Am Anfang der Positionen und Begriffe: Carl Schmitt in Bonn

René Schulz (Bonn)

Porträtfoto Carl Schmitts aus den 1920er Jahren. (© Carl-Schmitt-Gesellschaft e.V.)

1. Einleitung

Für die ei­nen war er der „Kron­ju­rist des III. Rei­ches“[1] und ein „Zu­häl­ter der Ge­wal­t“[2], für die an­de­ren ein mo­der­ner „Klas­si­ker des po­li­ti­schen Den­ken­s“[3]. Le­ben und Werk des Staats- und Völ­ker­recht­lers Carl Schmitt (1888-1985) po­la­ri­sie­ren bis heu­te und ein En­de ist nicht ab­zu­se­hen. Sei­ne Be­ra­ter­rol­le bei der De­mon­ta­ge der par­la­men­ta­ri­schen De­mo­kra­tie im Prä­si­di­al­sys­tem der spä­ten Wei­ma­rer Re­pu­blik, sein na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sches En­ga­ge­ment, der Il­li­be­ra­lis­mus sei­ner Wer­ke und der tief sit­zen­de an­ti­se­mi­ti­sche Af­fekt lie­gen dank der nicht mehr zu über­schau­en­den For­schung und der Edi­ti­on zahl­rei­cher Schmitt­scher Selbst­zeug­nis­se in er­schre­cken­der Wei­se of­fen zu Ta­ge. Und doch darf der aus dem klei­nen west­fä­li­schen Plet­ten­berg stam­men­de Ju­rist heu­te als ei­ner der meist­ge­le­se­nen und ein­fluss­reichs­ten po­li­ti­schen Den­ker des letz­ten Jahr­hun­derts gel­ten.

In Fas­zi­na­ti­on und Ab­scheu lie­gen Fo­kus und Flucht­punkt der Be­schäf­ti­gung mit Carl Schmitt all­zu oft auf dem „tra­hi­son de cler­c“ (Ju­li­en Ben­da), dem Ver­rat des In­tel­lek­tu­el­len an den Schlüs­sel­wer­ten sei­ner geis­ti­gen Exis­tenz zu­guns­ten ei­ner men­schen­ver­ach­ten­den Dik­ta­tur und ih­rem Wahn, von dem sich Schmitt nie mehr er­hol­te.[4] Sein En­ga­ge­ment für den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus war ge­nau­so wie sei­ne Ent­täu­schung über die­sen ge­wiss kein Zu­fall, vor die­sem viel viel­be­ach­te­ten Fall des Staats­leh­rers, im dop­pel­ten Wort­sin­ne, lag je­doch der über­schat­te­te Auf­stieg ei­nes jun­gen Rechts­ge­lehr­ten: Der Be­ginn der 1920er Jah­re brach­te dem Do­zen­ten der exis­tenz­ge­fähr­de­ten Münch­ner Han­dels­hoch­schu­le den ers­ten Ruf auf ei­nen Lehr­stuhl in Greifs­wald (1921/1922) und nur kur­ze Zeit spä­ter den Wech­sel an ei­ne der re­nom­mier­tes­ten Uni­ver­si­tä­ten der noch jun­gen Re­pu­blik nach Bonn.

Trotz ei­nes grund­le­gen­den Früh­werks, in dem er das po­si­ti­vis­ti­sche Rechts­ver­ständ­nis ver­warf, In­di­vi­dua­lis­mus und Men­ta­li­tät des deut­schen Bür­ger­tums als „Po­li­ti­sche Ro­man­ti­k“ (1919) kri­ti­sier­te und „Die Dik­ta­tur“ (1921) in Rechts- wie Geis­tes­ge­schich­te aus­leuch­te­te, wird Schmitt erst im Rhein­land, wie es sein Bio­graph Rein­hard Meh­ring her­vor­ge­ho­ben hat, „als Ju­rist mit sei­nen Über­zeu­gun­gen greif­bar.“ Erst am Rhein „wird er der po­li­ti­sche Au­tor, als den man ihn heu­te kennt.“[5] Si­cher­lich wur­de sei­ne Po­si­tio­nie­rung durch ei­nen Lehr­stuhl an ei­ner gro­ßen und be­deu­ten­den Uni­ver­si­tät wie Bonn er­leich­tert, doch es war - wie oft­mals hin­ge­wie­sen - die dra­ma­ti­sche Kri­sen­la­ge der um ih­re Exis­tenz rin­gen­den Wei­ma­rer Re­pu­blik so­wie die Si­tua­ti­on des Rhein­lan­des nach dem ver­lo­re­nen Welt­krieg, die den jun­gen Bon­ner Pro­fes­sor zu sei­nen ers­ten In­ter­ven­tio­nen mo­ti­vier­te.[6] Wie po­si­tio­nier­te sich der auf­stre­ben­de Staats­leh­rer in sei­ner Zunft und wel­che Bon­ner oder auch all­ge­mein rhei­ni­schen Be­zü­ge sei­nes Wer­kes sind er­kenn­bar? Die­se durch­aus am­bi­va­len­te Be­zie­hungs­ge­schich­te soll im Fol­gen­den skiz­ziert wer­den.

2. Der Wechsel nach Bonn: Eine Juristische Fakultät zwischen Kontinuität und Wandel

Schmitts Wech­sel aus sei­nem nur ein­se­mest­ri­gen „Greifs­wal­der In­ter­mez­zo“[7] nach Bonn voll­zog sich äu­ßerst rasch: Mit Er­lass des preu­ßi­schen Kul­tus­mi­nis­ters vom 25.3.1922 wur­de er an die rhei­ni­sche Al­ma Ma­ter ver­setzt. Die Ju­ris­ti­sche Fa­kul­tät er­fuhr erst am 30. März von sei­nem Amts­an­tritt zum 1. April.[8] Schon früh war Schmitts Na­me für den frei­wer­den­den Lehr­stuhl des nach Ber­lin wech­seln­den Staats- und Kir­chen­recht­lers Ru­dolf Smend (1882-1975) im Ge­spräch ge­we­sen und es ist Smend so­wie sei­nem Kol­le­gen, dem Völ­ker­recht­ler Erich Kauf­mann (1880-1972) zu ver­dan­ken, dass sich Schmitt trotz Be­den­ken der Fa­kul­tät ge­gen die an­de­ren in Be­tracht kom­men­den Ge­lehr­ten durch­set­zen konn­te.[9] Der Wech­sel stell­te ei­nen er­heb­li­chen Kar­rie­re­sprung für Schmitt dar: Von der kleins­ten preu­ßi­schen Uni­ver­si­tät wech­sel­te er zur zweit­grö­ß­ten, die sich im Lau­fe des 19. Jahr­hun­derts zur zwei­ten preu­ßi­schen End­sta­ti­ons­uni­ver­si­tät für Pro­fes­so­ren­lauf­bah­nen nach Ber­lin ent­wi­ckelt hat­te.[10]

Die als Boll­werk des pro­tes­tan­ti­schen Preu­ßens im ka­tho­li­schen Rhein­land ge­grün­de­te Uni­ver­si­tät Bonn hat­te je­doch in Fol­ge der Nie­der­la­ge und der Re­vo­lu­ti­on von 1918 er­heb­lich an Glanz ein­ge­bü­ßt. Die Glo­rio­le der eins­ti­gen Prin­zen­uni­ver­si­tät war mit dem Um­bruch zur Re­pu­blik ver­blasst. Mit der Grün­dung der Uni­ver­si­tät Köln war ihr zu­dem 1919 in di­rek­ter Nach­bar­schaft Kon­kur­renz er­wach­sen. Schlim­mer als all das wirk­te nur noch die al­li­ier­te Be­sat­zung des Rhein­lan­des – in Bonn zu­erst durch bri­ti­sche, ab 1920 durch fran­zö­si­sche Trup­pen. Die­se Ein­bu­ßen hat­te auch der Ju­rist und Rek­tor Ernst Zi­tel­mann (1852-1923) im Blick, als er zur be­schei­de­nen Hun­dert­jahr­fei­er der Uni­ver­si­tät am 3.8.1919 das ver­lo­re­ne „Gut der Frei­heit“ be­schwor, der Ge­fal­le­nen ge­dach­te und in Dank­bar­keit an die en­ge Ver­bun­den­heit mit der ver­schwun­de­nen Ho­hen­zol­lern­mon­ar­chie er­in­ner­te.[11]

Zi­tel­mann selbst ge­hör­te ne­ben Ernst Lands­berg (1860-1927), Karl Berg­bohm (1849-1927), Carl Cro­me (1859-1931), Hein­rich Göp­pert (1867-1937), Kauf­mann und Smend zu den her­aus­ra­gen­den und prä­gen­den Köp­fen der Bon­ner Ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät. Ih­re Aus­stat­tung nahm sich zu Schmitts Zei­ten al­ler­dings be­schei­den aus: Das Ju­ris­ti­sche Se­mi­nar be­leg­te das Erd­ge­schoss des kur­fürst­li­chen Re­si­denz­schlos­ses in der Fran­zis­ka­ner­stra­ße 13 am Stock­en­tor, wo es le­dig­lich über ein all­ge­mei­nes Do­zen­ten­zim­mer und nur ei­ni­ge we­ni­ge As­sis­ten­ten und Hilfs­kräf­te ver­füg­te.[12] Be­trach­tet man die per­so­nel­le Zu­sam­men­set­zung der Fa­kul­tät zu Be­ginn der 1920er Jah­re, do­mi­nier­te noch ein Lehr­kör­per, der – zum we­sent­li­chen Teil vor 1900 er­nannt – sei­ne grö­ß­ten Leis­tun­gen im wil­hel­mi­ni­schen Kai­ser­reich ge­fei­ert hat­te. Schmitt kam in ei­nen ein­set­zen­den Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel hin­ein nach Bonn, denn bis zum En­de des Jahr­zehnts er­neu­er­te sich die Fa­kul­tät mit ei­ner jün­ge­ren Ju­ris­ten­ge­ne­ra­ti­on, die sich zu neu­en Ufern auf­ma­chen soll­te, grund­le­gend.[13] 

Die Ju­ris­ti­sche Fa­kul­tät konn­te bei al­lem Wan­del auf ei­ne lan­ge und gro­ße Tra­di­ti­on zu­rück­bli­cken, in der das Rö­mi­sche Recht ei­nen ho­hen Stel­len­wert ein­nahm. Der 1919 eme­ri­tier­te Paul Krü­ger wirk­te zu­sam­men mit Theo­dor Momm­sen (1817-1903) an der Edi­ti­on des Cor­pus Iuris ci­vi­lis. Ne­ben ihm mehr­te vor al­lem Ernst Lands­berg, von Hau­se aus Ro­ma­nist und der ers­te Pri­vat­do­zent jü­di­schen Glau­bens an der Fa­kul­tät[14], in der Nach­fol­ge sei­nes aka­de­mi­schen Leh­rer­s Ro­de­rich von Stint­zing Ruhm und Be­deu­tung der Rechts­ge­schich­te in Bonn. Nach der Er­rich­tung des kir­chen­recht­li­chen In­sti­tuts durch Ul­rich Stutz im Jah­re 1904 und sei­ner Grund­la­gen­ar­beit fand eben­so die his­to­ri­sche Ka­no­nis­tik ste­te Be­rück­sich­ti­gung durch die nach­fol­gen­den Bon­ner Rechts­his­to­ri­ker. Als in­tel­lek­tu­el­les Haupt der al­ten Fa­kul­tät galt der stär­ker auf das an­ge­wand­te Recht aus­ge­rich­te­te Ernst Zi­tel­mann, wel­cher mit dem aus­ge­wie­se­nen Ken­ner des Code ci­vil, Carl Cro­me, in ei­nem Rangstreit um Be­deu­tung und Pres­ti­ge stand.[15]

Die Fa­kul­tät wand­te sich al­ler­dings auch neu­en Rechts­ge­bie­ten zu. Lands­berg, als En­kel der Ban­kiers­fa­mi­lie Bam­ber­ger und Schwa­ger des rhei­ni­schen Gro­ß­in­dus­tri­el­len Paul Sil­ver­berg eng mit der Wirt­schafts­welt ver­bun­den, er­mög­lich­te zu­sam­men mit dem Vor­stands­vor­sit­zen­den von Bay­er Le­ver­ku­sen und Prä­si­den­ten der 1917 ins Le­ben ge­ru­fe­nen Ge­sell­schaft der Freun­de und För­de­rer der Uni­ver­si­tät Bonn (Geff­rub), Carl Duis­berg die Ein­rich­tung ei­nes Lehr­stuhls für Han­dels- und In­dus­trie­recht, den 1919 der Un­ter­staats­se­kre­tär im Preu­ßi­schen Be­wirt­schaf­tungs­amt, Hein­rich Göp­pert ein­nahm.[16] Göp­pert ver­half mit grund­le­gen­den Ar­bei­ten über das Ver­hält­nis von Staat und Wirt­schaft dem neu ge­grün­de­ten In­dus­trie­recht­li­chen Se­mi­nar zu gro­ßer An­er­ken­nung und wirk­te über be­deu­ten­de Schü­ler fort, zu de­nen auch Ernst Ru­dolf Hu­ber zähl­te, der 1926 bei Schmitt pro­mo­vie­ren soll­te.[17]

Mit dem Ers­ten Welt­krieg, dem Un­ter­gang des al­ten eu­ro­päi­schen Mäch­te­sys­tems west­fä­li­scher Prä­gung und der Eta­blie­rung ei­ner li­be­ra­len Nach­kriegs­ord­nung, die das Selbst­be­stim­mungs­recht der Völ­ker pro­kla­mier­te und vom ius ad bel­lum ab­rück­te, voll­zog sich zu­gleich der Über­gang vom so­ge­nann­ten klas­si­schen zum mo­der­nen Straf- und Völ­ker­recht. Dies spie­gel­te sich auch im Wir­ken der Bon­ner Ju­ris­ten wi­der. Im Völ­ker­recht wies Karl Berg­bohm mit sei­ner Leh­re vom letzt­lich nur auf Staats­wil­len und Staats­au­to­no­mie grün­den­den in­ter­na­tio­na­len Recht noch lan­ge weit ins 19. Jahr­hun­dert zu­rück.[18] Nach­dem Fa­kul­tät und Ber­li­ner Kul­tus­mi­nis­te­ri­um er­folg­los ver­sucht hat­ten, Max We­ber (1864-1920) auf ei­nen für ihn ma­ß­ge­schnei­der­ten Bon­ner Lehr­stuhl für Staats­leh­re und Po­li­tik zu ho­len, wur­de 1920 mit Erich Kauf­mann ein Völ­ker­rechts­leh­rer be­ru­fen, der das in­ter­na­tio­na­le öf­fent­li­che Recht nicht mehr län­ger als blo­ße Sub­ord­i­na­ti­ons­ord­nung, son­dern viel­mehr als kom­ple­xe Ko­or­di­nie­rungs­ord­nung ver­stand.[19] 

