHAKO Best. 441 Nr. 14887.
  • 154: LHAKO Best. 403 Nr. 14149, S. 379-382.
  • 155: LHAKO Best. 403 Nr. 14149, S. 591-593, 599.
  • 156: Bericht des Polizeidirektors 21.5.1918 über Angriff in der vorangegangenen Nacht, LHAKO Best. 403 Nr. 14149, S. 633-634.
  • 157: as galt auch für einen Angriff am 6.6.1918: „Heute Vormittag 8.07 wurde von der zuständigen militärischen Stelle Fliegeralarm angeordnet, der sofort durch Sirenenzeichen und Signalbombenabschuss zur Ausführung gebracht wurde. Um 8.24 Uhr traten die Abwehrgeschütze in Tätigkeit.“ Es folgte wiederum eine straßengenaue Aufstellung der Einschläge der insgesamt 17 Bomben. Auch dieses Mal wurde kein Personenschaden und nur geringer Sachschaden bekannt. „Um 8.50 Uhr war der Alarm beendet. Das Verhalten der Bevölkerung war im allgemeinen gut. Die gegebenen Verhaltungsmaßregeln haben sich wieder bewährt. Die feindlichen Flieger sind anscheinend aus der Richtung von Trier die Mosel entlang geflogen, bis unmittelbar vor den Hauptbahnhof gelangt, dort vom Feuer der Abwehrgeschütze zur Umkehr gezwungen und der Mosel entlang wieder abgeflogen.“
  • 158: Bericht zum 3.7.1918, LHAKO Best. 403 Nr. 14149, S. 743-744, zum 8.7.1918: S. 751-752.
  • 159: LHAKO Best. 403 Nr. 14149, S. 791-792.
  • 160: LHAKO Best. 441 Nr. 14907.
  • 161: LHAKO Best. 716 Nr. 107, S. 79. Vgl. zu seinen Ausführungen zum Kriegsausbruch auch Anm. 24 dieses Beitrags.
  • 162: LHAKO Best. 716 Nr. 107, S. 92-93.
  • 163: LHAKO Best. 716 Nr. 107, S. 104-105.
  • 164: LHAKO Best. 716 Nr. 107, S. 115.
Zitationshinweis

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Dorfey, Beate, „… und der Kriegsgott verteilt blutrote Lorbeeren“: Koblenz im Ersten Weltkrieg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/%25E2%2580%25A6-und-der-kriegsgott-verteilt-blutrote-lorbeeren-koblenz-im-ersten-weltkrieg/DE-2086/lido/5f55f22ceb68d4.36086587 (abgerufen am 28.10.2021)