Al­ler­dings war Kauf­mann als Be­ra­ter des Aus­wär­ti­gen Am­tes (AA) für die vom Ver­sailler Ver­trag ge­schaf­fe­nen Rechts­pro­ble­me Deutsch­lands in Be­zug auf Ost­eu­ro­pa und Min­der­hei­ten­fra­gen seit 1922 fast stän­dig be­ur­laubt, was ei­ne er­heb­li­che Be­las­tung der eh schon per­so­nel­len Fluk­tua­tio­nen un­ter­wor­fe­nen Fa­kul­tät dar­stell­te.[20] Schmitt lehr­te da­her nur vom Win­ter­se­mes­ter 1924/1925 bis zum Som­mer­se­mes­ter 1926 ne­ben Kauf­mann, wäh­rend an­de­re Bon­ner Grö­ßen wie Lands­berg oder Göp­pert durch­gän­gig in der Leh­re tä­tig wa­ren.[21] Ge­mein­sam mit Kauf­mann, ge­gen den er wohl nicht zu­letzt auf­grund der stän­di­gen Be­ur­lau­bun­gen lang­sam Aver­sio­nen ent­wi­ckel­te, über­nahm Schmitt 1923 die Lei­tung des durch Zu­sam­men­le­gung be­ste­hen­der Se­mi­na­re neu ent­stan­de­nen In­sti­tuts für in­ter­na­tio­na­les Recht und Po­li­tik.[22] 

Ab Mai 1922 be­gann er Staats­recht, Ver­wal­tungs- und Völ­ker­recht so­wie Po­li­tik und po­li­ti­sche Ide­en­ge­schich­te zu le­sen. Auch wenn sei­ne An­kün­di­gun­gen im Vor­le­sungs­ver­zeich­nis sehr all­ge­mein ge­hal­ten wa­ren und ein Stan­dard­re­per­toire ge­hal­ten wer­den muss­te, las­sen sich doch ein paar Auf­fäl­lig­kei­ten fest­hal­ten: 1923/1924 als auch 1926/1927 über­nahm Schmitt in Ver­tre­tung für Kauf­mann mit dem Völ­ker­recht ein Fach­ge­biet, auf dem er bis da­hin kaum in Er­schei­nung ge­tre­ten ist. Be­mer­kens­wert ist eben­falls die gro­ße Zahl an Ver­an­stal­tun­gen zur Ide­en­ge­schich­te und Staats­theo­rie, die ne­ben der Lehr­stuhl- und Se­mi­nar­aus­rich­tung auch sei­nem ei­ge­nen geis­tes­ge­schicht­li­chen Ar­beits­an­satz ge­schul­det sein dürf­te.[23] 

Ne­ben dem ein­set­zen­den Vor­le­sungs­be­trieb mach­te sich der neue Pro­fes­sor in sei­nem ers­ten Bon­ner Se­mes­ter mit dem Lehr­kör­per der Fa­kul­tät ver­traut. Zu den vor­läu­fig engs­ten Kol­le­gen zähl­ten Kauf­mann und Lands­berg, mit de­nen er auch pri­vat ver­kehr­te und sich ge­gen­sei­tig in den Vor­le­sun­gen be­such­te.[24] Wie eng sich der pri­va­te Ver­kehr mit Lands­berg an­fäng­lich ge­stal­te­te, il­lus­triert auch Schmitts Kon­takt zu des­sen Sohn, Paul Lud­wig Lands­berg (1901-1944), ei­nes bei Max Scheler (1874-1928) in Köln pro­mo­vie­ren­den Phi­lo­so­phen, der die „Po­li­ti­sche Ro­man­ti­k“ be­geis­tert ge­le­sen hat­te und auf sei­nen Va­ter Ein­fluss zu Guns­ten von Schmitts Be­ru­fung ge­übt ha­ben mag.[25] 

Zu den di­rek­ten Kol­le­gen der Zunft tra­ten schnell ei­ni­ge Ver­bin­dun­gen zu an­de­ren Fach­ver­tre­tern. Un­ter ih­nen ra­gen früh we­gen ih­res recht un­ge­trüb­ten freund­schaft­li­chen Um­gangs der ka­tho­li­sche Kir­chen- und Kunst­his­to­ri­ker Wil­helm Neuß und der Mu­sik­wis­sen­schaft­ler Ar­nold Schmitz (1893-1980) her­aus, wel­che die kunst­in­ter­es­sier­te und re­li­gi­ös-in­di­vi­dua­lis­ti­sche Sai­te des Ju­ris­ten zum Klin­gen brach­ten.[26] Schmitt scheint ins­ge­samt sehr schnell und freund­lich von der über­schau­ba­ren Bon­ner Ge­lehr­ten­welt und sei­nen Fach­kol­le­gen auf­ge­nom­men wor­den zu sein, was er al­ler­dings bei ein­zel­nen Per­so­nen, die sei­ne Po­si­ti­on be­rühr­ten, mit sehr ge­misch­ten Ge­füh­len oder gar Res­sen­ti­ments be­ant­wor­te­te.

3. Der Weimarer Methodenstreit und die Bonner Staatsrechtslehre

Der Ers­te Welt­krieg und sein Aus­gang stell­ten wis­sen­schafts­über­grei­fend ei­nen epo­cha­len Ein­schnitt dar. Die deut­sche His­to­ri­ker­zunft er­hielt mit der Kriegs­schuld­fra­ge ein die ge­sam­te Na­ti­on be­we­gen­des The­ma, an dem sie sich re­gel­recht ab­ar­bei­te­te. Die pro­tes­tan­ti­sche Theo­lo­gie muss­te den Ver­lust des ord­nungs­stif­ten­den Sum­mes­pis­ko­pus ver­ar­bei­ten, wäh­rend die ka­tho­li­sche Theo­lo­gie vor der Auf­ga­be stand, ei­nen Um­gangs­mo­dus mit dem neu­en frei­heit­li­chen Staat zu fin­den. Die Rechts­wis­sen­schaft, ih­rer ei­ge­nen Grund­la­gen nicht mehr si­cher, hat­te den Weg zur li­be­ra­len De­mo­kra­tie erst noch zu su­chen.

Es kam in­ner­halb der ju­ris­ti­schen Zunft zu ei­nem, seit 1926 auch selbst dia­gnos­ti­zier­ten „Me­tho­den­streit“, der deut­li­che Zü­ge ei­nes Ge­ne­ra­tio­nen­kon­flikts in sich trug.[27] Ei­ne be­deu­ten­de Zahl her­aus­ra­gen­der Köp­fe er­kann­te in ihm den vor­läu­fi­gen Schluss­punkt ei­ner lan­ge schon vor dem Welt­krieg ein­set­zen­den Kri­se, die zu­neh­mend den „Zen­tral­nerv des Fa­ches“ be­rühr­te[28], näm­lich die Fra­ge nach Weg und Aus­rich­tung der deut­schen Staats­rechts­leh­re in der Wei­ma­rer Re­pu­blik. Ge­gen den Ver­such des ös­ter­rei­chi­schen Staats- und Völ­ker­recht­lers Hans Kel­sen (1881-1973), das Rechts­den­ken von je­dem me­ta­ju­ris­ti­schen Ein­fluss ab­zu­schnei­den, for­mier­te sich ei­ne he­te­ro­ge­ne Grup­pe An­ti­po­si­ti­vis­ten, zu de­nen deutsch­na­tio­na­le Skep­ti­ker wie Smend und Kauf­mann eben­so ge­hör­ten wie der ent­schie­de­ne Re­pu­bli­ka­ner Her­mann Hel­ler (1891-1933) und die so­mit wis­sen­schaft­li­che Fron­ten schu­fen, die „quer zu den po­li­ti­schen“ ver­lie­fen.[29] Nicht nur vor dem Hin­ter­grund des „Me­tho­den-“ oder auch „Rich­tungs­streits“[30] der Wei­ma­rer Staats­rechts­leh­re al­lein ist es loh­nens­wert, ei­nen Blick auf die Stel­lung der Bon­ner Staats­rechts­leh­re in die­ser Aus­ein­an­der­set­zung und da­mit auf das nä­he­re Um­feld von Schmitts ei­ge­ner Po­si­tio­nie­rung zu wer­fen.

Moch­ten vie­le wie Ernst Zi­tel­mann dem Glanz und der Pro­tek­ti­on durch die Ho­hen­zol­lern­mon­ar­chie nach­trau­ern, vom mon­ar­chi­schen Ge­dan­ken ließ sich nicht nur kei­ne staat­li­che Le­gi­ti­mi­tät mehr ab­lei­ten, er hat­te auch längst nicht mehr als Be­grün­dungs­ba­sis ge­dient. Mit Karl Berg­bohm als Bonns viel­leicht wich­tigs­tem Rechts­phi­lo­so­phen hat­te der Po­si­ti­vis­mus um die Jahr­hun­dert­wen­de am Rhein Ein­zug ge­hal­ten. In schar­fer Front­stel­lung so­wohl zum Na­tur­recht als auch zur His­to­ri­schen Rechts­schu­le er­klär­te Berg­bohm das zu „Rech­t“, was auch tat­säch­lich prak­ti­ziert wer­de und so­mit von Wün­schen oder An­schau­un­gen klar zu tren­nen sei.[31] Schmitt selbst er­kann­te Jah­re nach sei­ner Bon­ner Zeit an, dass der Po­si­ti­vis­mus in Berg­bohms Rechts­leh­re sei­nen „kla­ren und bes­ten Aus­druck ge­fun­den“ ha­be.[32] Er ver­gaß aber an an­de­rer Stel­le nicht, sie ein „der­bes Bei­spiel na­ivs­ten Ge­set­zes­po­si­ti­vis­mus“ zu hei­ßen.[33] Mit der Be­ru­fung Ru­dolf Smends nach Bonn wur­de ab 1914 schlie­ß­lich ei­ne Ab­kehr vom Po­si­ti­vis­mus ein­ge­lei­tet. Sei­ne spä­te­re und bis in die jün­ge­re Ver­gan­gen­heit hin­ein ge­fei­er­te In­te­gra­ti­ons­leh­re war im We­sent­li­chen schon in sei­nen Bon­ner Jah­ren an­ge­legt.[34] Sei­ne dort auf­ge­nom­me­nen rechts­his­to­ri­schen Stu­di­en ver­an­schau­lich­ten ihm, dass so­wohl die In­ter­pre­ta­ti­on als auch die An­wen­dung von Rechts­nor­men im Lau­fe der Zeit ei­nem star­ken Wan­del un­ter­lie­gen kön­nen. „Rech­t“ be­deu­te­te für ihn in die­sem Zu­sam­men­hang nicht das staat­lich ge­setz­te Recht al­lein, son­dern auch die Rechts­pra­xis. Recht­s­prin­zi­pi­en und -nor­men gal­ten ihm folg­lich eher als Richt­li­ni­en zu­läs­si­ger In­ter­pre­ta­tio­nen und Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten.[35] 

Nur we­nig über­schnitt sich Smends Bon­ner Wir­ken mit dem von Erich Kauf­mann, des­sen Leh­re im Lau­fe sei­nes wech­sel­vol­len Le­bens im „Zeit­al­ter der Ex­tre­me“ (Eric Hobs­bawm) star­ken Ver­än­de­run­gen aus­ge­setzt war. In sei­ner Bon­ner Zeit rich­te­ten sich Kauf­manns Über­le­gun­gen mehr und mehr ge­gen den Po­si­ti­vis­mus. Kants Tren­nung von Sein und Sol­len fol­gend, un­ter­schied Kauf­mann zu­nächst zwi­schen po­si­ti­vem Recht und Na­tur­recht, was ihm al­ler­dings bald mehr als frag­lich er­schien.[36] Er un­ter­nahm dar­auf­hin den Ver­such, das Sein der Macht mit dem Sol­len des Rechts zu ver­knüp­fen. Das In­di­vi­du­um und die Macht hät­ten es ge­mein­sam in der Hand, die sitt­li­che Grund­la­ge des Rechts zu rea­li­sie­ren oder zum Scha­den sei­ner Le­gi­ti­mi­tät zu ver­wer­fen. Mit­tels der clau­su­la re­bus sic stan­ti­bus (Be­stim­mung der gleich­blei­ben­den Um­stän­de) zeig­te er die Mög­lich­keit auf, dem po­si­ti­ven Recht Gren­zen zu set­zen.[37] 

Schmitt, der sich in sei­nem Früh­werk schon an­ti­po­si­ti­vis­tisch fest­ge­legt hat­te, gleich­wohl oh­ne da­bei deut­lich ma­chen zu wol­len, in wel­chem Sin­ne er die­se Grund­le­gung ge­brau­chen wer­de, stieß mit der Bon­ner Staats­rechts­leh­re zu ei­ner Fach­aus­rich­tung, die sich im an­ge­bro­che­nen „Me­tho­den­streit“ Wei­mars dem Kampf ge­gen den Rechts­po­si­ti­vis­mus ver­schrie­ben hat­te. In me­tho­di­scher wie in­halt­li­cher Rich­tung wird an Schmitts Kol­le­gen und sei­nen zu­min­dest in ih­rem An­ti­po­si­ti­vis­mus mit ihm über­ein­stim­men­den Bun­des­ge­nos­sen Smend und Kauf­mann ei­ne an­hal­tend star­ke Be­deu­tung der Rechts- und Staats­phi­lo­so­phie als auch ih­rer Ge­schich­te in Bonn deut­lich, die die­se Rechts­ge­lehr­ten als An­ge­hö­ri­ge ei­ner „geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Rich­tun­g“[38] ih­res Fa­ches aus­wies und als Grup­pe von Bon­ner Staats­rechts­leh­rern ei­ne in der ju­ris­ti­schen Zunft spe­zi­fi­sche und ab­grenz­ba­re Grund­po­si­ti­on ver­lieh. Erst nach Schmitts Weg­gang aus Bonn soll­te mit Ri­chard Tho­ma, dem Nach­fol­ger auf sei­nem Lehr­stuhl, 1928 ei­ne Spiel­art des Po­si­ti­vis­mus an die Fa­kul­tät zu­rück­keh­ren, die sich mit ei­nem so­zio­lo­gi­schen An­satz re­for­miert gab, aber auch in ent­schei­den­den Mo­men­ten auf die His­to­rio­gra­phie als Wert­ar­gu­ment zu­rück­griff.[39]

 

4. Schmitt als Bonner Staatslehrer: Eine Ankunft im katholischen Milieu?

Schmitts Le­ben in Bonn ver­lief wie auch schon zu­vor in un­ru­hi­gen Bah­nen. Der al­lein le­ben­de Pro­fes­sor lo­gier­te zu­erst bei ei­ner Ge­ne­rals­wit­we in der Me­cken­hei­mer Al­lee 45, ehe er im April 1924 sein Pen­si­ons­zim­mer für ei­ne Woh­nung in der En­de­ni­cher Al­lee 20 auf­ge­ben und schlie­ß­lich im Herbst 1926 in Bad Go­des­berg-Fries­dorf ein ei­ge­nes Haus be­zie­hen konn­te.[40] Wäh­rend der ers­ten Wo­chen und Mo­na­te stan­den der An­schluss an den Uni­ver­si­täts­be­trieb und die an­lau­fen­de Lehr­tä­tig­keit im Mit­tel­punkt. Sein Ta­ges­ab­lauf war be­stimmt von der manch­mal eher mä­ßi­gen Vor­be­rei­tung sei­ner Lehr­ver­an­stal­tun­gen und aus­gie­bi­gen Re­stau­rant- und Ca­fé­be­su­chen mit sei­nen neu­en Be­kann­ten. Zum ge­ra­de­zu le­gen­dä­ren Treff­punkt abend­li­cher Run­den mit Schü­lern und Freun­den avan­cier­te die Wein­stu­be Streng am Maus­pfad (heu­te Irish Pub Ja­mes Joy­ce), an die sich spä­ter Ernst Ru­dolf Hu­ber we­gen der „Ebe­ne frei­mü­ti­ger Dis­kus­si­on, aus der sich auch zwi­schen uns Jün­ge­ren ei­ne so star­ke Bin­dung fürs Le­ben ent­wi­ckelt ha­t“, noch gern er­in­ner­te.[41] 

En­de Ju­li 1922 be­such­te Lud­wig Feucht­wan­ger (1885-1947), Chef­lek­tor und Syn­di­kus bei Schmitts Haus­ver­lag Duncker & Hum­blot, sei­nen Au­tor in Bonn. Man wird da­von aus­ge­hen kön­nen, dass in die­sen Ta­gen die Pu­bli­ka­ti­on von Schmitts „Po­li­ti­scher Theo­lo­gie“ ver­ab­re­det wor­den ist, die noch im Kon­text sei­ner Münch­ner Zeit steht. Ih­re ers­ten drei Ka­pi­tel er­schie­nen im De­zem­ber 1922 im zwei­ten Band der „Er­in­ne­rungs­ga­be für Max We­ber“, an des­sen Do­zenten­se­mi­nar Schmitt in Mün­chen teil­ge­nom­men hat­te. Das vier­te Ka­pi­tel „Zur Staats­phi­lo­so­phie der Ge­gen­re­vo­lu­ti­on“ schrieb Schmitt in sei­nem ers­ten Bon­ner Som­mer, um sie der En­de des Jah­res er­schei­nen­den Ge­samt­s­chrift hin­zu­zu­fü­gen.[42] 

Die Ge­samt­s­chrift hebt mit ei­nem von Schmitts be­kann­tes­ten Sät­zen an: „Sou­ve­rän ist, wer über den Aus­nah­me­zu­stand ent­schei­det.“[43] Er führ­te in die­ser Kon­se­quenz die Sou­ve­rä­ni­tät als Grenz­be­griff in die mo­der­ne Staats­rechts­leh­re ein, der er ins Stamm­buch schrei­ben woll­te, dass die fun­da­men­ta­len Ele­men­te ei­ner staat­li­chen Rechts­ord­nung, Norm und Ent­schei­dungs­macht, im Mo­ment des Aus­nah­me­zu­stan­des aus­ein­an­der­fal­len. Der pro­gram­ma­ti­sche Ti­tel der Schrift er­gab sich aus der zwei­ten star­ken The­se Schmitts: „Al­le prä­gnan­ten Be­grif­fe der mo­der­nen Staats­leh­re sind sä­ku­la­ri­sier­te theo­lo­gi­sche Be­grif­fe.“[44] Er mein­te ei­ne Wahl­ver­wandt­schaft zwi­schen Ab­so­lu­tis­mus und The­is­mus zu er­ken­nen und sah im De­is­mus ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung für die Ent­wick­lung des mo­der­nen Rechts­staa­tes, wies die­se Ent­de­ckun­gen aber Hans Kel­sen zu[45], der ihm über die Fra­ge des Zu­sam­men­hangs von Welt­an­schau­ung und Staats­form zum Geg­ner wur­de. Wäh­rend die­ser im Geist des Re­la­ti­vis­mus ei­ne li­be­ra­le und plu­ra­lis­ti­sche De­mo­kra­tie ver­bürgt sah, ga­ran­tier­te für Schmitt nur ei­ne the­is­tisch-per­so­na­lis­ti­sche Welt­sicht fes­te po­li­ti­sche Au­to­ri­tät.[46] Die da­bei auf­ge­zeig­te Kon­kur­renz und Fra­gi­li­tät ei­ner sol­chen Welt­sicht schien ihn bei sei­ner hier­an an­schlie­ßen­de Par­tei­nah­me für ei­ne „Staats­phi­lo­so­phie der Ge­gen­re­vo­lu­ti­on“, wie er sie bei den re­ak­tio­nä­ren Theo­re­ti­kern Jo­seph de Maist­re (1753-1821), Louis-Ga­bri­el-Am­broi­se de Bo­nald (1754-1840) un­d  be­son­ders Juan Do­no­so Cor­tés (1809-1853) vor­fand, al­ler­dings nicht wei­ter be­un­ru­higt zu ha­ben.

Wäh­rend Schmitt die Ge­gen­re­vo­lu­ti­on staats­phi­lo­so­phisch be­schwor, schlug auf der Büh­ne der Wei­ma­rer Re­pu­blik die po­li­ti­sche Kon­ter­re­vo­lu­ti­on zu: An­ge­hö­ri­ge der rechts­ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on Con­sul er­mor­de­ten am 24.6.1922 Reichs­au­ßen­mi­nis­ter Wal­ter Ra­then­au (1867-1922). Das At­ten­tat scho­ckier­te auch Schmitt, der früh mit dem Er­mor­de­ten ei­ni­ge Brie­fe ge­wech­selt hat­te. Wie­der­holt be­schäf­tig­te der po­li­ti­sche Mord sei­ne Kol­le­gen und Be­kann­ten in Ge­sprä­chen mit ihm.[47] Sein Schock wich aber bald dem Mit­leid mit den Tä­tern, die schlie­ß­lich ge­stellt wur­den und den Tod fan­den: „Es hat doch Stil und Grö­ße. In­zwi­schen bin ich ganz auf ih­rer Sei­te, die ar­men Kerls, die mo­na­te­lang von der Po­li­zei ge­hetzt wur­den.“[48] Der Mord an Ra­then­au mo­bi­li­sier­te die Men­schen reichs­weit für die Wei­ma­rer De­mo­kra­tie, so auch in ei­ner De­mons­tra­ti­on auf dem Bon­ner Beet­ho­ven­platz, die Schmitt als schlich­t  „lä­cher­li­ch“ wahr­nahm.[49] 

Die Ra­then­au-At­ten­tä­ter woll­ten mit ih­rem Mord­an­schlag die Re­pu­blik schwä­chen und mit­tels Auf­ruhr und Bür­ger­krieg den Weg in ei­ne na­tio­na­le Dik­ta­tur eb­nen. Schmitt knüpf­te für sein nächs­tes Werk je­doch nicht an Do­no­so Cor­tés an, mit dem er die Wen­dung ge­gen­re­vo­lu­tio­nä­ren Den­kens von der dy­nas­ti­schen Le­gi­ti­mi­tät zur Dik­ta­tur nach­voll­zo­gen hat­te. Er ent­schied sich im Zu­ge sei­ner Ar­bei­ten am Es­say „Rö­mi­scher Ka­tho­li­zis­mus und po­li­ti­sche For­m“ für das Lob de Mais­tres auf die Au­to­ri­tät der rö­mi­schen Kir­che: Vom „an­ti­rö­mi­schen Af­fek­t“ ih­rer Geg­ner aus­ge­hend, er­klär­te er die­sen aus der kirch­li­chen Struk­tur als com­ple­xio op­po­si­to­rum her­aus[50], die ei­ne Viel­zahl von un­ter­schied­li­chen Ten­den­zen und Strö­mun­gen in sich ver­ei­ne. Für ihn re­prä­sen­tier­te die Kir­che nichts ge­rin­ge­res als die „wah­re Er­bin der rö­mi­schen Ju­ris­pru­den­z“.[51] Ih­re um­fas­sen­de und hier­ar­chi­sche Form konn­te in­so­fern Vor­bild für den Staat sein, als sie ei­ne au­to­ri­tä­re Herr­schafts­ord­nung mit ei­nem theo­lo­gisch-dog­ma­ti­schen Fun­da­ment ver­band, wäh­rend et­wa Kauf­mann, der Schmitts Sou­ve­rä­ni­täts­be­griff per­sön­lich ge­lobt hat­te, dies man­gels un­ter­stell­tem kirch­li­chen Macht­wil­len be­stritt.[52] Der re­li­giö­se In­halt des Ka­tho­li­zis­mus blieb hier­bei al­ler­dings aus­ge­klam­mert. Schmitts ho­hes Lied blieb so­mit of­fen für In­ter­pre­ta­tio­nen von ei­ner Kir­che als Ord­nungs­an­ker des un­ge­fes­tig­ten Ver­fas­sungs­staa­tes bis hin zu ei­ner Kir­che der welt­li­chen Macht.

Moch­te die Sto­ß­rich­tung auch dun­kel sein, Schmitt po­si­tio­nier­te sich mit dem Es­say als be­tont ka­tho­li­scher Staats­leh­rer in ei­ner Be­we­gung des er­neu­er­ten und in­tel­lek­tu­el­len Ka­tho­li­zis­mus, wie ihn et­wa der Hoch­land-Grün­der Carl Muth (1867-1944) oder der His­to­ri­ker Her­mann He­fe­le (1885-1936) ver­kör­per­ten. Zum an­de­ren zeigt die­se Po­si­tio­nie­rung auch Dif­fe­ren­zen, auf die Man­fred Dah­l­hei­mer zu­recht auf­merk­sam ge­macht hat: So­wohl zum christ­li­chen Na­tur­recht als auch zur Wie­der­auf­nah­me ei­nes ka­tho­li­schen Reichs­ge­dan­kens hielt Schmitt Dis­tanz. Dem­nach er­scheint An­dre­as Koe­nens The­se, Schmitt sei Prot­ago­nist ei­ner pu­bli­zis­ti­schen Grup­pe ge­we­sen, die ih­ren ge­mein­sa­men Flucht­punkt in der so­ge­nann­ten „Reichs­theo­lo­gie“ ge­fun­den ha­be, mehr als über­spitzt.[53] Nicht von un­ge­fähr no­tier­te Schmitt nach ei­nem Tref­fen mit Wil­helm Neuss, dem Ar­chi­var Wil­helm Kis­ky so­wie dem Zen­trums­po­li­ti­ker Ge­org Schrei­ber (1882-1963) im Som­mer 1922 in sein Ta­ge­buch: „Ich ge­hö­re wirk­lich nicht in die­ses Zen­trums­mi­lieu.“[54] Schmitt such­te zwei­fel­los die Wir­kung über Be­kannt­schaf­ten und Netz­wer­ke, aber nicht über ei­nen Kreis al­lein.[55]

Zu­dem bot ihm sei­ne ka­tho­li­sche Op­ti­on nur be­grenz­te Wir­kungs­mög­lich­kei­ten. Mit sei­nen Am­bi­tio­nen brach­te Schmitt auch sei­ne Ehe­pro­ble­me mit nach Bonn, die ihn per­sön­lich arg be­las­te­ten. Nach der Ent­schei­dung des Bon­ner Land­ge­richts vom 18.1.1924, das die ers­te Ehe Schmitts we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung durch sei­ne hoch­stap­le­ri­sche Ehe­frau, die fal­sche Adel­s­toch­ter Ca­ri­ta (von) Do­ro­tić (1883-1968) für nich­tig er­klär­te, streng­te er auch ei­ne kirch­li­che Nich­tig­keits­er­klä­rung an, die al­ler­dings aus­blieb. Noch vor dem Be­ru­fungs­ur­teil, das eben­falls ne­ga­tiv aus­fal­len soll­te, hei­ra­te­te Schmitt am 8.2.1926 sei­ne da­ma­li­ge As­sis­ten­tin Duš­ka To­do­ro­vić (1903-1950) stan­des­amt­lich und leb­te fort­an in Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on. Dies war ei­ne per­sön­li­che Wen­dung, die An­se­hen und Glaub­wür­dig­keit als ka­tho­li­scher Staats­leh­rer sehr schwäch­te.[56] 

5. Der Staatslehrer in Weimars Krisenjahr 1923

Schmitt hat­te sich den Aus­nah­me­zu­stand so­wie die ide­en­ge­schicht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von Au­to­ri­tät und De­mo­kra­tie vor Au­gen ge­führt, als die Wei­ma­rer Re­pu­blik mit Be­ginn des Jah­res 1923 in die po­li­ti­sche und öko­no­mi­sche Sack­gas­se rutsch­te. Fran­zö­si­sche und bel­gi­sche Trup­pen be­setz­ten im Ja­nu­ar das Ruhr­ge­biet, um sich so „pro­duk­ti­ve Pfän­der“ auf noch aus­ste­hen­de Re­pa­ra­tio­nen des Rei­ches zu si­chern. Der pas­si­ve Wi­der­stand ge­gen die Be­sat­zer ließ die Hy­per­in­fla­ti­on ga­lop­pie­ren. Im Rhein­land er­hob sich mit Un­ter­stüt­zung der Fran­zo­sen der Se­pa­ra­tis­mus und in Mün­chen putsch­ten Hit­ler und Lu­den­dorff. Auf die zu­neh­mend hand­lungs­un­fä­hi­ge Re­gie­rung Wil­helm Cu­no (1876-1933) folg­te die gro­ße Ko­ali­ti­on un­ter Gus­tav Stre­se­mann (1878-1929). Rund­um durch­leb­te der Wei­ma­rer Par­la­men­ta­ris­mus sei­ne ers­te tief­grei­fen­de und le­bens­be­droh­li­che Kri­se.[57] 

Schmitt re­gis­trier­te all die­se Ein­zel­kon­flik­te und ih­re Vor­bo­ten, die sich ge­gen­sei­tig zu ei­ner um­fas­sen­den Kri­sen­la­ge po­ten­zier­ten. Hat­te er im Welt­krieg ei­nen angst­er­füll­ten Hass auf den ver­meint­lich preu­ßi­schen Mi­li­ta­ris­mus ent­wi­ckelt, so war nun die fran­zö­si­sche Be­sat­zungs­macht das Ob­jekt sei­ner Furcht.[58] Das fran­zö­si­sche Mi­li­tär zeig­te im be­schau­li­chen Bonn nicht nur dau­er­haf­te Prä­senz, es ver­füg­te auch über das Recht zur Ein­quar­tie­rung, der Re­qui­si­ti­on so­wie der Aus­wei­sung miss­lie­bi­ger Per­so­nen. Durch die all­ge­mein em­pör­te Stim­mung nach dem Ruh­r­ein­bruch, die sich in er­neu­ten De­mons­tra­tio­nen ar­ti­ku­lier­te, sah sich die Be­sat­zungs­macht be­son­ders her­aus­ge­for­dert. Auch bei Schmitts Ver­mie­te­rin wur­den die Fran­zo­sen zwecks Re­qui­si­ti­on vor­stel­lig. Er selbst hör­te auf ei­ner Ku­rats­sit­zung bei Lands­berg von der zu­neh­mend schlech­ten Be­hand­lung der Uni­ver­si­tät durch die fran­zö­si­schen Be­sat­zer und von de­ren Über­le­gun­gen sie so­gar zu schlie­ßen.[59] Stän­di­ge Sor­ge be­rei­te­te dem Ju­ris­ten zu­dem sei­ne fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit, die nicht nur durch den ner­vös be­ob­ach­te­ten Wert­ver­fall der Mark al­lein be­droht war.[60] So wur­den die Lohn­gel­der der Hoch­schul­be­diens­te­ten in die Uni­ver­si­tät ge­schmug­gelt, um sie im feu­er­fes­ten Ur­kun­den­schrank des His­to­ri­schen Se­mi­nars (da­mals noch im West­flü­gel des Schlos­ses) dem Zu­griff der fran­zö­si­schen Gen­dar­me­rie zu ent­zie­hen.[61] 

Im Mai be­gann Schmitt mit sei­ner um­fas­sen­den Par­la­men­ta­ris­mus­kri­tik, so dass „Die geis­tes­ge­schicht­li­che La­ge des heu­ti­gen Par­la­men­ta­ris­mus“ in der „Bon­ner Fest­ga­be“ zum 50-jäh­ri­gen Dok­tor­ju­bi­lä­um von Ernst Zi­tel­mann er­schei­nen konn­te. Mit sei­nem Fest­schrift­bei­trag, der kur­ze Zeit spä­ter leicht über­ar­bei­tet auch als Bro­schü­re er­schien, prä­sen­tier­te sich Schmitt nicht nur als Teil der Bon­ner ju­ris­ti­schen Zunft, sei­ne Schrift lässt sich auch als Ant­wort auf sei­nen Lehr­stuhl­vor­gän­ger Smend und sei­ne Über­le­gun­gen zur wei­te­ren Ent­wick­lung des deut­schen Par­la­men­ta­ris­mus le­sen.[62] Smend hat­te 1919 in sei­nem Auf­satz über die „Ver­schie­bung der kon­sti­tu­tio­nel­len Ord­nun­g“ durch das mit der Re­pu­blik ein­ge­führ­te Ver­hält­nis­wahl­recht die Be­fürch­tung ge­äu­ßert, dass das Par­la­ment sei­ne in­te­gra­ti­ve Funk­ti­on durch die ihm „ei­gen­tüm­li­che schöp­fe­ri­sche Dia­lek­tik“ ein­bü­ße und da­mit zu ei­ner blo­ßen Fas­sa­de des Frak­ti­ons­streits ver­kom­me.[63] Das war kein rein re­ak­tio­nä­rer Re­flex auf ei­nen Um­bruch, wie die Zer­split­te­rung der Wei­ma­rer Par­tei­en­land­schaft bald be­wies.

Schmitt zeich­ne­te in sei­ner Kri­tik­schrift den Weg po­li­ti­scher Le­gi­ti­mie­rung nach: „Die Ent­wick­lung von 1815 bis 1918 lä­ßt sich dar­stel­len als die Ent­wick­lung ei­nes Le­gi­ti­mi­täts­be­griffs: von der dy­nas­ti­schen zur de­mo­kra­ti­schen Le­gi­ti­mi­tät.“[64] Die de­mo­kra­ti­sche Le­gi­ti­mi­tät leg­te er mit Jean-Jac­ques Rous­seau (1712-1778) als „Iden­ti­tät von Re­gie­ren­den und Re­gier­ten“ und so­mit als Ho­mo­ge­ni­tät oder grund­sätz­li­che Ein­mü­tig­keit aus.[65] Seit der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on er­kann­te Schmitt den re­vo­lu­tio­nä­ren Drang ei­ner Selbst­auf­he­bung des re­la­ti­ven Ra­tio­na­lis­mus, wie er dem par­la­men­ta­ri­schen Den­ken des Aus­gleichs und der Dis­kus­si­on zu ei­gen sei, hin zu ei­nem ab­so­lu­ten, der die höchst ver­mit­tel­te De­mo­kra­tie „im Na­men der wah­ren, erst noch zu schaf­fen­den De­mo­kra­tie“ sus­pen­die­ren wol­le.[66] Den Par­la­men­ta­ris­mus sei­ner Ge­gen­wart sah Schmitt vor der Her­aus­for­de­rung durch ir­ra­tio­na­lis­ti­sche „Theo­ri­en un­mit­tel­ba­rer Ge­walt­an­wen­dun­g“, die ei­nen ge­walt­tä­ti­gen Ak­ti­vis­mus mit­ein­an­der teil­ten.[67] Wie sehr die­se Par­la­men­ta­ris­mus­kri­tik als ei­ne Ant­wort auf Smend auf­ge­fasst wer­den kann, zeigt des­sen Re­ak­ti­ons­brief an Schmitt, in dem er sich ver­stan­den und zu­stim­mend gab: „Ich bin weit­hin sehr ein­ver­stan­den und dank­bar: Den Li­be­ra­lis­mus im Gan­zen fa­ße ich eben­so auf […].“ Ihn wun­der­te es nicht, dass „der Zu­sam­men­hang von D.[emo­kra­tie] und Par­la­men­ta­ris­mus nur höchst zu­fäl­li­g“ sei.[68] In eben die­se Ker­be soll­te Schmitt sei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Haupt­schlag füh­ren.

Der­wei­len spitz­te sich ge­gen Jah­res­en­de die po­li­ti­sche Si­tua­ti­on wei­ter zu. In Bonn er­leb­te Schmitt den Be­la­ge­rungs­zu­stand, der nach dem Putsch­ver­such rhei­ni­scher Se­pa­ra­tis­ten und ih­rem Sturm auf das Bon­ner Rat­haus am 23.10.1923 aus­ge­ru­fen wor­den war.[69] Nach dem kläg­lich ge­schei­ter­ten Marsch der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf die Feld­herrn­hal­le in Mün­chen, wo er nur we­ni­ge Wo­chen zu­vor Lud­wig Feucht­wan­ger be­sucht hat­te, zeig­te er sich ge­gen­über die­sem elek­tri­siert, in so „ei­ne[r] sen­sa­tio­nel­le[n] Si­tua­ti­on, der be­rufs­mä­ßi­ge Be­ob­ach­ter des heu­ti­gen po­li­ti­schen Schau­spiels zu sein.“[70] Nach­dem al­le gro­ßen An­grif­fe auf die Re­pu­blik ab­ge­schla­gen wa­ren, stürz­te die gro­ße Ko­ali­ti­on un­ter Gus­tav Stre­se­mann durch ein Miss­trau­ens­vo­tum. Die Wei­ma­rer Re­pu­blik ging nach dem Kri­sen­jahr 1923, oh­ne an sta­bi­le­ren Par­la­ments­ver­hält­nis­sen zu ge­win­nen, in ei­ne Pha­se der re­la­ti­ven Be­ru­hi­gung über. Die Fra­ge sta­bi­ler Mehr­hei­ten soll­te Schmitt al­ler­dings wei­ter be­schäf­ti­gen.

6. „Die Diktaturgewalt des Reichspräsidenten“: Eine verfassungsrechtliche Debatte

Wei­mar ist als ei­ne Re­pu­blik der Über­for­de­rung und der Po­la­ri­sa­ti­on in das po­li­tisch-his­to­ri­sche Ge­dächt­nis ein­ge­gan­gen. Auch die in ei­ner Neu­ori­en­tie­rung be­grif­fe­ne Staats­rechts­leh­re stand zu Be­ginn der 1920er Jah­ren vor der Ge­fahr ei­ner Spal­tung in un­ter­schied­li­che La­ger. Der hoch­an­ge­se­he­ne Ber­li­ner Or­di­na­ri­us Hein­rich Trie­pel (1868-1946) ant­wor­te­te dar­auf mit der Grün­dung der Ver­ei­ni­gung der Deut­schen Staats­rechts­leh­rer, die sich bis heu­te ei­ne her­aus­ra­gen­de Stel­lung be­wahrt hat. Für den April 1924 lud Trie­pel zur mitt­ler­wei­le zwei­ten Ta­gung der Ver­ei­ni­gung nach Je­na ein, de­ren Pro­gramm aus zwei hoch ak­tu­el­len Be­ra­tungs­ge­gen­stän­den be­stand: „Der deut­sche Fö­de­ra­lis­mus in Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunf­t“, über den Ger­hard An­schütz (1867-1948) und Carl Bil­fin­ger (1879-1958) re­fe­rier­ten, zum an­de­ren „Die Dik­ta­tur­ge­walt des Reichs­prä­si­den­ten nach Art. 48 der Reichs­ver­fas­sun­g“, wo­für Carl Schmitt und Er­win Ja­co­bi (1884-1965) vor­ge­se­hen wa­ren.[71] 

Weit­läu­fi­ge Be­kannt­heit hat der Ar­ti­kel 48 durch den Un­ter­gang der Wei­ma­rer De­mo­kra­tie er­hal­ten, bei dem die­ser das ma­ß­geb­li­che In­stru­ment zur Ent­mach­tung des Par­la­ments und der Aus­he­be­lung der Grund­rech­te dar­stell­te.[72] Die Per­spek­ti­ve auf den Ar­ti­kel 48 und die Ent­wick­lung der deut­schen Not­stands­ge­setz­ge­bung muss aber viel­mehr auf den Be­ginn der Re­pu­blik und da­mit auf den Aus­gangs­punkt wie Wis­sens­stand der Han­deln­den um­ge­kehrt wer­den. Der Sinn des im Ver­fas­sungs­text ent­for­ma­li­sier­ten Aus­nah­me­zu­stands war die freie Wahl und Ver­füg­bar­keit der Not­stands­ge­walt, da sich die Re­pu­blik seit ih­rer Ge­burt in äu­ße­rer Be­dräng­nis und in­ne­rer Kri­sen­si­tua­ti­on be­fand. Und in der Tat er­wies sich der Ar­ti­kel 48 in den un­ru­hi­gen Fol­ge­jah­ren bald als ei­nes der wich­tigs­ten Mit­tel zur Ver­tei­di­gung des Wei­ma­rer Staa­tes, auch wenn sich schon Ex­ten­si­ons­ten­den­zen ab­zeich­ne­ten.[73] Ernst Ru­dolf Hu­ber, Chro­nist wie Mit­han­deln­der, stell­te schon für die Zeit­ge­nos­sen pro­ble­ma­ti­sie­rend her­aus: „Es war of­fen­bar, dass der Not­zu­stand sich künf­tig vom Nor­mal­zu­stand nicht mehr wie frü­her zeit­lich ge­nau ab­gren­zen las­sen wer­de.“[74] Nicht um­sonst for­der­te die Wei­ma­rer Ver­fas­sung da­her von den par­la­men­ta­ri­schen In­stan­zen für die Zu­kunft ein Aus­füh­rungs­ge­setz, das den Ar­ti­kel 48 im Rah­men der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung nä­her be­stim­men und um­gren­zen soll­te.[75] 

Schon am 4. Fe­bru­ar hat­te Schmitt per Eil­brief die Nach­richt von Trie­pel er­hal­ten, dass er „ein Re­fe­rat auf dem Staats­rechts­leh­rer-Kon­gres­s“ hal­ten soll­te.[76] Gleich­wohl Schmitt ge­sell­schaft­lich und ar­beits­mä­ßig viel be­schäf­tigt war, sag­te er zu und be­trat am 14. April den Ka­the­der vor der Ver­ei­ni­gung. Vor 43 an­we­sen­den Staats­rechts­leh­rern, dar­un­ter sein An­ti­po­de Hans Kel­sen und sein kol­le­gia­ler Freund Ru­dolf Smend, se­zier­te er mit sei­nem be­griffs­ge­schul­ten In­stru­men­ta­ri­um de­tail­reich Wort­laut wie Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ar­ti­kels 48, um in al­ler Klar­heit vor dem dro­hen­den Ver­lust von Ge­wal­ten­tei­lung und -kon­trol­le zu war­nen. Schmitt ver­such­te die all­ge­mei­nen Be­fug­nis­se des Staats­ober­haup­tes von den au­ßer­or­dent­li­chen zu tren­nen, „[d]enn es muß ir­gend­ei­ne Gren­ze der Be­fug­nis des Reichs­prä­si­den­ten ge­fun­den wer­den.“ Für ihn stell­te sich nur die scharf for­mu­lier­te Fra­ge, „ob die Gren­ze mit Hil­fe ei­ner Schein­ar­gu­men­ta­ti­on, oder im vol­len ju­ris­ti­schen Be­wusst­sein der Be­son­der­heit und Schwie­rig­keit des Art. 48 Abs. 2 WRV ge­fun­den wer­den soll.“[77] Für das bis­he­ri­ge Aus­blei­ben des um­gren­zen­den Aus­füh­rungs­ge­set­zes be­nann­te er nicht un­kor­rekt die Schwä­che des Wei­ma­rer Par­la­men­ta­ris­mus. Schmitt for­der­te dem­ge­gen­über ei­ne so­wohl sach­ge­rech­te als auch prag­ma­ti­sche Re­ge­lung, wel­che die Aus­le­gung klä­ren wür­de.[78] 

Trotz der Un­ter­stüt­zung sei­nes Mit­re­fe­ren­ten Ja­co­bi ha­gel­te es in der Dis­kus­si­on Wi­der­spruch von den ver­sam­mel­ten Ju­ris­ten. Schmitt selbst fühl­te sich in sei­nem schwer zu stil­len­den Ehr­geiz ge­kränkt.[79] Sein An­lie­gen, die He­gung der prä­si­dia­len Dik­ta­tur­ge­walt, hör­te er je­doch nicht auf, wei­ter aus­zu­for­mu­lie­ren. In ei­ner Rei­he von Ar­ti­keln, so­wohl in ei­nem Fach­or­gan wie dem Ar­chiv des öf­fent­li­chen Rechts als auch in der Köl­ni­schen Volks­zei­tung warb er für sei­ne Re­ge­lungs­idee. In ei­nem zur Reichs­prä­si­den­ten­wahl 1925 von der Volks­zei­tung ge­wünsch­ten Ar­ti­kel warn­te er äu­ßerst hell­sich­tig für den un­ter Hin­den­burg ein­set­zen­den Ver­fas­sungs­wan­del: „Mit ei­nem neu­en Prä­si­den­ten kann die Wei­ma­rer Ver­fas­sung ein völ­lig neu­es Ge­sicht er­hal­ten.“[80] Noch warn­te er und ver­such­te mit sei­nen Vor­stel­lun­gen das zu ver­hü­ten, an dem er spä­ter als „An­walt des Rei­ches“[81] selbst mit­ar­bei­ten soll­te: Die au­to­ri­tä­re Um­for­mung der Wei­ma­rer De­mo­kra­tie mit ih­ren ei­ge­nen ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Mit­teln.

Schmitts „An­tritts­er­klä­rung in der Zunf­t“[82] hat­te je­doch noch ein an­de­res Nach­spiel: Durch ei­nen ver­nich­ten­den Ta­gungs­be­richt über das Je­na­er Tref­fen so­wie ei­ne ne­ga­ti­ve Re­zen­si­on von Schmitts Par­la­men­ta­ris­mus­schrift zog der Köl­ner Staats­recht­ler Fritz Stier-Som­lo (1873-1932), den ge­ball­ten Zorn sei­nes ei­ni­ge Ki­lo­me­ter rhein­auf­wärts sit­zen­den Fach­kol­le­gen zu. Schmitt ant­wor­te­te sei­ner­seits auf die Kri­tik des wert­re­la­ti­ven Rechts­po­si­ti­vis­ten jü­di­scher Ab­stam­mung, dem die neu ge­grün­de­te Köl­ner Uni­ver­si­tät ei­nen Gut­teil ih­res ju­ris­ti­schen Pro­fils zu ver­dan­ken hat­te, mit ei­nem über­zo­ge­nen Ver­riss. Nach har­schen Re­ak­tio­nen konn­te Schmitt da­von ab­ge­bracht wer­den, den Re­zen­si­ons­krieg wei­ter es­ka­lie­ren zu las­sen.[83] Sich selbst sah er wie­der ein­mal in die gern ge­pfleg­te Rol­le ei­nes Au­ßen­sei­ters ge­drängt. Ge­gen­über Smend ließ er sei­nen Res­sen­ti­ments un­ge­bremst freie Bahn: „Ich füh­le mich in mei­nem Be­ruf iso­liert, […]. Da­zu […] die lä­cher­li­che Si­tua­ti­on, daß Witt­may­er, Stier-Som­lo, Men­dels­sohn Bar­thol­dy und Na­wi­as­ky, - 4 Ju­den ge­gen ei­nen Chris­ten – in sämt­li­chen Zeit­schrif­ten über mich her­fal­len, und nie­mand merkt, um was es sich han­delt.“[84] 

Das war nicht der ein­zi­ge an­ti­se­mi­ti­sche Bann­strahl, der sei­ne Fach­kol­le­gen traf. Auch zu den bis­her en­gen Fa­kul­täts­kol­le­gen Lands­berg und Kauf­mann no­tier­te er wach­sen­de Dis­tanz in sei­nem Ta­ge­buch. Ein Bon­ner Ki­no­be­such bot An­lass zu ähn­li­chen Wor­ten: „[...] the Kid, weil Lands­berg das so ge­rühmt hat­te; Dreck, jü­di­sche Sen­ti­men­ta­li­tät. Sah die Ent­fer­nung zu die­sen Leu­ten.“[85] Fort­an hin­ter­ließ er im­mer wie­der solch trü­be und res­sen­ti­ment­ge­la­de­ne Ge­dan­ken. Ganz ge­wiss war Schmitt zu die­sem Zeit­punkt nicht der kämp­fe­ri­sche An­ti­se­mit, der er spä­ter sein soll­te.[86] Sei­ne Po­si­tio­nie­rung in der ju­ris­ti­schen Zunft weck­te aber Miss­trau­en und an­ti­se­mi­ti­sche Af­fek­te. Ge­fes­tig­ten Kon­tak­ten, ge­ra­de zu den ei­ge­nen Bon­ner Fach­kol­le­gen, war dies erst recht nicht för­der­lich. Schmitt fand so kei­nen ver­bin­den­den Halt in der Fa­kul­tät und wand­te sich wei­ter sei­nen aka­de­mi­schen Schü­lern und be­freun­de­ten Kol­le­gen der Nach­bar­fa­kul­tä­ten zu.[87] 

7. Mit dem Rechtsprinzip gegen Genf und Versailles

Das Rhein­land war für den ge­bür­ti­gen Sau­er­län­der Schmitt ei­ne zwei­te Hei­mat. Vie­len sei­ner Freun­de und lang­jäh­ri­gen Be­kann­ten war er schlicht weg nur als Rhein­län­der be­kannt. Ger­ne be­zeich­ne­te er sich im­mer wie­der als Mo­sela­ner, auch wenn dies auf die Her­kunft sei­ner Fa­mi­lie nur un­zu­rei­chend zu­trifft.[88] Dem Wes­ten des Rei­ches war er vor al­lem durch sei­ne zum Teil sehr prä­gen­den Stu­di­en- und Aus­bil­dungs­jah­re ver­bun­den ge­we­sen. Zwi­schen sei­nem Stu­di­um im Wil­hel­mi­nis­mus und dem „Drit­ten Reich“ ver­brach­te er mit Un­ter­bre­chun­gen un­ge­fähr 13 Jah­re ent­lang des Rheins in Straß­burg (1908-1910), Düs­sel­dorf (1910-1915), Bonn (1922-1928) so­wie Köln (1933) – und da­mit in ei­ner Grenz­re­gi­on, die im 20. Jahr­hun­dert noch stär­ker als zu­vor Ob­jekt nicht nur deutsch-fran­zö­si­scher Machtri­va­li­tät, son­dern auch des Rin­gens um ei­ne letzt­lich gül­ti­ge und sta­bi­le Frie­dens­ord­nung Eu­ro­pas wur­de.

Schon sei­ne Straß­bur­ger Stu­di­en­zeit stell­te ei­ne „ers­te Grenz­lan­der­fah­rung [dar], die ihn für spä­te­re na­tio­na­lis­ti­sche Wahr­neh­mun­gen sen­si­bi­li­sier­te.“[89] Wäh­rend die aber von Schmitt un­be­han­delt ge­blie­be­ne Pro­ble­ma­tik El­sass-Loth­rin­gens von dem Ver­such ge­prägt ge­we­sen war, die selbst­be­wuss­te Kul­tur­re­gi­on als nicht gleich­be­rech­tig­ten Glied­staat in das Kai­ser­reich zu in­te­grie­ren, so war das Rhein­land nach dem Ers­ten Welt­krieg pri­mär durch die fran­zö­si­sche Au­ßen- und Be­sat­zungs­po­li­tik, durch An­ne­xi­on oder Se­pa­ra­ti­on be­droht. Schmitt hat sich durch die Rhein­land­fra­ge und den da­mit ver­bun­de­nen Ge­samt­pro­ble­men des Ver­sailler Frie­dens da­zu her­aus­ge­for­dert ge­fühlt, die Macht­ver­hält­nis­se be­griff­lich zu fas­sen so­wie die Fra­ge nach dem Recht die­ser aus Nie­der­la­ge und Dik­tat­frie­den her­vor­ge­gan­ge­nen Ord­nung zu stel­len. So­mit stieß er auch auf das noch von ihm gänz­lich un­be­ar­bei­te­te Ge­biet des Völ­ker­rechts vor, wo er zu­gleich für Erich Kauf­mann als Leh­rer­satz aus­hel­fen muss­te.

Den ers­ten Auf­takt mach­te im De­zem­ber 1924 ei­ne Be­spre­chungs­ab­hand­lung für Schmol­lers Jahr­buch über „Die Kern­fra­ge des Völ­ker­bun­des“, die er pas­send zum Auf­nah­me­ge­such Deutsch­lands in den Völ­ker­bund im Früh­jahr 1926 zur gleich­na­mi­gen Mo­no­gra­phie aus­ar­bei­te­te. Er stell­te dar­in her­aus: „Nicht die Ga­ran­tie des ter­ri­to­ria­len Sta­tus quo, son­dern die Ga­ran­tie der Le­gi­ti­mi­tät des heu­ti­gen Sta­tus quo ist das ei­gent­li­che Pro­blem des Völ­ker­bun­des.“[90] Mit Erich Kauf­manns auf das Völ­ker­recht an­ge­wand­te clau­su­la re­bus sic stan­ti­bus wand­te er ge­gen die Völ­ker­bunds­sat­zung ein, dass ein Prin­zip zur Ab­än­de­rung von le­gi­ti­men Be­sitz­stän­den nicht be­nannt wer­de und drin­gend ge­fun­den wer­den müs­se, da an­dern­falls je­de Än­de­rung Un­recht wä­re oder im Völ­ker­bund trotz der heh­ren Zie­le Rechts­un­si­cher­heit herr­sche.[91] Die Le­gi­ti­mi­tät ei­nes „wirk­li­chen Bun­des liegt in ei­nem Mi­ni­mum von Ga­ran­tie und Ho­mo­ge­ni­tät“, hielt Schmitt dem ent­ge­gen.[92] In der Mo­no­gra­phie­fas­sung er­läu­ter­te er dies am Bei­spiel der Hei­li­gen Al­li­anz und der Mon­roe-Dok­trin aus­führ­li­cher. Für ihn er­gab sich das zwin­gen­de Er­for­der­nis ge­mein­sa­mer Ver­fas­sungs­stan­dards: „Kein Bund oh­ne Ho­mo­ge­ni­tät, kei­ne zwi­schen­staat­li­che oh­ne in­ner­staat­li­che Ord­nung.“[93] Nicht von un­ge­fähr warn­te er vor ju­ris­ti­schen Le­gi­ti­mie­rungs­ver­su­chen der Po­li­tik, wie bei In­ter­ven­tio­nen oder  ge­gen­sei­ti­gen Ga­ran­ti­en ter­ri­to­ria­ler Un­ver­sehrt­heit, in der er ein Deutsch­land dis­kri­mi­nie­ren­des „In­stru­ment zum Schutz der Sie­ger von Ver­sailles und zur Le­ga­li­sie­rung ih­rer Beu­te“ aus­mach­te.[94] 

Zwar sprach er sich mit kei­nem Wort ge­gen den Völ­ker­bunds­bei­tritt des Rei­ches aus, gleich­wohl lehn­te er die Lo­car­no-Po­li­tik Stre­se­manns, die Deutsch­lands Weg in den Völ­ker­bund durch die Fest­schrei­bung sei­ner West­gren­ze eb­ne­te, strikt ab. Wäh­rend Kauf­mann die Lo­car­no-Ver­trä­ge im per­sön­li­chen Ge­spräch als „ei­ne gro­ße Sa­che“ rühm­te, hielt Schmitt sie schlicht für „ein gro­ßes Un­glück“.[95] In ei­nem Ar­ti­kel für das Hoch­land über den eu­ro­päi­schen Sta­tus quo scheint sein gan­zer Schre­cken vor der Nor­ma­li­sie­rung der Gen­fer und Ver­sailler Nach­kriegs­ord­nung auf: Der ge­gen­wär­ti­ge Zu­stand ga­ran­tier­te für ihn kei­nen dau­er­haf­ten Frie­den, weil er von zu he­te­ro­ge­nen In­ter­es­sen und An­schau­un­gen ge­stützt wer­de, was er zum ers­ten Mal nä­her am Bei­spiel des Rhein­lan­des im Ge­flecht der Mächt­ein­ter­es­sen er­läu­ter­te.[96] Von der Per­pe­tu­ie­rung des an Le­gi­ti­mi­täts­prin­zi­pi­en un­si­che­ren und zu un­ba­lan­cier­ten Frie­dens er­war­te­te Schmitt nur neue Kon­flik­te, gar hin zu der „Le­ga­li­sie­rung ei­nes un­er­träg­li­chen Zwi­schen­zu­stan­des von Krieg und Frie­den“.[97] 

Wel­che Me­cha­nis­men ge­nau da­bei wir­ken und wel­che be­griffs­po­li­ti­sche Ver­wir­rung hier­durch ent­ste­hen konn­ten, be­leuch­te­te er in sei­nem ers­ten gro­ßen po­li­ti­schen Auf­ritt, dem Vor­trag über „Die Rhein­lan­de als Ob­jekt in­ter­na­tio­na­ler Po­li­ti­k“ auf der „Jahr­tau­send­fei­er“ der Rhei­ni­schen Zen­trums­par­tei am 14.4.1925 in Köln. Schmitt blieb, gleich­wohl er von vie­len als ein rech­ter Zen­trums­mann be­trach­tet wur­de, auf Dis­tanz zur par­tei­po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on des deut­schen Ka­tho­li­zis­mus. Im März 1924 hat­te er das An­ge­bot des Zen­trums er­hal­ten, auf ei­nem si­che­ren Lis­ten­platz für den Reichs­tag zu kan­di­die­ren, und es um­ge­hend aus­ge­schla­gen. Sei­ne er­neu­te Ehe schob auch ei­nem spä­te­ren Ver­such, Schmitt zur po­li­ti­schen Mit­ar­beit zu be­we­gen, ei­nen Rie­gel vor. Das In­ter­es­se des rhei­ni­schen Zen­trums an Schmitt, wenn schon nicht als Kan­di­dat, so doch als Red­ner, liegt da­bei auf der Hand: Hier war ein ka­tho­li­scher Staats- und Völ­ker­recht­ler, der ei­ne rechts­wis­sen­schaft­li­che Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on zu den Ver­trags­sys­te­men von Genf und Ver­sailles for­mu­lier­te, die für das Rhein­land so schwer­wie­gen­de Fol­gen zei­tig­ten.[98] 

An­lass und Rah­men sei­nes Vor­trags spiel­ten in die da­ma­li­ge Bri­sanz und Ak­tua­li­tät von Schmitts Be­schäf­ti­gung mit hin­ein. 1925 be­ging das Rhein­land mit ei­ner Viel­zahl von Fei­er­lich­kei­ten die tau­send­jäh­ri­ge Wie­der­kehr der Zu­ge­hö­rig­keit des al­ten Stam­me­s­her­zog­tums Lo­tha­rin­gi­en zum Ost­frän­ki­schen Reich. Im en­ge­ren Sin­ne wur­de da­mit die „Zu­ge­hö­rig­keit ei­nes Ver­lus­tes“ ge­fei­ert[99], die sich je­doch als his­to­ri­sches Fei­er­da­tum al­lein aus der Ab­wehr­hal­tung ge­gen die fran­zö­si­sche Rhein­land­po­li­tik so­wie die nach wie vor be­ste­hen­den se­pa­ra­tis­ti­schen Ten­den­zen emp­fahl und da­mit ge­eig­net er­schien, rhei­ni­sches Ei­gen- und Selbst­be­wusst­sein in Ver­bun­den­heit zum Deut­schen Reich zu de­mons­trie­ren. In Köln und Aa­chen ver­sam­mel­ten Jahr­tau­send­aus­stel­lun­gen Kunst- und Kul­tur­schät­ze des Rhein­lan­des und ver­an­schau­lich­ten sei­ne Be­deu­tung bis in die Ge­gen­wart. Schmitt selbst ge­riet über die Köl­ner Aus­stel­lung ins Schwär­men, wenn er sie ge­gen­über Smend als „et­was so Gro­ßar­ti­ges, da­bei Un­wie­der­hol­ba­res“ be­schrieb.[100] Der An­lass mach­te die Fei­er­lich­kei­ten aber auch zu ei­nem aka­de­mi­schen Er­eig­nis, denn wer schien ge­eig­ne­ter zu sein, die Ge­scheh­nis­se aus­zu­deu­ten, als be­deu­ten­de Wis­sen­schaft­ler der hei­mi­schen Uni­ver­si­tä­ten?

Vor der ge­sam­ten Pro­mi­nenz der rhei­ni­schen Zen­trums­par­tei, dar­un­ter Ober­bür­ger­meis­ter Kon­rad Ade­nau­er und Lan­des­haupt­man­n Jo­han­nes Ho­ri­on – bei­de trei­ben­de Kräf­te hin­ter den ge­sam­ten Fei­er­lich­kei­ten, ent­fal­te­te Schmitt auf der „Jahr­tau­send­fei­er“ ein Pan­ora­ma von Herr­schafts­for­men. Er mein­te ei­ne Ent­wick­lung zu er­ken­nen, die be­strebt sei, „aus den Rhein­lan­den ein Ob­jekt in­ter­na­tio­na­ler Po­li­tik zu ma­chen und den Ob­jekt­cha­rak­ter zu or­ga­ni­sie­ren und zu le­ga­li­sie­ren“.[101] Deutsch­land sah er durch ei­ne Zahl un­be­stimm­ter Rechts­be­grif­fe ge­bun­den, die „un­ab­seh­ba­re Aus­le­gun­gen“ mög­lich mach­ten.[102] „Die Fol­ge die­ser Me­tho­de ist, daß Wor­te wie Un­ab­hän­gig­keit, Frei­heit, Selbst­be­stim­mung, Sou­ve­rä­ni­tät ih­ren al­ten Sinn ver­lie­ren.“[103] Das po­li­ti­sche Vo­ka­bu­lar mach­te er im Zeit­al­ter der Ideo­lo­gi­en als ei­ne Waf­fe aus, wel­che die bis­he­ri­ge Staat­lich­keit un­ter­gra­be. Dem „Un­recht der Fremd­herr­schaf­t“ mit ih­rem „Be­trug der An­ony­mi­tät“ durch in­stru­men­ta­li­sier­te Be­griff­lich­kei­ten[104], hin­ter de­nen er nicht nur po­li­ti­sche, son­dern auch öko­no­mi­sche In­ter­es­sen ver­mu­te­te, stell­te er kla­re und rechts­si­che­re Herr­schafts­ver­hält­nis­se ge­gen­über, die er mit ei­nem über­kom­me­nen christ­li­chen Ord­nungs­rah­men be­grün­de­te. Er for­der­te da­her Klar­heit und Rechts­si­cher­heit ein und schloss mit dem pa­the­ti­schen Ruf nach „Wahr­heit, Frei­heit und Rech­t“ als Grund­vor­aus­set­zun­gen ei­ner sta­bi­len Staa­ten­ord­nung.[105] 

Schmitts Vor­trag rief bald als Bro­schü­re ein um­fas­sen­des und be­geis­ter­tes Echo her­vor.[106] Für den Au­tor be­stand je­doch kein un­mit­tel­ba­rer Grund zu Freu­de, denn er fürch­te­te wie­der ei­ne ver­meint­li­che Nicht­ach­tung: „Mein Vor­trag über die Rhein­lan­de ist ganz ver­lo­ren ge­gan­gen, ver­mut­lich, weil nie­mand mit ei­nem Vor­trag zu tun ha­ben woll­te, der bei ei­ner Zen­trums-Ver­an­stal­tung ge­hal­ten wur­de“.[107] Sein an­thro­po­lo­gi­scher Pes­si­mis­mus täusch­te ihn wie­der ein­mal. Schmitts völ­ker­recht­li­che Ab­hand­lun­gen wa­ren nur ein kur­zer Aus­flug, der nicht um­sonst in ei­nem zeit­lich par­ti­el­len Zu­sam­men­hang mit der Ver­tre­tung Erich Kauf­manns und der sich für Deutsch­land und sei­nen Wes­ten wan­deln­den in­ter­na­tio­na­len La­ge ge­stan­den ha­ben dürf­te. Schon bald ver­leg­te er sich wie­der auf ver­fas­sungs­recht­li­che und de­mo­kra­ti­e­theo­re­ti­sche Stu­di­en.

Foto der Gartenseite der Villa in Friesdorf im Juni 1927; links stehend ist Schmitts Schwester Anna neben den Eltern abgebildet. (© Carl-Schmitt-Gesellschaft e.V.)

 

8. Eine „Bonner Ernte“?: Der Begriff des Politischen und die Verfassungslehre

Schmitt schloss aus sei­nem An­griff auf Genf und Ver­sailles so­wie die La­ge der eu­ro­päi­schen Nach­kriegs­ord­nung, dass das deut­sche Volk ei­nes stär­ke­ren po­li­ti­schen Wil­lens zur Selbst­be­haup­tung und An­fech­tung ei­ner ihm auf­ge­zwun­ge­nen Ord­nung be­nö­ti­ge.[108] Wie war nur die­ser zu ha­ben, wo der Par­la­men­ta­ris­mus so in­sta­bil war? Die Su­che be­gann mit sei­ner aus ei­nem Vor­trag vor der Ju­ris­ti­schen Ge­sell­schaft zu Ber­lin her­vor­ge­gan­ge­nen Ar­beit über „Volks­ent­scheid und Volks­be­geh­ren“, die er als ei­nen „Bei­trag zur Aus­le­gung der Wei­ma­rer Ver­fas­sun­g“ be­ti­tel­te. Die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung räum­te dem di­rek­ten Volks­wil­len nicht nur durch die Di­rekt­wahl des Reichs­prä­si­den­ten viel Ge­wicht ein, sie er­laub­te auch Ple­bis­zi­te auf Reichs­ebe­ne, die von der po­li­ti­schen Rech­ten als Mo­bi­li­sie­rungs­in­stru­ment ge­gen die Re­pu­blik ver­wen­det wur­den.[109] Schmitts Ziel be­stand zu­nächst dar­in, die „na­tür­li­chen Gren­zen der un­mit­tel­ba­ren De­mo­kra­tie“ zu eru­ie­ren[110], des­sen Be­griff­lich­keit er in der Ar­beit auf den staats­recht­li­chen Ge­gen­satz von ein­fa­chem Volk und Ma­gis­trat im an­ti­ken Rom zu­rück­führ­te.[111] 

Ge­nau hier traf er sich mit ei­nem im­mens wich­ti­gen Ge­sprächs­part­ner sei­ner Bon­ner Jah­re, mit dem pro­tes­tan­ti­schen Theo­lo­gen Erik Pe­ter­son (1890-1960). Pe­ter­son, dem Schmitt schon kurz wäh­rend sei­ner Münch­ner Zeit be­geg­net war[112], folg­te 1924 ei­nem Ruf auf den Bon­ner Lehr­stuhl für Al­te Kir­chen­ge­schich­te und Neu­es Tes­ta­ment. Der jun­ge Theo­lo­ge war mit sei­ner Dis­ser­ta­ti­ons- und Ha­bi­li­ta­ti­ons­schrift „Heis Theo­s“, die sich der Ak­kla­ma­ti­on in An­ti­ke und frü­hem Chris­ten­tum wid­me­te, in ei­ne Schnitt­flä­che von Re­li­gi­ons-, Rechts- und po­li­ti­sche Ge­schich­te vor­ge­sto­ßen.[113] Pe­ter­son stieg rasch zum wich­tigs­ten Ge­gen­über ne­ben Wil­helm Neuß auf, der we­gen Schmitts zwei­ter Ehe aus dem en­ge­ren Freun­des­kreis aus­schied. Die bei­den Pro­fes­so­ren sa­hen sich bei­na­he täg­lich.[114] Der pro­tes­tan­ti­sche Theo­lo­ge teil­te mit Schmitt die Be­to­nung des au­to­ri­ta­tiv-dog­ma­ti­schen In­halts des Chris­ten­tums als auch die Ab­leh­nung des Li­be­ra­lis­mus, in Po­li­tik wie Theo­lo­gie.[115] 

An­zei­chen da­für, wie sehr Pe­ter­son bei Schmitt ei­nen Nerv ge­trof­fen ha­ben muss, ist der Ver­wei­se des Ju­ris­ten auf die Ar­beit des Theo­lo­gen: In „Volks­ent­scheid und Volks­be­geh­ren“ lob­te er Pe­ter­sons „grund­le­gen­de, in ih­rer wis­sen­schaft­li­chen Be­deu­tung weit über den Rah­men ih­res Son­der­fachs hin­aus­ge­hen­de Un­ter­su­chun­g“ über die Ak­kla­ma­ti­on.[116] Pe­ter­sons Schluss von der Ak­kla­ma­ti­on ei­ner Men­ge auf de­ren Rechts­fä­hig­keit half Schmitt bei der Kon­sti­tu­ie­rung des Vol­kes als ei­ne po­li­ti­sche Per­son. Um­ge­kehrt ver­dank­te auch Pe­ter­son sei­nem ju­ris­ti­schen Ge­sprächs­part­ner An­re­gun­gen. So ent­stam­men die Aus­füh­run­gen zum ju­ris­ti­schen Ge­halt der Lit­ur­gie, die er „Heis Theo­s“ hin­zu­füg­te, ein­deu­tig der ge­mein­sa­men Bon­ner Zeit.[117] 

Für die Mo­der­ne be­gab sich die Ak­kla­ma­ti­on in die Ab­hän­gig­keit von den ge­stell­ten, vor al­lem ein­fa­chen Fra­gen, denn für die Kom­ple­xi­tät gilt: „Die Un­mit­tel­bar­keit der De­mo­kra­tie lässt sich nicht or­ga­ni­sie­ren, oh­ne daß sie auf­hört, un­mit­tel­bar zu sein.“[118] Das stieß Schmitt, der in der ver­mit­tel­ten De­mo­kra­tie um die Le­ben­dig­keit und Stär­ke der po­li­ti­schen Wil­lens­bil­dung bang­te, auf den „fol­gen­rei­che[n] Zwie­spalt zwi­schen Li­be­ra­lis­mus und De­mo­kra­tie“[119], der sich auf fi­nan­zi­el­lem Ge­biet durch die Ho­mo­ge­ni­tät ge­fähr­den­de öko­no­mi­sche Macht­bal­lung be­son­ders aus­wir­ke und den er bis in die Span­nun­gen von „Le­ga­li­tät und Le­gi­ti­mi­tät“ wei­ter zu­spit­zen soll­te. So mün­de­te die Aus­ein­an­der­set­zung mit der li­be­ra­len Nach­kriegs­ord­nung in ei­nen iden­ti­tä­ren und für to­ta­li­tä­re Aus­le­gun­gen an­fäl­li­gen De­mo­kra­tie­be­griff.

Sei­nen An­griff auf den Li­be­ra­lis­mus führ­te Schmitt mit sei­nem be­rühmt-be­rüch­tigt ge­blie­be­nen „Be­griff des Po­li­ti­schen“ auf ei­nen Hö­he­punkt und for­mu­lier­te staats­theo­re­ti­sche Grund­sät­ze, die auch in die „Ver­fas­sungs­leh­re“ ein­gin­gen. Bei­de  von Schmitts Na­men nicht zu tren­nen­de Ar­bei­ten sind in der Tat ei­ne „Bon­ner Ern­te“[120], wie sie Meh­ring nann­te, denn sie ver­dan­ken ih­re Ent­ste­hung Bon­ner Um­stän­den und Er­geb­nis­sen. Im Früh­jahr 1927 er­hielt Schmitt ei­ne Ein­la­dung der Hoch­schu­le für Po­li­tik in Ber­lin zu ei­nem Vor­trags­abend über Pro­blem­stel­lun­gen der In­nen­po­li­tik. „Der Be­griff des Po­li­ti­schen“, wel­cher ur­sprüng­lich laut Ta­ge­buch als Ka­pi­tel ei­nes grö­ße­ren Wer­kes ge­dacht war, ver­selbst­stän­dig­te sich da un­ter sei­ner Hand.[121] Schmitt tes­te­te sei­ne Über­le­gun­gen, wenn auch sehr rasch zu Pa­pier ge­bracht, zu­nächst in sei­ner ak­tu­el­len Bon­ner Vor­le­sung aus.[122] Nach ge­nü­gen­der Er­pro­bung trug er am 20.5.1927 den „Be­grif­f“ in der Hoch­schu­le für Po­li­tik vor und hielt sei­nen, wie­der ein­mal durch­wach­se­nen Ein­druck im Ta­ge­buch fest: „[...] ver­lor die Über­sicht, kein gu­ter Vor­trag, de­pri­miert. Ab­scheu­li­che Dis­kus­si­on (der As­sis­tent Bloch von Som­bart, Paul Lands­berg sehr schön, Hel­ler ver­tei­dig­te mich rüh­rend)“.[123] 

Die Be­griffs­schrift liegt in meh­re­ren Fas­sun­gen vor, aber schon in der Fas­sung von 1927 las­sen sich in we­ni­gen Grund­sät­zen die theo­rie­bil­den­den An­sprü­che skiz­zie­ren. Schmitts ers­ter und be­kann­tes­ter Grund­satz lau­tet: „Der Be­griff des Staa­tes setzt den Be­griff des Po­li­ti­schen vor­aus.“[124] Das Po­li­ti­sche war für Schmitt et­was vor­staat­li­ches, auf dem der Staat als ei­ne Grup­pen­kon­struk­ti­on auf­bau­en kann. Es han­delt sich bei dem Po­li­ti­schen dem­nach um ei­ne Ka­te­go­rie von Hand­lungs- und Mo­tiv­op­tio­nen, für die Schmitt fest­hielt: „Die spe­zi­fisch po­li­ti­sche Un­ter­schei­dung, auf wel­che sich die po­li­ti­schen Hand­lun­gen und Mo­ti­ve zu­rück­füh­ren las­sen, ist die Un­ter­schei­dung von Freund und Feind.“[125] Für die Cha­rak­te­ri­sie­rung ei­ner Ka­te­go­rie des Po­li­ti­schen führ­te er sei­ne klas­sisch ge­wor­de­ne Freund-Feind-Un­ter­schei­dung ein, die sich al­ler­dings an­ders ge­stal­tet als das land­läu­fi­ge Kli­schee ei­ner sol­chen Un­ter­schei­dung es an­nimmt. Mit Schmitts Un­ter­schei­dung war ein dua­les Ver­hält­nis um­schrie­ben, das von In­ten­si­tä­ten und Span­nungs­ver­hält­nis­sen, von na­hen und fer­nen, ver­trau­ten und frem­den oder eben feind­lich und freund­lich ge­sinn­ten Ak­teu­ren des Po­li­ti­schen aus­geht.[126] 

Den­noch rief er da­zu auf, dies im Ge­gen­satz zu ei­nem öko­no­mi­sie­ren­den und da­her ni­vel­lie­ren­den Li­be­ra­lis­mus als exis­ten­ti­ell, das hei­ßt selbst- und grup­pen­kon­sti­tu­ie­rend, zu be­grei­fen, wie er es auf dem Feld ei­nes un­ge­heg­ten, qua­si zum of­fe­nen Aus­bruch ge­brach­ten Freund-Feind-Ver­hält­nis­ses dar­leg­te: „Der Krieg folgt aus der Feind­schaft, denn die­se ist die seins­mä­ßi­ge Ne­gie­rung ei­nes an­de­ren Seins. Krieg ist nur die äu­ßers­te Rea­li­sie­rung der Feind­schaft.“[127] Die Be­griffs­schrift lässt sich in di­rek­ter Fol­ge die­ser Grund­le­gun­gen auch als ei­ne na­tio­na­lis­ti­sche Kampf­schrift mit Wen­dung nach au­ßen le­sen.[128] Ge­gen die blo­ße Idee des uni­ver­sa­lis­ti­schen Gen­fer Völ­ker­bun­des ver­wies er auf die sou­ve­rä­nen Ei­gen­rech­te je­des ein­zel­nen Staa­tes, zu de­nen auch das Recht zur Kriegs­füh­rung und da­mit zur Feind­be­stim­mung ge­hö­re. Ein Welt­staat wür­de da­her „je­den po­li­ti­schen Cha­rak­ter ver­lie­ren“.[129] Sei­ne Furcht vor dem Ver­schwim­men von Krieg und Frie­den in ei­ner von Kri­sen be­droh­ten Welt fand ih­re ver­meint­li­che Quel­le in ei­nem Zerr­bild li­be­ra­ler Wer­te: „[...] an die Stel­le ei­ner kla­ren Un­ter­schei­dung der bei­den ver­schie­de­nen Sta­tus 'Krieg' und 'Frie­den' tritt der Dau­er­zu­stand ewi­ger Kon­kur­renz und ewi­ger Dis­kus­si­on.“[130] Die Be­schäf­ti­gung mit den äu­ße­ren Pro­ble­men Deutsch­lands und des Rhein­lan­des schlug auf die in­ne­ren Ver­hält­nis­se Wei­mars zu­rück.

Von ei­ner grund­sätz­li­chen Kri­tik am Li­be­ra­lis­mus, in die der „Be­grif­f“ mün­de­te, ging auch die Ver­fas­sungs­leh­re aus. Früh hat­te Schmitt, der im Win­ter­se­mes­ter 1926/1927 er­neut Ver­tre­tung für Erich Kauf­mann leis­te­te, Ge­dan­ken zu ei­nem um­fas­sen­den „Lehr­buch des Völ­ker­rechts“ ge­hegt.[131] Lud­wig Feucht­wan­ger lock­te den auf sei­ne Kon­di­tio­nen be­dach­ten Schmitt schlie­ß­lich er­folg­reich mit den wei­te­ren Ver­lags­pla­nun­gen von Duncker & Hum­blot, un­ter die auch ein „Staats­rech­t“ fiel, von dem Ger­hard An­schütz zu­rück­ge­tre­ten war. Er ver­schwieg sei­nem Au­tor da­bei nicht, dass Ru­dolf Smend zeit­gleich an ei­nem ei­ge­nen Ver­fas­sungs­recht saß[132], und er­öff­ne­te so­mit ein Ren­nen zwi­schen den freund­schaft­li­chen Kon­kur­ren­ten Smend und Schmitt um das Er­schei­nen ih­rer gro­ßen Haupt­wer­ke, die sie bei­de 1928 auf den Markt war­fen. Ge­gen­über Smend gab Schmitt als Ziel sei­ner Ar­beit an, „dem Li­be­ra­lis­mus die To­ten­mas­ke ab­zu­neh­men“.[133] Auch wenn er un­ter den Mü­hen der Ar­beit und Kor­rek­tur klag­te, reich­te er das Ma­nu­skript An­fang De­zem­ber per Post ein. Da be­fand er sich schon auf dem Sprung nach Ber­lin, wo er im Früh­jahr 1927 mit­tels sei­nes vä­ter­li­chen Freun­des und Men­tors aus der Düs­sel­dor­fer Re­fe­ren­dar­zeit, Hu­go am Zehn­hoff (1855-1930), der frisch aus dem Amt des preu­ßi­schen Jus­tiz­mi­nis­ters aus­ge­schie­den war, und sei­nes ste­ten För­de­rers aus Münch­ner Ta­gen, Mo­ritz Ju­li­us Bonn (1873-1965) aus­ge­forscht hat­te, wie sei­ne Aus­sich­ten auf ei­ne Pro­fes­sur an der Han­dels­hoch­schu­le der Reichs­haupt­stadt stan­den. Nach ei­ner Ket­te von Ab­sa­gen und Ver­hand­lun­gen nahm Schmitt am 5.10.1927 den Ruf schlie­ß­lich an.[134] Auch wenn dies ei­nen vor­läu­fi­gen Ab­stieg in der Hoch­schul­land­schaft des Rei­ches be­deu­te­te und Schmitt noch lan­ge schwank­te, so zog ihn doch letzt­lich die Nä­he zur Po­li­tik an.[135] Die „Ver­fas­sungs­leh­re“, Schmitts ein­zi­ges gro­ßes Werk aus ei­nem Guss, be­schloss so­mit die Bon­ner Jah­re und zog in­halt­lich ih­re Sum­me.

Die „Ver­fas­sungs­leh­re“ stellt kein blo­ßes Ver­fas­sungs­recht dar, da es die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung nicht al­lein be­han­delt, son­dern die Ver­fas­sungs­theo­rie ins­ge­samt in den Blick nimmt. Die für ei­ne Ver­fas­sungs­ord­nung grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen be­zeich­ne­te Schmitt als „Sub­stan­z“, die er von den ein­zel­nen Ver­fas­sungs­nor­men un­ter­schie­den wis­sen woll­te. Er for­der­te dar­an an­schlie­ßend in der Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on die stän­di­ge Be­rück­sich­ti­gung der „Sub­stan­z“ und ei­ne not­wen­di­ge Re­la­ti­vie­rung ein­zel­ner gel­ten­der Ver­fas­sungs­nor­men ge­gen­über die­sen Grund­ent­schei­dun­gen.[136] Die­se Un­ter­schei­dung ist durch­aus ein „ver­fas­sungs­po­li­ti­scher He­bel zur Af­fir­ma­ti­on und Kri­ti­k“, denn er kann auch um­ge­kehrt und da­mit  zur Re­la­ti­vie­rung des Ver­fas­sungs­rechts als sol­ches ge­gen­über ei­ner bloß an­ge­nom­me­nen „Sub­stan­z“ ver­wen­det wer­den.[137] 

Trotz die­ses Kipp­bil­des er­weckt die Ver­fas­sungs­leh­re in wei­ten Tei­len nicht den Ein­druck von ei­nem Ver­fas­sungs­skep­ti­ker ge­schrie­ben wor­den zu sein. Das mag wohl am meis­ten an Schmitts Pas­sa­gen zum Rechts­staat lie­gen. Im zwei­ten Teil sei­nes Wer­kes ging er zu den Grund­la­gen des bür­ger­li­chen Rechts­staa­tes über und be­schrieb die Grund­rech­te so­wie die Ge­wal­ten­tei­lung als Ord­nungs­prin­zi­pi­en des Ver­fas­sungs­staa­tes.[138] Und doch: Im be­deu­tungs­schwe­ren Ka­pi­tel „Bür­ger­li­cher Rechts­staat und po­li­ti­sche For­m“ wand­te er sei­ne Un­ter­schei­dung von Li­be­ra­lis­mus und De­mo­kra­tie so kon­se­quent an, dass er sich so­gar zu dem Ur­teil ver­stieg, ei­ne rechts­staat­li­che Ver­fas­sungs­ord­nung stel­le kei­ne Staats­form dar, son­dern nur die Ver­wirk­li­chung ih­rer Idee von der ei­ge­nen kon­sti­tu­tio­nel­len He­gung.[139] Ge­ra­de­zu pro­phe­tisch, wie schon ei­ni­ge Aus­sa­gen des Bon­ner Carl Schmitt, ließ er den Teil über das par­la­men­ta­ri­sche Sys­tem mit dem „Auf­lö­sungs­recht des Reichs­prä­si­den­ten“ en­den.[140] In ge­wis­ser Wei­se spie­gel­te dies die Ver­fas­sungs­wirk­lich­keit wie­der, in wel­che die Wei­ma­rer Re­pu­blik schon bald ein­tre­ten soll­te.

9. Schluss

„Wenn ich an die Ge­sprä­che den­ke, die wir 1921-1928 in Bonn ge­führt ha­ben, so kom­me ich mir leicht­sin­nig vor“, be­kann­te Carl Schmitt in ei­nem Brief aus dem vom Krieg zer­stör­ten Ber­lin des Jah­res 1946 an sei­nen al­ten Freund Wil­helm Neuß. „Wer weiß, ob wir die Früch­te un­se­rer For­schun­gen und Er­fah­run­gen noch ein­mal in ei­nem schö­nen Ge­spräch ern­ten kön­nen?“[141] Das war weit­aus mehr als der Ver­such ei­ner Kon­takt­auf­nah­me durch ei­nen Mann, der am vor­läu­fi­gen En­de sei­ner Kar­rie­re an­ge­langt nicht nur im me­ta­pho­ri­schen Sin­ne in Trüm­mern stand. Es war auch die Er­in­ne­rung an geis­tig äu­ßerst re­ge und an­re­gungs­rei­che Zei­ten.

An der Ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Bonn stieß Schmitt zu ei­ner geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fach­aus­rich­tung, die sich wie er ge­gen den Rechts­po­si­ti­vis­mus stell­te. Die Fa­kul­tät zeich­ne­te sich trotz ei­nes Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sels und der vie­len Um­brü­che in Wis­sen­schaft und Po­li­tik durch gro­ße the­ma­ti­sche Kon­ti­nui­tät aus. Be­stim­mend blieb für die Bon­ner Staats­rechts­leh­re ei­ne star­ke Stel­lung der Rechts­ge­schich­te und der Staats­phi­lo­so­phie, auf die auch Schmitt in sei­nem be­griffs­be­ton­ten Zu­gang im­mer wie­der zu­rück­griff. Ein­zig auf dem für Bonn so er­folg­rei­chen und in­no­va­ti­ven Ge­biet des Wirt­schafts­rechts fand er kei­ne ei­ge­nen An­knüp­fungs­punk­te, was sich aus sei­nem stär­ker ar­ti­ku­lie­ren­den Il­li­be­ra­lis­mus und Un­be­ha­gen an der Öko­no­mie er­klä­ren lässt. Mag er auch kennt­nis­reich an die Schrif­ten sei­ner Kol­le­gen und da­mit an die Bon­ner Rechts­leh­re an­ge­knüpft ha­ben, ge­fes­tig­te Ban­de zu der Fa­kul­tät und ih­ren Mit­glie­dern er­ga­ben sich nicht.

Die äu­ße­re La­ge Deutsch­lands und das durch Be­sat­zung und Se­pa­ra­ti­on be­droh­te Rhein­land, mit dem sich Schmitt als ei­ne zwei­te Hei­mat ver­bun­den fühl­te und von des­sen Pro­ble­men er als Bon­ner Pro­fes­sor selbst be­trof­fen war, mo­ti­vier­ten ihn da­zu, ex­em­pla­risch an­hand des Rhein­lan­des den Kampf mit der von ihm als rechts­un­si­cher und dis­kri­mi­nie­rend ge­brand­mark­ten Nach­kriegs­ord­nung von Genf und Ver­sailles auf­zu­neh­men. Die hier ge­won­ne­nen Ein­sich­ten in die Not­wen­dig­keit ei­ner star­ken po­li­ti­schen Wil­lens­bil­dung schlu­gen auf die wie­der auf­ge­nom­me­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Ar­bei­ten zu­rück und führ­ten zu dem Vor­ha­ben ei­ner Aus­dif­fe­ren­zie­rung von Li­be­ra­lis­mus und De­mo­kra­tie, die ge­fähr­li­che Im­pli­ka­tio­nen mit sich brach­te und noch im­mer mit sich bringt.

Schmitts po­li­ti­sche Po­si­tio­nen sind gründ­lich dis­kre­di­tiert und ha­ben sich – gleich­wohl die so­ge­nann­te „Neue Rech­te“ an sie an­zu­knüp­fen ver­sucht – über­lebt, wie auch Na­tio­na­lis­mus und Eta­tis­mus Wei­mars ver­schwun­den sind. Aus der Aus­ein­an­der­set­zung mit Schmitt zieht al­ler­dings nur der ei­nen Ge­winn, der sich auf die ju­ris­tisch-staats­theo­re­ti­schen Ar­gu­men­te, nicht auf sei­ne Res­sen­ti­ments und Ver­zer­run­gen ein­lässt. So lie­ße „sich mit Carl Schmitt ge­gen Carl Schmit­t“ ler­nen.[142] 

Quellen

Un­ge­druck­te Quel­len
Lan­des­ar­chiv NRW, Ab­tei­lung Rhein­land (LAV NRW R)
Nach­lass Carl Schmitt (RW 265)
Samm­lung Tom­mis­sen (RW 579)
Uni­ver­si­täts­ar­chiv Bonn (UA Bonn)
Per­so­nal­ak­ten (PA)
Uni­ver­si­täts- und Lan­des­bi­blio­thek Bonn (ULB Bonn)
Nach­lass Wil­helm Neuß (NL Neuß 19:044) 

Schrif­ten Carl Schmitts
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Schmitt, Carl, Die geis­tes­ge­schicht­li­che La­ge des heu­ti­gen Par­la­men­ta­ris­mus, 2. Auf­la­ge, Mün­chen/Leip­zig 1926.
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Schmitt, Carl, Ver­fas­sungs­leh­re, Mün­chen/Leip­zig 1928.
Schmitt, Carl, Über die drei Ar­ten rechts­wis­sen­schaft­li­chen Den­kens, Ham­burg 1934.
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Ta­ge­bü­cher Carl Schmitts
Schmitt, Carl, Der Schat­ten Got­tes. In­tro­spek­tio­nen, Ta­ge­bü­cher und Brie­fe 1921 bis 1924, hg. v. Gerd Gies­ler, Ernst Hüs­mert u. Wolf­gang H. Spind­ler, Ber­lin 2014.
Schmitt, Carl, Ta­ge­bü­cher 1925 bis 1929, hg. v. Mar­tin Ti­el­ke u. Gerd Gies­ler, Ber­lin 2018.
Brief­wech­sel Carl Schmitts Gro­the, Ewald (Hg.), Carl Schmitt – Ernst Ru­dolf Hu­ber. Brief­wech­sel 1926-1981, Ber­lin 2014.
Meh­ring, Rein­hard (Hg.), „Auf der ge­fah­ren­vol­len Stra­ße des öf­fent­li­chen Rechts". Brief­wech­sel Carl Schmitt – Ru­dolf Smend 1921-1961, Ber­lin 2010.
Rieß, Rolf (Hg.), Carl Schmitt – Lud­wig Feucht­wan­ger. Brief­wech­sel 1918-1935, Ber­lin 2007. 

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On­line
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Die im Jahr 1928 von Schmitt verfasste "Verfassungslehre". (© Carl-Schmitt-Gesellschaft e.V.)

 
Anmerkungen
  • 1: Gurian, Kronjurist des III. Reiches, S. 52-54.
  • 2: Christian Graf von Krockow im FAZ-Magazin vom 18.4.1986, S. 28; zitiert nach: Rüthers, Entartetes Recht, S. 155.
  • 3: Münkler, Erkenntnis wächst an den Rändern.
  • 4: Vgl. beispielsweise Koenen, Der Fall Carl Schmitt u. Blasius, Preußischer Staatsrat.
  • 5: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 140.
  • 6: Vgl. Noack, Schmitt, S. 65; Mehring, Aufstieg und Fall, S. 189.
  • 7: Mehring, Greifswalder Intermezzo, S. 323-353.
  • 8: Vgl. Schreiben des Universitätskurators Norrenberg vom 30.3.1922 an Schmitt, in: UA Bonn PA 8888; Schmitt am 9.3.1922 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 20-21.
  • 9: Vgl. Koenen, Der Fall Carl Schmitt, S. 31-32.
  • 10: Vgl. Baumgarten, Professoren, S. 168-169, 177, 248.
  • 11: Zitelmann, Bonner Universität, S. 3, 8-9.
  • 12: Vgl. Friesenhahn, Juristen der Universität Bonn, S. 44-45.
  • 13: Vgl. Schmoeckel, Schmitt in Bonn, S. 241; jüngst auch Schmoeckel/Düppe, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 299.
  • 14: Landsberg gilt gar als erster jüdischer Privatdozent an einer preußischen Rechtsfakultät, jedenfalls war er es sicher für Bonn; vgl. Siebels, Ernst Landsberg, S. 24, 33.
  • 15: Vgl. Friesenhahn, Juristen der Universität Bonn, S. 36.
  • 16: Vgl. Schmoeckel, Schmitt in Bonn, S. 245-246; Schmoeckel/Düppe, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 302-303.
  • 17: Zu Hubers Bonner Werdegang vgl. Maetschke, Im Schatten Carl Schmitts, S. 368-386.
  • 18: Vgl. Lang-Hinrichsen, Bergbohm, S. 77.
  • 19: Vgl. ausführlich Liermann, Kaufmann, S. 349-350; Degenhardt, Machtstaat und Völkerbund.
  • 20: Vgl. Erich Kaufmann am 1.6.1923 an Schmitt, LAV NRW R RW 265-7314. Zur Beratertätigkeit für das AA und andere Institutionen vgl. Degenhardt, Machtstaat und Völkerbund, S. 91-109.
  • 21: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 141; Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 20 Anm. 5.
  • 22: Vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 202, 315 u. zum neuen Institut Schmitt, Seminar für internationales Recht und Politik, S. 41-42.
  • 23: Eine nicht ganz vollständige Übersicht über Schmitts Bonner Lehrveranstaltungen bietet Mehring, Aufstieg und Fall, S. 616 Anm. 6.
  • 24: Vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 77-79.
  • 25: Vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 79.
  • 26: Zu den ersten Nennungen im Tagebuch vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 90ff., 114ff.
  • 27: Hermann Heller diagnostizierte als erster eine grundlegende Krise, vgl. Heller, Krisis der Staatslehre, S. 289-316. Die Bezeichnung „Methodenstreit“ prägte hingegen Schwinge, Methodenstreit. Zu Generationsmerkmalen vgl. Möllers, Generationenkonflikt, S. 399-424.
  • 28: Stolleis, Geschichte des öffentlichen Rechts, S. 155.
  • 29: Grothe, Verfassungsgeschichtsschreibung, S. 150.
  • 30: Smend, Richtungsstreit, S. 575-589.
  • 31: Tripp, Positivismus, S. 278-279.
  • 32: Schmitt, Über die drei Arten, S. 32.
  • 33: Schmitt, Lage der europäischen Rechtswissenschaft, S. 32.
  • 34: Vgl. so etwa Korioth, Rudolf Smend, S. 590-593.
  • 35: Vgl. Smend, Ungeschriebenes Verfassungsrecht, S. 39-59.
  • 36: Vgl. Kaufmann, Kritik der neukantischen Rechtsphilosophie.
  • 37: Schmoeckel/Düppe, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 309-310.
  • 38: Rennert, Klaus: Die „geisteswissenschaftliche Richtung“.
  • 39: Vgl. Schmoeckel, Schmitt in Bonn, S. 254-255; Schmoeckel/Düppe, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 314-315.
  • 40: Vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 75 Anm. 220, 99, 324-325, 340; Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 82 Anm. 498. Schmitts angemietetes Haus trägt heute die Adresse Godesberger Allee 155.
  • 41: Ernst Rudolf Huber am 8.7.1978 an Schmitt, in: Grothe (Hg.), Carl Schmitt – Ernst Rudolf Huber, S. 388.
  • 42: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 124, 151.
  • 43: Schmitt, Politische Theologie, S. 13.
  • 44: Schmitt, Politische Theologie, S. 43.
  • 45: Schmitt konnte dies mit gewissem Recht tun; vgl. Kelsen, Gott und Staat, S. 261-284.
  • 46: Vgl. Schmitt, Politische Theologie, S. 46-55, 64ff.
  • 47: So etwa mit Landsberg jun. und Göppert, der Rathenau gekannt hatte; vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 106, 124.
  • 48: Schmitt, Schatten Gottes, S. 116-117.
  • 49: Schmitt, Schatten Gottes, S. 106.
  • 50: Damit zitiert er ohne Verweis einen Ausdruck Harnacks; vgl. Harnack, Marcion, S. 7, 9, 12-13.
  • 51: Schmitt, Römischer Katholizismus, S. 26.
  • 52: Vgl. Kaufmann, Wesen des Völkerrechts, S. 136.
  • 53: Vgl. Dahlheimer, Schmitt und Katholizismus, S. 56-81, 82-84. Zu Koenens Ausführungen in Bezug auf die Bonner Zeit siehe Koenen, Der Fall Carl Schmitt, S. 32-62.
  • 54: Schmitt, Schatten Gottes, S. 96.
  • 55: Vgl. so Mehring, Aufstieg und Fall, S. 152.
  • 56: Vgl. Koenen, Der Fall Carl Schmitt, S. 85-87.
  • 57: Zum Krisenjahr 1923 und seinen verfassungsgeschichtlichen Konsequenzen vgl. Huber, Verfassungsgeschichte, Band 7, S. 390-401.
  • 58: Als immer wiederkehrendes Motiv vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 140, 145, 192, 203.
  • 59: Schmitt, Schatten Gottes, S. 139-140.
  • 60: Schmitt, Schatten Gottes, S. 142-143, 151, 159.
  • 61: Vgl. Becker, Geistesgrößen und Gefahren, S. 104-105.
  • 62: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 158.
  • 63: Smend, Verschiebung der konstitutionellen Ordnung, S. 64.
  • 64: Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage, S. 39.
  • 65: Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage, S. 20.
  • 66: Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage, S. 37.
  • 67: Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage, S. 77.
  • 68: Rudolf Smend am 22.12.1923 an Schmitt, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 24-25.
  • 69: Vgl. Schmitt am 28.10.1923 an Ludwig Feuchtwanger, in: Rieß (Hg.), Schmitt – Feuchtwanger, S. 38-39 mit Anm. 4.
  • 70: Schmitt am 24.11.1923 an Ludwig Feuchtwanger, in: Rieß (Hg.), Schmitt – Feuchtwanger, S. 46.
  • 71: Vgl. Stolleis, Geschichte des öffentlichen Rechts, S. 186-189; Friedrich, Geschichte der Staatsrechtswissenschaft, S. 320-324.
  • 72: Vgl. Bracher, Auflösung der Weimarer Republik, S. 47-52, 56-57.
  • 73: Vgl. Huber, Verfassungsgeschichte, Band 6, S. 688-689; Bracher, Auflösung der Republik, S. 47-48.
  • 74: Huber, Verfassungsgeschichte, Band 6, S. 689.
  • 75: Art. 48 Abs. 4 WRV: „Das Nähere bestimmt ein Reichsgesetz.“
  • 76: Schmitt, Schatten Gottes, S. 311. Der Originalbrief Triepels vom 3.2.1924 befindet sich im Nachlass: LAV NRW R RW 265-16399. Schmitt, Schatten Gottes, S. 311. Der Originalbrief Triepels vom 3.2.1924 befindet sich im Nachlass: LAV NRW R RW 265-16399.
  • 77: Schmitt, Diktatur des Reichspräsidenten, S. 81.
  • 78: Schmitt, Diktatur des Reichspräsidenten, S. 82-104.
  • 79: Schmitt, Schatten Gottes, S. 337.
  • 80: Schmitt, Reichspräsident und Weimarer Verfassung, S. 27.
  • 81: Seiberth, Anwalt des Reiches.
  • 82: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 168.
  • 83: Vgl. Ludwig Feuchtwanger am 23.3.1925 an Schmitt, in: Rieß (Hg.), Schmitt – Feuchtwanger, S. 127 u. zum Kontrahenten Otto, Stier-Somlo, S. 354-355.
  • 84: Schmitt am 21.5.1925 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 44.
  • 85: Schmitt, Schatten Gottes, S. 303.
  • 86: Vgl. Schmoeckel, Schmitt in Bonn, S. 260-261.
  • 87: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 185.
  • 88: Vgl. sehr idealisiert Schmitt, Ex Captivitate Salus, S. 10. Zu den Familienverhältnissen vgl. Brand, Schmitt und seine Herkunft, S. 225-298.
  • 89: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 26.
  • 90: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1924), S. 12.
  • 91: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1924), S. 12.
  • 92: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1924), S. 4.
  • 93: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1926), S. 118.
  • 94: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1926), S. 97.
  • 95: Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 23.
  • 96: Vgl. Schmitt, Status quo, S. 51ff.
  • 97: Vgl. Schmitt, Status quo, S. 59.
  • 98: Vgl. Koenen, Der Fall Carl Schmitt, S. 45 Anm. 118; Dahlheimer, Schmitt und Katholizismus, S. 419.
  • 99: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 192.
  • 100: Schmitt am 5.6.1925 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 46.
  • 101: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 27.
  • 102: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 32.
  • 103: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 30.
  • 104: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 36.
  • 105: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 39.
  • 106: Vgl. dazu Piet Tommissens Rezensionssammlung, die sich in seinem Nachlass erhalten hat: LAV NRW R RW 579-893.
  • 107: Schmitt am 5.6.1925 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 45.
  • 108: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 198.
  • 109: Zum Plebiszit und seiner Ambivalenz in Weimar vgl. Huber, Verfassungsgeschichte, Band 6, S. 429-433.
  • 110: Schmitt, Volksentscheid und Volksbegehren, S. 31.
  • 111: Schmitt, Volksentscheid und Volksbegehren, S. 36-45.
  • 112: Vgl. Nichtweiß, Erik Peterson, S. 727.
  • 113: Peterson, Heis Theos.
  • 114: Vgl. sehr intensiv Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 24ff., 31ff.
  • 115: Vgl. Nichtweiß, Erik Peterson, S. 742-743.
  • 116: Schmitt, Volksentscheid und Volksbegehren, S. 34.
  • 117: Vgl. Nichtweiß, Erik Peterson, S. 740-741. Zu den Ausführungen bei Peterson siehe vor allem Peterson, Heis Theos, S. 177-178.
  • 118: Schmitt, Volksentscheid und Volksbegehren, S. 49.
  • 119: Gedankengang aus „Volksentscheid und Volksbegehren“ aufgenommen in Schmitt, Demokratie und Finanz, S. 97.
  • 120: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 200.
  • 121: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 202 u. Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 129-130.
  • 122: Vgl. Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 137-138.
  • 123: Vgl. Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 137-138.
  • 124: Schmitt, Begriff, S. 196.
  • 125: Schmitt, Begriff, S. 196.
  • 126: Schmitt, Begriff, S. 196-197.
  • 127: Schmitt, Begriff, S. 198.
  • 128: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 211.
  • 129: Schmitt, Begriff, S. 210.
  • 130: Schmitt, Begriff, S. 216.
  • 131: Schmitt am 3.8.1926 an Ludwig Feuchtwanger, in: Rieß (Hg.), Carl Schmitt – Ludwig Feuchtwanger, S. 184.
  • 132: Vgl. Ludwig Feuchtwanger am 25.5.1927 an Schmitt, in: Rieß (Hg.), Carl Schmitt – Ludwig Feuchtwanger, S. 202ff. u. Ludwig Feuchtwanger am 14.6.1927 an Schmitt, in: Rieß (Hg.), Carl Schmitt – Ludwig Feuchtwanger, S. 207.
  • 133: Schmitt am 17.10.1927 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 65.
  • 134: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 202, 204-205.
  • 135: Vgl. so schon Huber, Schmitt in der Reichskrise, S. 33-70.
  • 136: Vgl. Schmitt, Verfassungslehre, § 3, v. a. S. 23-24.
  • 137: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 216.
  • 138: Vgl. Schmitt, Verfassungslehre, § 14-15.
  • 139: Vgl. Schmitt, Verfassungslehre, § 16.
  • 140: Vgl. Schmitt, Verfassungslehre, § 28.
  • 141: Schmitt am 20.12.1946 an Wilhelm Neuß, in: ULB Bonn NL Neuss 19:044.
  • 142: Meier, Zwischenbilanz, S. 223.
Zitationshinweis

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Schulz, René, Am Anfang der Positionen und Begriffe: Carl Schmitt in Bonn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/am-anfang-der-positionen-und-begriffe-carl-schmitt-in-bonn/DE-2086/lido/6093b1903c0b48.99330509 (abgerufen am 26.09.2021)